Bären-Posse eskaliert

06. September 2011 17:30; Akt: 07.09.2011 08:36 Print

Rumänen schiessen scharf gegen Bärenpark

von F. Burch - Der Bären-Knatsch geht weiter. Der rumänische Tierpark behauptet, der Deal beinhalte die Kastration von Finn. Reto Nause hingegen macht Berner Stadträte für das Schlamassel verantwortlich.

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Überraschende Neuigkeiten im Fall der Berner Jungbären Ursina und Berna: Die Rumänen schiessen zurück und stellen happige Vorwürfe in den Raum. Cristina Lapis von der Bärenauffangstation Zarnesti geht frontal auf die Berner Verantwortlichen los. Sie reagiert damit auf Aussagen des zuständigen Gemeinderats Reto Nause (CVP). Dieser hat am Montag erklärt, der Umzug der Jungbären könnte scheitern . Dies weil den Rumänen sauer aufstosse, dass Berner Stadträte sie pauschal als Tierquäler bezeichnen. «Das ist schlicht und einfach nicht wahr», behauptet Lapis am Dienstagnachmittag gegenüber 20 Minuten Online.

Finn soll kastriert werden

Dann erzählt sie eine ganz andere, bisher völlig unbekannte Version der Ursina-und-Berna-Posse: Demnach ist Lapis auf Anfrage des Berner Bärenparks für eine Umplatzierung der Jungtiere von Rumänien in die Schweiz gereist, um sich ein Bild vor Ort zu machen. «Dort fand ich eine wunderbare Bärenanlage vor, die nach einigen Umbauten genügend Platz für vier Tiere bieten würde.» Aber nur dann, wenn man das Bären-Männchen Finn kastrieren würde.

Laut Lapis sträubten sich die Berner gegen diesen Vorschlag - man wolle weiter Junge zeugen lassen. Für Lapis ist dies aber keine Option.

Deshalb schlug sie den Bernern vor, Finn kastrieren zu lassen. Im Gegenzug würde sie dem Berner Tierpark alle zwei Jahre Jungtiere aus Rumänien liefern, die sie dann auch wieder abholen würde. «Wir bekommen jedes Jahr rund sechs Bärenbabys aus schlimmen Verhältnissen, die ich gerne nach Bern ausleihen würde.» Umgekehrt sei es nicht möglich, jedes zweite Jahr Junge aus der Schweiz aufzunehmen, wo es den Tieren grundsätzlich gut gehe.

«Ich versuchte, den Tierpark Bern von dieser Lösung zu überzeugen», wiederholt Lapis mehrmals während des Gesprächs mit 20 Minuten Online. Auf jeden Fall hat sie laut eigenen Aussagen Bern mit folgendem Angebot verlassen: Die Bärenauffangstation Zarnesti nimmt Ursina und Berna unter der Bedingung auf, dass die Berner Finn kastrieren lassen und in Zukunft keine Jungen mehr züchten. Im Gegenzug liefert Rumänien nach Wunsch Jungtiere in die Schweiz. Als Termin für den Umzug der Jungbären und die Kastration von Finn habe sie Ende September vorgeschlagen.

«Schuld sind unbedachte Berner Stadträte»

Diesen Termin nannten die Zuständigen in Bern lange Zeit als Umzugstag für Ursina und Berna. Dann hiess es plötzlich, «wegen fehlender Einfuhrpapiere» verschiebe sich der Transport auf Oktober. Am Montag warnte dann Gemeinderat Nause, der Deal könnte wegen den beleidigten Rumänen ganz platzen. Lapis kann sich dies nicht erklären: «Ich habe von den Schweizern seit Wochen nichts mehr gehört, seit Langem herrscht Stille.»

