25. April 2005 18:35; Akt: 25.04.2005 18:36 Print

Regierungspräsident Mario Annoni (FDP) geht

Anfang Juni 2006 wird Mario Annoni, einziger Regierungsrat französischer Zunge im Kanton Bern, die Exekutive nach 16 Jahren verlassen.

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Mit 52 Jahren will er eine neue Herausforderung annehmen. Annoni hat auf dem politischen Parkett früh Karriere gemacht. 1982 wurde der Fürsprecher mit 28 Jahren Regierungsstatthalter und Gerichtspräsident des Amtsbezirks La Neuveville. In dem Städtchen am Bielersee wohnt Annoni noch heute.

Hoffnungsträger der Berntreuen

Die damals noch nicht getrennten Funktionen des Statthalters und Gerichtspräsidenten übte Annoni bis 1990 aus. Dann bot sich dem Hoffnungsträger der berntreuen Jurassier die Chance, den vier Jahre zuvor an die Grünen verlorenen Jurasitz in der Berner Regierung ins freisinnige Lager zurück zu holen. Er schaffte es und etablierte sich seither auf dem verfassungsmässig garantierten Sitz.

Annoni begann als Justizdirektor und übernahm 1998, nach dem Rücktritt von Erziehungsdirektor Peter Schmid, dessen Direktion. Während der ganzen 16 Jahre leitete er die dreiköpfige Juradelegation des Regierungsrats.

Zurückhaltende Jura-Politik

Die Jurapolitik hatte für Annoni stets einen hohen Stellenwert. Zurückhaltend reagierte er auf die Kampfansage der Volksinitiative «Un seul Jura», die das Parlament des Kantons Jura im November 2004 für gültig erklärte. Statt deren Gültigkeit gerichtlich anzufechten, soll die Vereinbarkeit mit dem eingeschlagenen Verhandlungsweg geprüft werden.

Mit einem gutgeheissenen Vorstoss hat das Parlament der Regierung in der laufenden Session der Rücken gestärkt. Es sei zu prüfen, ob mit der Gültigerklärung der Initiative «Un seul Jura» die Vereinbarung vom 25. März 1994 und damit das Wirken der Assemblée interjurassienne in Frage gestellt sei.

«Damit liegt der Ball jetzt beim Kanton Jura», stellte Annoni im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda fest. Es stehe viel auf dem Spiel; bis jetzt sei nämlich auf dem Weg des geduldigen Dialogs einiges an gemeinsamen Institutionen geschaffen worden.

Das pragmatische Vorgehen zeitigte auch beim Jurastatut, das dem Berner Jura Kompetenzen in Schul- und Kulturangelegenheiten einräumt, einen wenn auch bescheidenen Erfolg. Die Regierung habe das Fuder nicht überladen dürfen, um nicht den Widerstand der andern Landesteile zu provozieren, sagt Annoni dazu. Das Statut wurde letzten Herbst verabschiedet.

Rauer Wind im Bildungswesen

Verständnis zeigte Annoni, dass ihm als Erziehungsdirektor oft ein rauer Wind entgegenwehte. Es sei nachvollziehbar, dass die zahlreichen Reformen im Bildungswesen innert wenigen Jahren zu harten Auseinandersetzungen geführt hätten.

In der laufenden Session behandelt der Grosse Rat die Bildungsstrategie des Kantons. Dabei kam die ganze Palette des Bildungswesens zur Sprache. Bei der Frage des Frühfranzösisch oder Frühenglisch signalisierte das Parlament am Montag Zustimmung zum regierungsrätlichen Kurs mit Frühfranzösisch.

Juristische Weiterbildung

Nach einer bewegten Zeit als bernischer Regierungsrat will Annoni in einem Jahr etwas Neues anpacken. Er wolle sich zunächst einmal juristisch weiterbilden, verriet er dazu.

Zuvor aber wird er den Regierungsrat nach 1994/95 und 1998/99 ein drittes Mal präsidieren, sofern ihn der Grosse Rat am Mittwoch wählt.


(sda)