Totes Baby in Müllsack

11. Februar 2019 05:43; Akt: 11.02.2019 10:25 Print

«Niemand hat gesehen, dass sie schwanger war»

In Reconvilier ist die Betroffenheit auch einen Monat nach dem Fund eines toten Babys sehr gross. Einige Anwohner gehen davon aus, dass die Mutter ihre Schwangerschaft vertuschen wollte.

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Der Fall schockierte die ganze Schweiz: Ein totes Baby wurde Mitte Januar in einem Müllsack bei der Festhalle von Reconvilier BE entdeckt. Auch rund einen Monat nach dem schrecklichen Fund sind die Geschehnisse im Dorf ein emotionales Thema. Viele Anwohner können nicht verstehen, wie man zu so etwas in der Lage ist: «Es ist einfach nur schrecklich. Die Mutter muss verzweifelt gewesen sein», sagt eine Spaziergängerin bei der Festhalle. «Sie wollte bestimmt, dass das Baby gefunden wird.» Sonst hätte sie den Müllsack einfach im Container deponiert, mutmasst die Frau weiter.

Wollte die Mutter die Schwangerschaft vertuschen?

Vieles deutet daraufhin, dass die Frau, die laut «Le Matin» zwischen 22 und 23 Jahren alt sein soll, niemandem von ihrer Schwangerschaft erzählte. So berichtet ein junger Mann aus dem Dorf gegenüber 20 Minuten: «Ich kenne sie vom Sehen und bin ihr zuletzt vor etwa drei Monaten über den Weg gelaufen. Niemand hat gesehen, dass sie schwanger war. Ich war schockiert, als ich es erfahren habe.» Auch andere Anwohner vermuten, dass die Frau die Schwangerschaft geheimhalten wollte oder sich dafür schämte.

So hat auch der biologische Vater des toten Mädchens nach eigenen Angaben nichts von der Schwangerschaft gewusst: «Ich bin aus allen Wolken gefallen, als mich die Polizei kontaktierte», sagte der 20-Jährige zu «Le Matin». Die Polizei war zuerst davon ausgegangen, dass der jetzige Partner der jungen Frau der Vater des Babys sei. Deswegen wurde er von der Polizei vorübergehend festgenommen. Der Partner der Frau wird im Dorf als «spezieller Zeitgenosse» beschrieben.

Keine Totgeburt

Die Untersuchungen zum toten Baby im Müllsack laufen weiter. Zurzeit führt das Institut für Rechtsmedizin der Universität Bern weitere Untersuchungen zur Todesursache des Babys durch. Die ersten Erkenntnisse deuten darauf hin, dass das Kind bei der Geburt gelebt hat.

(rc)