Bern

22. Februar 2011 23:19; Akt: 22.02.2011 23:26 Print

Rezepte von Gewaltopfern

von Nina Jecker - Häusliche Gewalt und internationale Delikatessen: 21 Frauen aus dem Frauenhaus Bern veröffentlichen Rezepte und Leidensgeschichten.

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Adas Palau – Reis mit Linsen – heisst das Rezept von Zara* (Mitte 30). Die Afghanin kam vor elf Jahren durch eine Heirat in die Schweiz. Als in ihrer Heimat Krieg ausbrach, war an eine Rückkehr nicht mehr zu denken. Doch auch in der Schweiz meinte es das Schicksal nicht gut mit ihr: Sie musste erneut fliehen – vor ihrem gewalttätigen Mann.

Zuflucht fanden Zara und ihre beiden Kinder wie viele andere im Frauenhaus Bern. «Bei uns leben jeweils sieben Frauen und acht Kinder», so Mitarbeiterin Yasmin Gutierrez. Für Nächte, in denen die Polizei eine geschlagene Frau ohne Anmeldung vorbeibringt, steht extra ein Notzimmer ­bereit. «Diese Frauen stehen unter Schock, haben oft Verletzungen», so Gutierrez.

Doch für die Sozialarbeiterin ist klar: «Es sind nicht einfach Opfer, sondern Menschen mit Ressourcen.» Das möchte sie mit dem Kochbuch «Wer kocht heute?» zeigen. 21 Frauen, die ins Berner Frauenhaus geflüchtet sind, stellen darin Rezepte aus ihrer Heimat vor. Dazu gibt es jeweils ein Porträt der Köchin und ihrer Lebens­situation ­sowie Kurzinformationen zu ihrem Heimatland.

Das Buch erscheint am 8. März. Vorgestellt wird es um 20 Uhr in der Buchhandlung Stauffacher – zum Sound von Rapperin Steffe la Cheffe.

*Name der Redaktion bekannt

www.stauffacher.ch