Lesbisches Elternpaar

08. September 2019 12:49; Akt: 08.09.2019 14:40 Print

Ex-Partnerin muss Frau Unterhalt bezahlen

Eine Mutter bekam von einem Regionalgericht in Bern Unterhalt für ihre Kinder von ihrer Ex-Partnerin zugesprochen. Das Urteil ist das erste seiner Art.

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Ein Berner Richter verurteilt eine Frau, ihrer Ex-Partnerin Unterhaltszahlungen für Kinder zu leisten. Das berichtet die «SonntagsZeitung». Das Urteil ist brisant. Erstmals anerkennen Richter damit eine gemeinsame Elternschaft bei gleichgeschlechtlichen Paaren, die in einer eingetragenen Partnerschaft lebten.

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Das Partnerschaftsgesetz ignoriert die Möglichkeit einer gemeinsamen Elternschaft. Der Anwalt der Klägerin und der Verband der Regenbogenfamilien sprechen von einem Durchbruch und einem Leiturteil, weil erstmals gleichgeschlechtliche mit heterosexuellen Familien gleichgestellt würden.

Offene Samenspende

Die beiden Frauen hatten sich 2004 kennen gelernt. Bald schon zogen sie zusammen und sprachen über Kinder. Es wurde beschlossen, dass die Gesuchstellerin die Babys austragen sollte. Daraufhin wurde im Bekanntenkreis nach einem Samenspender gesucht und als dies nicht funktionierte, wurde eine Annonce geschaltet. Schliesslich entschieden sich die beiden Frauen aber für offene Samenspenden in Dänemark.

Sobald die Kinder auf der Welt waren, reduzierte die leibliche Mutter ihr Arbeitspensum und ihre Partnerin wurde zur Hauptverdienerin. Im Jahr 2013 liessen sie ihre Partnerschaft eintragen und bauten gemeinsam ein Haus für ihre Familie. Die Beziehung hielt allerdings nicht und die Frauen trennten sich.

Das Berner Gericht hat mit seinem Entscheid über Unterhalt und Besuchsrecht neues Recht geschaffen. Das Urteil wird wahrscheinlich aber weiter gezogen. Wie die höheren Instanzen entscheiden werden, ist somit noch unklar. Dennoch könnte das Urteil bereits jetzt den Druck auf die Politik erhöhen, Regelungen für die Elternschaft bei gleichgeschlechtlichen Paaren aufzustellen.

(woz/doz)