Bern-Mittelland

18. Februar 2011 21:04; Akt: 18.02.2011 21:16 Print

Rekrutierer zockt Swisscom ab

Ein Personalvermittler hat die Swisscom mit ungerechtfertigten Rechnungen hinters Licht geführt. Dafür gibts 15 Monate bedingt. Ausserdem wird eine Rückzahlung von 290'000 Franken fällig.

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Ein Berner Gericht hat am Freitag einen 35-jährigen Schweizer wegen Betrugs zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten verurteilt. Er muss der Swisscom B”rsenkurs rund 290 000 Franken zurückzahlen.

Das Regionalgericht Bern-Mittelland verurteilte den Beschuldigten wegen gewerbsmässig begangenen Betrugs, Urkundenfälschung und gewerbsmässiger Geldwäscherei. Es verhängte auch eine Geldstrafe von 3600 Franken, welche ebenfalls bedingt ausgesprochen wurde, und ordnete eine Bewährungshilfe an.

Der zweite Angeklagte wurde freigesprochen. Dem 27-jährigen Schweizer waren Hehlerei und Geldwäscherei vorgeworfen worden. Beide Verteidiger hatten für ihre Mandanten einen Freispruch gefordert.

Der Verurteilte aus der Region Zürich arbeitete bei der Swisscom temporär als Personal-Rekrutierer in Bern. Für tatsächlich erfolgte Anstellungen stellte er seiner Arbeitgeberin namens einer fiktiven Personalvermittlungsfirma Vermittlungsgebühren in Rechnung.

Zu wenig kontrolliert?

Sein Verteidiger hatte geltend gemacht, das Betrugs-Merkmal der arglistigen Täuschung sei nicht erfüllt. Denn die Swisscom hätte die Delikte mit einer angemessenen Kontrolle verhindern können. Das Gericht kam jedoch zum Schluss, man könne der Arbeitgeberin nicht vorwerfen, grundlegendste Vorsichtsmassnahmen missachtet zu haben.

So hätten zwei Vorgesetzte mit Kollegen Rücksprache genommen, bevor sie die Rechnungen visierten. Und zur Personalabteilung hätten die Mitarbeiter besonders viel Vertrauen gehabt. Mit einem Lügengebäude habe der Beschuldigte sie arglistig getäuscht.

Tatsächlich fälschte der Angeklagte E-Mails, um seine betrügerischen Machenschaften zu stützen. Die ersten sechs Zahlungen liess er über das Bankkonto eines Kollegen fliessen, um zu verschleiern, dass sie an ihn gingen. Dies erfülle eindeutig den Tatbestand der Geldwäscherei, hielt das Gericht fest.

Unwissende Beteiligung glaubhaft

Dem Kollegen hatte die Staatsanwaltschaft vorgeworfen, er habe zumindest annehmen müssen, dass das Geld von einer strafbaren Handlung herrührte. Das Gericht glaubte jedoch dem Beschuldigten, es sei ursprünglich nur um einen einmaligen Freundschaftsdienst gegangen. Der andere habe gegen seinen zunehmenden Widerstand weitergemacht.

Die schwankenden Beträge, die er als Dank für sich behalten durfte, zeigten, dass offenbar keine Entschädigung abgemacht war, meinte das Gericht. Dass er ab dem dritten Mal auf Belegen bestand und nach dem sechsten Mal zwei Zahlungen an die Swisscom zurückschickte, beweise, dass er nichts Unrechtes habe tun wollen.

(sda)