Gretzenbach SO

17. März 2019 17:36; Akt: 12.04.2019 09:26 Print

Gaffer stören Rettung eines kleinen Buben

Weil unzählige Gaffer einen Rettungshelikopter im Kanton Solothurn belagerten, musste die Polizei ausrücken: Nur so konnten die Sanitäter ihrem kleinen Patienten in Ruhe helfen.

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Im solothurnischen Gretzenbach brauchte am Samstagnachmittag ein kleiner Bub dringend Hilfe: Wegen seines gesundheitlichen Leidens rückte der Rettungsdienst mit einer Ambulanz und einem Helikopter ins Staldenacker-Quartier aus. Im Helikopter – auf dem Feld direkt vor dem Zuhause der betroffenen Familie – wurde das Kind schliesslich während mehrerer Stunden medizinisch betreut. Zu heikel war wohl der Transport ins nächste Spital.

Die Anwesenheit des Rettungshelikopters lockte am Nachmittag unzählige Schaulustige zum Einsatzort. «Die Leute strömten wie die Mäuse aus ihren Löchern, um zu gaffen. Es war furchtbar», erzählt ein Nachbar gegenüber 20 Minuten. Ein anderer meint verärgert: «Fast ganz Gretzenbach war vor Ort.»

Polizei musste Gaffer vertreiben

Diese Menschenmasse erschwerte die Arbeit der Retter vor Ort: Wie der Solothurner Rettungsdienst gegenüber 20 Minuten berichtet, wurden die Einsatzkräfte während der medizinischen Betreuung des Buben von aufdringlichen Voyeuren gestört – so stark, dass der Rettungsdienst schliesslich gar die Polizei aufbieten musste. «Um die Leute im Zaum zu halten, errichteten Polizisten vor Ort eine Absperrung und wiesen die Leute weg», sagt Thalia Mosimann, Sprecherin der Kantonspolizei Solothurn.

Der Fall Gretzenbach, ein Phänomen? Nicht wirklich: «Solche Situationen gibt es immer mal wieder», sagt Oliver Schneider, Sprecher der Solothurner Rettungsdienste. «Dass es zu so massiven Behinderungen kommt, dass ein Polizeieinsatz nötig wird, ist jedoch sehr selten.»

«Geht einfach weiter»

Allzu neugierige Gaffer machen sich strafbar: Die Staatsanwaltschaft kann störende Schaulustige verzeigen. Der Rettungsdienst verzichtet im aktuellen Fall von Gretzenbach jedoch auf rechtliche Schritte.

Wie sollten sich Passanten oder Nachbarn bei einem Notfalleinsatz verhalten? Schneider: «Im Regelfall empfehlen unsere Mitarbeitenden den Passanten, weiterzugehen.» Etwas anderes sei es, wenn es vor Ort Personen hat, die vor Eintreffen der Sanitäter erste Hilfe leisten konnten. «Diese Personen werden möglicherweise noch gebeten, zu Informationszwecken oder um weiterzuhelfen vor Ort zu bleiben.» Alle anderen seien jedoch eher ein Störfaktor als wirkliche Hilfe.

Trotz der Solothurner Gaffer haben die Einsatzkräfte während der mehrstündigen medizinischen Aktion ganze Arbeit geleistet: Laut einer Bekannten der Familie soll es dem Bub bereits wieder besser gehen.

(miw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Navlis am 17.03.2019 17:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unmenschliche Menschen

    Ich hoffe wirklich das es dem Jungen wieder gut geht. Und ich hoffe auch, dass sämtliche Gaffer bestraft werden. Sich am Leid von jemanden zu ergötzen, ist einfach unter aller Sau!

  • P.Brunner am 17.03.2019 18:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verteilt endlich bussen

    Verteilt endlich bussen ohne Rücksicht. Dann muss man nicht immer jamern wegen der Gaffer. Das sollte jetzt ja jedem klar sein.

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  • N. Von K. am 17.03.2019 18:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfassbar

    Die Gaffer sollten sich in Grund und Boden schämen!! Eine Rettungsaktion dermassen zu behindern, nur um die Sensationslust zu stillen? Und damit womöglich das Leben des kleinen Patienten in Gefahr bringen? Ich hoffe sehr, dass sie mal in der selben Situation sind oder in derjenigen der Angehörigen, damit sie merken, wie ohnmächtig es sich anfühlt. Und jeder Gaffer sollte mit einer saftigen Geldstrafe gebüsst werden. Himmeltraurig dieses Verhalten!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hobbinger am 18.03.2019 10:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Respekt mehr!

    Respekt. Ein Fremdwort für Viele

  • bümi am 18.03.2019 09:55 Report Diesen Beitrag melden

    arme Geschöpfe

    Gaffer sind die schlimmsten Charaktere von Natur aus.

    • marko 34 am 18.03.2019 10:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @bümi

      Schrecklich

    einklappen einklappen
  • Nik G. am 18.03.2019 09:54 Report Diesen Beitrag melden

    Busse verteilen!

    Statt immer nur zu sagen, dass es Bussen geben könnte, verteilt einfach mal Bussen. Die Menschen kapieren es sonst nicht. Jeder Gaffer müsste sich bewusst sein, dass auch er auf der anderen Seite liegen könnte.

    • marko 34 am 18.03.2019 10:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Nik G.

      Schrecklich

    einklappen einklappen
  • Margy60 am 18.03.2019 09:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gehts noch?!

    schämt euch!!!

  • Daisydream am 18.03.2019 09:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geltungssucht

    Heute muss ja jeder überall dabei gewesen sein und möglichst noch Fotos vorweisen können.