Bern liebäugelt mit Kameras

03. Juni 2019 16:50; Akt: 03.06.2019 16:50 Print

Reitschüler wehren sich gegen Videoüberwachung

Der Berner Gemeinderat diskutiert eine mögliche Videoüberwachung im Areal der Reitschule und Schützenmatte in Bern. Diese könnte bei Unruhen hilfreich sein.

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Die Antwort des Berner Gemeinderates auf die Motion der SVP im Stadtrat vom vergangen Jahr, fällt teils zustimmend aus. Die Gemeinderats-Mitglieder ziehen eine mögliche Videoüberwachung in der Reitschule und Schützenmatte in Erwägung und werden die Forderung der SVP entsprechend prüfen. Videokameras könnten im Kampf gegen den Drogenhandel und die Gewalt auf der Schützenmatte und der Reitschule hilfreich sein, schreibt die Stadtregierung. Der Gemeinderat stellt klar, dass eine flächendeckende Überwachung unverhältnismässig sei und eine Überwachung innerhalb der Reitschule nicht möglich sei. Die Reitschule und die Schützenmatte sind häufiger Schauplatz von Unruhen, zuletzt in der Nacht auf den 19. Mai. Vermummte Randalierer hatten Strassenbarrikaden errichtet und angezündet, zehn Polizisten wurden dabei verletzt. Bei der Aufarbeitung solcher Ausschreitungen könnten Videobilder ebenfalls eine Rolle spielen, schreibt der Gemeinderat. So könne man Täter leichter identifizieren. Ein allfälliges Fehlverhalten von Polizisten könnte besser untersucht werden. Die Video-Überwachung liesse sich unabhängig von den kantonalen Bestrebungen für den Einsatz von Bodycams umsetzen. Der Gemeinderat kommt zum Schluss, dass eine Videoüberwachung im Bereich des öffentlich zugänglichen Reitschulareals und der Schützenmatte «einen Mehrwert bieten» könnte. Deshalb will er das Anliegen vertieft prüfen. Die Mediengruppe der Reitschule Bern schreibt, dass sie über die Entschiedung des Gemeinderates nicht erstaunt sei. Sie lehnen eine Videoüberwachung des Areals um die Reitschule heurm klar ab und fordern den Berner Gemeinderat auf «von seiner unkonstruktiven Repressionspolitik abzukommen» und für andere Lösungen ohne ordnungspolizeilichen Auftrag zu sorgen.

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Der Berner Gemeinderat kann sich vorstellen, Teile des Reitschul-Areals und der Schützenmatte künftig mit Videokameras zu überwachen. Das macht er in seiner Antwort auf eine Motion der SVP-Fraktion deutlich. Diese fordert eine Video-Überwachung der gesamten Schützenmatte und auch der Innenräume der Reitschule. Schliesslich handle es sich um einen besonders gefährlichen Ort, der regelmässig Schauplatz von Krawallen sei.

Der Gemeinderat ist bereit, den Vorstoss als Postulat entgegenzunehmen. Eine flächendeckende Überwachung hält er allerdings für unverhältnismässig. Die geforderten Kameras innerhalb der Reitschule seien zudem wohl nicht bewilligungsfähig.

Doch grundsätzlich sei eine präventive Videoüberwachung durchaus prüfenswert, schreibt der Gemeinderat. Sie könnte dazu beitragen, Drogenhandel und Gewaltdelikte einzudämmen. Die Videobilder könnten zudem bei der Identifikation von Tätern hilfreich sein.

«Videobeweise» bei Krawallen

Nützlich wären sie auch bei Krawallen, hält der Gemeinderat weiter fest: Die Aufnahmen könnten dabei helfen, das Verhalten von Randalierern und Sicherheitskräften nachträglich aufzuarbeiten.

Wenn in Zukunft solche Vorfälle mit Videokameras dokumentiert würden, müsste das im Interesse all jener sein, die sich im Rahmen des Gesetzes bewegten, schreibt der Gemeinderat.

Ein allfälliges Fehlverhalten von Polizisten könnte ebenfalls besser untersucht werden. Die Video-Überwachung liesse sich unabhängig von den kantonalen Bestrebungen für den Einsatz von Bodycams umsetzen.

Der Gemeinderat kommt zum Schluss, dass eine Videoüberwachung im Bereich des öffentlich zugänglichen Reitschulareals und der Schützenmatte «einen Mehrwert bieten» könnte. Deshalb will er das Anliegen vertieft prüfen.

Reitschüler wehren sich

Die Betreiber der Reitschule lehnen die Videoüberwachung ab, wie die Mediengruppe umgehend mitteilte. Es entbehre jeglicher Verhältnismässigkeit, tausende friedliche Besucher der Schützenmatte und der Reitschule einer Überwachung zu unterziehen. Straftaten könnten so nicht verhindert werden; das zeige die Erfahrung.

Dem Gemeinderat werfen die Reitschüler vor, er betreibe eine «unkonstruktive Repressionspolitik». Die Stadtregierung würde besser für sinnvolle Lösungen sorgen – beispielsweise die Präsenz von Sozialarbeitern ohne ordnungspolizeilichen Auftrag.

(km/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Apop85 am 03.06.2019 17:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja

    Wenn man nonstop mist baut wird das halt irgendwann Konsequenzen nach sich ziehen...

  • Arwen90 am 03.06.2019 17:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    dann könnte die polizei aufräumen

    also ich geh auch ab und zu an konzerte im dachstock, ich bin absolut dafür, kameras zu installieren... ich meine, was spricht dagegen?eben, gar nichts!

  • hgidl am 03.06.2019 18:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut so!

    Ich finde die Videoüberwachung im öffentlichen Raum eine ausgezeichnete Idee! Vermutlich eine sinnvolle Massnahme, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Die Aufregung der Reitschüler verstehe ich nicht, in der Vergangenheit haben Sie es ja nicht fertig gebracht, darum ist diese Massnahme notwendig. Hätte nicht soweit kommen müssen, ist aber gut so! Hoffentlich wird die Videoüberwachung auch definitiv umgesetzt!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nachdenker am 03.06.2019 20:44 Report Diesen Beitrag melden

    Überwachen oder schliessen

    Die Reitschule entweder total mit Cameras überwachen oder wenn das nicht gewünscht wird dann schliessen.

  • Uschle am 03.06.2019 20:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Videoüberwachung

    Einfach machen und nicht Fragen, wenn es zur Sicherheit dient, ist die Idee sogar sehr gut. Wer nichts zu verbergen hat,braucht man die Videoüberwachung auch nicht zu fürchten.

  • Xaver Perte am 03.06.2019 20:05 Report Diesen Beitrag melden

    Lösung Parkplatz

    Reithalle: Abreissen, Planieren, Asphaltieren, Parkfelder einzeichnen. Dann wird der Autoverkehr in der Stadt reduziert, die Autofahrer könne ihr Auto abstellen und zu Fuss in der Stadt herumlaufen.

  • MrX8600 am 03.06.2019 20:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kameras

    Sie leben immer noch in der Schweiz und nicht in einer rechtsfreien Zone

  • MrX8600 am 03.06.2019 20:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Konsequenz

    Das ist halt die Konsequenz - Kameras oder abreissen