Zu den Vorwürfen aus Rumänien sagte Nause gegenüber 20 Minuten Online: «Soweit ich weiss, war im ursprünglichen Vertrag von einer Kastration keine Rede.» Recherchen von 20 Minuten Online ergaben, dass Lapis den Deal offenbar erst nach der massiven Kritik aus Bern an eine Kastration koppelte. Nause ist nach wie vor der Meinung, «das Geschäft» mit Rumänien sei aufgrund von unbedachten Äusserungen von Berner Stadträten gescheitert. Offenbar rief die Kritik rumänische Politiker auf den Plan, die Druck auf Lapis ausübten. Unter anderem sollen auf einmal Einfuhrpapiere für die Tiere verlangt worden sein. Wie das Ganze nun weitergeht, wird am Mittwoch an einer Pressekonferenz mitgeteilt.

20 Minuten Online hält sie am Mittwoch über die auf 10 Uhr angesagte Bären-Pressekonferenz auf dem Laufenden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jing am 07.09.2011 09:00 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig Frau Lapis

    Frau Lapis hat völlig recht. Finn gehört kastriert. Der Bärenpark will die Jungtiere ja nur um Publikum zu generieren.

  • NetAP - Network for Animal Protection am 07.09.2011 08:23 Report Diesen Beitrag melden

    Kastrieren statt töten!

    Kastrieren statt töten heisst schon lange die Devise von Tierschutzorganisation. Ob das nun Zootiere, Hunde, Katzen oder eben die Bären aus Bern sind, es kann doch nicht sein, das ständig Nachwuchs produziert wird, nur weil dieser "süss" ist und dafür Tötungsaktionen in Kauf genommen werden. Es sollte eine "Nachwuchssteuer" eingeführt werden. Manche Leute werden nur vernünftig, wenn es ans Portemonnaie geht.

  • jan do am 06.09.2011 18:47 Report Diesen Beitrag melden

    bravo...

    total unnötiger streit

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jing am 07.09.2011 09:00 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig Frau Lapis

    Frau Lapis hat völlig recht. Finn gehört kastriert. Der Bärenpark will die Jungtiere ja nur um Publikum zu generieren.

  • NetAP - Network for Animal Protection am 07.09.2011 08:23 Report Diesen Beitrag melden

    Kastrieren statt töten!

    Kastrieren statt töten heisst schon lange die Devise von Tierschutzorganisation. Ob das nun Zootiere, Hunde, Katzen oder eben die Bären aus Bern sind, es kann doch nicht sein, das ständig Nachwuchs produziert wird, nur weil dieser "süss" ist und dafür Tötungsaktionen in Kauf genommen werden. Es sollte eine "Nachwuchssteuer" eingeführt werden. Manche Leute werden nur vernünftig, wenn es ans Portemonnaie geht.

  • andreas keller am 07.09.2011 07:36 Report Diesen Beitrag melden

    Bären

    Wer Rumänien kennt, weiss dass man dort generell ein Bärenproblem hat. Ich kann nachvollziehen dass man die kastrieren will. Viel kritischer wäre ich dem Handel gegenüber, sich absichern dass man keine Tiere von der Strasse austauschen wird wäre wichtiger, da sie unberechenbar sind.

    • Janine Steinmann am 07.09.2011 08:07 Report Diesen Beitrag melden

      Bären-Kastration

      Die Kastration finde ich auch die beste Lösung. Und dann die beiden in Bern lassen und basta. Was soll die ewige Züchterei nur damit man kleine süsse Bärchen ansehen kann die dann, wenn sie gross sind, niemand mehr will. Jedem Kind wird erklärt, dass man Katzen, Meersäuli usw. kastrieren soll, doch die erwachsenen "Vorbilder" machen genau das Gegenteil. Und kleine Bärchen aus Rumänien ausleihen ist auch so ein Blödsinn. Lasst doch die Tiere wo sie sind und setzt die nicht solchem unnötigen Stress aus.

    einklappen einklappen
  • Anna Meier am 06.09.2011 22:46 Report Diesen Beitrag melden

    Frau Lapis hat recht

    Kastration für Finn ist sicherlich die humane und vernünftige Lösung!

  • janine furrer am 06.09.2011 21:50 Report Diesen Beitrag melden

    wenn sie niemand will...

    ich nehm die zwei schon...