Junkie-Senioren

04. Oktober 2016 05:53; Akt: 04.10.2016 14:41 Print

Rauchen, Kiffen und Fixen im Altersheim

Der Bieler Fotograf Rolf Neeser porträtierte die Drogensüchtigen im Altersheim Solina in Spiez. Ihr Alltag wird weiterhin von ihrer Sucht dominiert.

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Was passiert mit Junkies, wenn sie alt werden? Sie gehen ins Altersheim. So wohnen im Solina Spiez 14 Drogensüchtige zwischen 50 und 70 Jahren und verbringen ihre Tage mit Rauchen, Reden – und Fixen. «Es war schon komisch, einem alten Mann statt einem jungen zuzuschauen, wie er sich einen Schuss setzt», sagt Fotograf Rolf Neeser zu 20 Minuten. Der Bieler verbrachte eine Woche bei den Junkie-Senioren und hielt ihren Alltag im Bild fest.

Umfrage
Passen Junkies in ein Altersheim?
49 %
38 %
13 %
Insgesamt 4170 Teilnehmer

Die meisten von ihnen stammten aus dem Kanton Bern. Viele von ihnen traf Neeser bereits bei früheren Reportagen in Bern und Biel. «Es war befremdlich, die bekannten Gesichter von der Gasse im sauberen, modernen Heim wiederzusehen.» Dort läuft ihr Leben deutlich geregelter ab: Aufstehen, Frühstücken und dann je nachdem eine Dosis Heroin oder Methadon. «Bei der Ankunft im Heim wird ihr Blut gemessen und bestimmt, wie viel Stoff sie bekommen», erklärt Neeser.

Heroin wird aus Bern geliefert

Heroin und Methadon werden von der Suchthilfe-Stiftung Contact aus Bern geliefert. Die Angestellten bereiten die Spritzen dann vor und bringen sie zu den Süchtigen ins Zimmer. «Den Schuss setzen sie sich selber, aber es ist eine Aufsichtsperson dabei», sagt Neeser. Jede Einnahme wird in einem Buch verzeichnet, pro Tag erhalten die Drögeler ein bis zwei Dosen ihres Stoffs.

Den Rest des Tages könne die Junkies selber gestalten. Meistens verbringen sie ihre Zeit im Raucherraum im öffentlichen Restaurant. «Die meisten von ihnen sind stark nikotinabhängig und deshalb Kettenraucher», so Neeser. Einige würden auch rausgehen und Cannabis konsumieren. «Kiffen ist nicht erlaubt, also besorgen sie sich das Zeug ausserhalb des Heims.»

«Manche wollen zurück auf die Gasse»

Ein paar verbringen ihre Zeit auch mit anderen der rund 180 Bewohner. «Es haben sich schon Freundschaften ergeben», meint Neeser. «Die Drogensüchtigen sind gut integriert.» Dabei helfe bestimmt auch der Mix aus Pflege- und Altersheim: «Im Solina hat es nicht nur alte Menschen, sondern auch behinderte und demente Personen.» Die Süchtigen könnten sich um sie kümmern und hätten so eine neue Aufgabe. Es gebe natürlich auch Bewohner, die nichts mit diesen zu tun haben wollen – «aber das Gebäude ist gross genug, dass sie einander ausweichen können».

Nicht alle Drögeler sind laut Neeser glücklich mit ihrem neuen Wohnort: «Manche wollen wieder zurück auf die Gasse.» Dazu seien sie aber meistens nicht in der körperlichen Verfassung. Doch die anderen hätten in Spiez ein neues Daheim gefunden – «und das ist schön».

Neeser blanziert: «Ich wollte den Leuten einen Teil von Bern zeigen, der nie wahrgenommen wird.» Denn auch Junkies würden älter: «Mit gutem Heroin können sie auch 80 werden – wenn sie ihre Sucht überleben.»

(kaf)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Staguner am 04.10.2016 06:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Kiffen ist verboten aber den harten Stoff bekommen sie kontrolliert und zuverlässig. Wie bescheuert ist das denn?

    einklappen einklappen
  • R.G. am 04.10.2016 06:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hmmm

    Finde ich schräg, dass Ihnen Heroin (Methadon macht ja noch Sinn...) besorgt wird, aber Cannabis ist verboten.

    einklappen einklappen
  • §§§ am 04.10.2016 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    68er

    Die 68er Hippie Generation kommt halt langsam ins Pflegealter da darf doch wohl noch eine Tüte gekifft werden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ani16 am 04.10.2016 12:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wie bitte???

    heroin und methadon wird zur verfügung gestellt,aber kiffen ist verboten??verstehe ich nun wirklich nicht...wenn,dann sollten die kiffer auch ihr gras bekommen

  • Traurig am 04.10.2016 11:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schrecklich

    ich finde es sowas von schreg, dass man in einem Altersheim drohen bekommt. wie wäre es wenn man mit diesen Menschen einen Therapie oder so was machen würden?

  • D. Rögeler am 04.10.2016 09:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr, sehr schwach geschrieben!

    Dass der Journi, welcher diesen Artikel schrieb, u.a. wiederholt von "Drögelern" schreibt, ist absolut schwach! Ein Artikel, welcher derart pseudo-reisserisch geschrieben ist, dürfte von den Verantwortlichen Redakteuren eigentlich gar nicht freigeschaltet werden! Und ja, mit Heroin kann / wird man uralt, ist im Gegensatz zu anderen Stoffen (zB Alkohol!) kein Zellgift, ist mir als Konsument seit bald 30 Jahren, sog. integriert (dass jemand in einer solchen Position, wie ich ein "Drögeler" ist, hkhmmm, geht den meisten eh nicht in den Kopf und vermutet auch niemand) wohl bewusst!

  • Babs am 04.10.2016 09:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Teil der Gesellschaft

    Es ist doch nicht die Frage ob diese Menschen in ein Altersheim passen! Sondern wie sich unsere Heime diesem Teil unserer Gesellschaft anpassen müssen.

  • luna am 04.10.2016 09:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bilder

    diese bilder sind traurig anzusehn...das man nicht früher daran arbeitet diese menschen drogenfrei zu bekommen verstehe ich nicht. ich arbeite im gesundheitswesen und es nicht einfach solche menschen zu pflegen.das man sein leben selbst so zerstören kann ...traurig..