Berns Sicherheitsdirektor

22. August 2019 17:10; Akt: 22.08.2019 19:47 Print

«Solche Fans sollten gar nicht einreisen dürfen»

Die CL-Qualifikation YB – Roter Stern Belgrad hat Spuren in Bern hinterlassen. Berns Sicherheitsdirektor spricht trotzdem von einem gelungenen Polizeieinsatz.

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Herr Nause, was für ein Fazit ziehen sie nach dem Spiel zwischen YB und Roter Stern Belgrad?
Den Match als Rotes Spiel einzuschätzen und ein grosses Polizeiaufgebot einzusetzen, war richtig. Überall und zu jedem Zeitpunkt war die Stimmung in der Stadt angespannt, man musste immer mit Fan-Gewalt rechnen. Es war dem beherzten Eingreifen der Einsatzkräfte zu verdanken, dass am Mittwoch nicht noch Schlimmeres passiert ist.

Die Situation eskalierte an mehreren Orten, es fielen gar Schüsse.
Die Gewaltbereitschaft der Fans war hoch. Wir hatten etwa die Szene in der Hodlerstrasse, wo ein Mann angegriffen wurde und das Handgemenge nur durch Warnschüsse aufgelöst werden konnte. Vor dem Stadion versuchte zudem eine Gruppe, gewaltsam den Auswärts-Sektor zu stürmen. Auch dies konnten die Polizisten verhindern. Es war ein extrem schwieriges Umfeld für die Einsatzkräfte.


Ein Polizist musste in die Luft schiessen. Video: Leser-Reporter

Wie viele Belgrad-Anhänger wurden gezählt?
Eine Zahl will ich nicht nennen, aber wir haben festgestellt, dass nebst den Fans aus Serbien und der Schweiz auch viele Roter-Stern-Fans aus Deutschland nach Bern gekommen sind. Viele Saisonkarten-Besitzer von YB hatten offenbar ihre Tickets weiterverkauft. Die Fangemeinschaft war so schliesslich deutlich grösser, als die reservierten 2000 Plätze im Gästesektor.

Ein grosser Teil der Fans der serbischen Mannschaft versammelte sich in der Innenstadt und marschierte anschliessend gemeinsam zum Stadion. Waren Sie darauf vorbereitet?
Davon musste man ausgehen. Es war jedoch nicht klar, welche Route die Fans nehmen würden. Wir mussten zu jeder Zeit in der ganzen Stadt mit Konfrontationen rechnen. Die Polizei war zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort und hat richtig interveniert.

Sie kündigten im Vorfeld an, einen möglichen Marsch polizeilich eng zu begleiten. Wirklich viele Polizisten waren beim Fanwalk zum Stadion aber nicht zu sehen. Die Belgrad-Fans genossen sogar eine Art Narrenfreiheit.
Sehen Sie sich die Bilder und Videos im Netz an. Man sieht, dass dort, wo etwas passiert ist, die Polizei in ausreichender Zahl vor Ort war. Niemand wusste, wo der Walk durchführen wird. Er hätte genauso gut auch über die Kornhausbrücke gehen können.
Alles andere entspräche übrigens auch nicht der Polizeitaktik. Bei Kundgebungen fahren auch nicht vorne, link, rechts und hinten Kastenwagen mit. Dann hiesse es nämlich wieder, die Polizei habe Ausschreitungen provoziert.

Bereits letzten August kam es in Bern wegen der Zagreb-Fans zu unschönen Szenen. Bei Schweizer Hochrisikospielen haben wir diese Problematik nicht. Warum?
Diese Einschätzung teile ich nicht. Auch mit Fangruppierungen aus der Schweiz haben wir gewaltsame Situationen erlebt. Der Unterschied ist aber, dass Schweizer Mannschaften mit Sonderzügen anreisen und wir sie direkt in den Stadion-Perimeter lenken können. Die Fanlager können viel strikter getrennt werden. Das ist bei internationalen Spielen nicht möglich, daher sind sie auch risikoreicher.

Gibt es Punkte, die beim nächsten Mal besser laufen müssen?
Ja, man muss sich etwa überlegen, ob solche gewaltbereiten Fans nicht mit Aus- oder Einreisesperren belegt werden müssten. Sie sollten gar nicht erst in die Schweiz einreisen dürfen. In England funktioniert das. Solche Massnahmen gehen aber über die Kompetenzen der Stadt Bern hinaus.

(cho)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Praetorius am 22.08.2019 17:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was für eine verkehrte Welt.

    Mir wär lieber, wenn man bei Fussball von einem gelungen Spiel reden könnte, als von einem "gelungenen Polizeieinsatz". Trotzdem Dank an die Polizei.

  • MikeII am 22.08.2019 18:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sport- Fairness???

    Der pure Wahnsinn, die Polizei hat richtig gut gehandelt wir können stolz auf sie sein.Weshalb müssen solche Spiele auf Kosten der Polizei, Bevölkerung, Rettungsanitäter etc stattfinden , nur des Geldes wegen? Das ist doch kein Sport mehr und keine Fairness.... nur noch pure Aggression?

    einklappen einklappen
  • Rumpelstilz am 22.08.2019 18:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mutig

    Diese Polizisten beweist Mut und Pflichtgefühl! Für einen Unbekannten vor so eine Meute zu stehen. Chapeau!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rembär am 22.08.2019 21:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Politik versagt

    Da verdienen diese Heulsusen Mio. und die Krawallbrüder müssen wir bezahlen. Was das an Co2 verpufft geht gar nicht, und Familien können sich in Zukunft keine Ferien mehr leisten, das nennt man Soziale gerechtigkeit.

  • Tschibi10 am 22.08.2019 20:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    UEFA muss handeln

    Bei solchen aggressiven gewaltbereiten Fans gibt es nur eine Lösung. Den Verein aus dem Wettbewerb ausschließen für eine Saison. Bei Wiederholung, Verdoppelung der Strafe, von 1 auf 2Saisons usw. Vielleicht siegt die Vernunft innerhalb der Fangruppierungen.

  • Bob65 am 22.08.2019 20:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    UEFA / FIFA

    ist gefordert. Nach solchen Ausschreitungem müsste ein Geisterspiel und eine empfindliche Busse als Folge ausgesprochen werden.

  • Rob1n am 22.08.2019 20:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Personalisierte Tickets

    "Personalisierte Tickets" wäre ein Schlüsselwort für friedlichere Matche und Fanmärsche. Könnten die Tickets nur noch mit Ausweis gekauft werden, würde es mit Sicherheit viel friedlicher sein. Doch das will der Schweizerische Fussballverband nicht. So ist schon im Vorfeld Spannung und Action angesagt und das füllt nun mal die Kassen

  • Freeridersteve am 22.08.2019 20:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Easy

    Schüsse ja, aber nicht 'warn' Problem erl.