Berner Reitschule

14. November 2019 18:27; Akt: 14.11.2019 22:43 Print

SVP ärgert sich über falsche «Heizstrahler»

In einer Anfrage an den Gemeinderat behauptet die SVP, bei der Reitschule kämen unerlaubterweise Infrarotstrahler zum Einsatz. Da hat sie sich allerdings gehörig verrannt.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Heizungen im Freien sind ausschliesslich mit erneuerbaren Energien oder nicht anders nutzbarer Abwärme zu betreiben»: So fordert es das Energiegesetz des Kantons Bern seit 2011. Für Gastrobetriebe sind elektrische Wärmestrahler oder gasbetriebene Heizungen deshalb seit Jahren tabu und dürfen nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden.

Um diese Anlage geht es:

«Rechtsungleichheit sondergleichen»

Gemäss einer Kleinen Anfrage, mit der die SVP-Fraktion der Stadt Bern an den Gemeinderat gelangte, halten sich jedoch nicht alle an das Verbot. Am Abend und am frühen Morgen würden unter der Eisenbahnbrücke bei der Reitschule nämlich oft Infrarot-Heizstrahler brennen, behauptet die Partei in ihrem Vorstoss.

Für SVP-Stadtrat Alexander Feuz ist die Situation unhaltbar: Den Restaurants an der Bärenplatz-Front seien Heizstrahler seit Jahren untersagt. «Doch wenn es um die Reitschule geht, spielen kantonale Vorschriften offenbar keine Rolle», ärgert sich Feuz. «Das ist eine Rechtsungleichheit sondergleichen.» Hinzu komme, dass die Energie für die Benutzung der Lampen möglicherweise gar über Steuergelder oder Kulturgelder finanziert werde.

«Wenn das keine Heizstrahler sind, bin ich ein Tram»

Als Beweis für den Einsatz der verbotenen Infrarotstrahler soll ein etwas verschwommenes Handy-Foto dienen, das Feuz von einem Bekannten zugetragen wurde und auf dem orange und violett leuchtende Balken an der Brückendecke zu sehen sind.

Feuz' Bekannter will den Einsatz der mutmasslichen Heizstrahler bereits mehrmals festgestellt haben, wie er gegenüber 20 Minuten äussert. Nach der Einreichung des SVP-Vorstosses Mitte Oktober habe sich die Situation kurzzeitig gebessert. «Erst am Mittwoch wurden die Strahler aber wieder verwendet», sagt er.

Der Mann, ein ETH-Maschineningenieur, ist sich seiner Sache sicher: «Wenn das keine Heizstrahler sind, bin ich ein Tram.» Auch sein Bruder, seines Zeichens Elektroingenieur, sei davon überzeugt. Hat die Stadtregierung der Reitschule tatsächlich einen energiepolitischen Freipass erteilt?

«Nicht wissentlich toleriert»

In seiner am Donnerstag publizierten Antwort zeigt sich der Gemeinderat verwundert: Bis anhin habe er keine Klagen oder Hinweise wegen Heizstrahlern bei der Reitschule erhalten. «Entsprechend werden solche Heizstrahler durch den Gemeinderat auch nicht wissentlich toleriert.»

Der Gemeinderat sei aber bereit, entsprechende Abklärungen zu treffen und – sollte sich der Einsatz von Heizstrahlern bewahrheiten – «das Einhalten der gesetzlichen Vorschriften ganz im Sinne der Gleichbehandlung aller Gastrobetriebe durchzusetzen».

Lampen seit 18 Jahren dort

Das wird allerdings nicht nötig sein. Wie die Reitschule auf Anfrage mitteilt, handelt es sich nicht um Wärmestrahler, sondern um eine gewöhnliche Beleuchtung. «Die Leuchtbänder haben wir schon seit 2001», sagt ein Mitglied der Mediengruppe. Dies wird von Immobilien Stadt Bern bestätigt. Christina Martig, zuständig für Kommunikation und politische Geschäfte, erklärt: «Die Lampen sind Teil eines Kunstprojekts im öffentlichen Raum und wurden bei der letzten grösseren Sanierung der Reitschule angebracht.»

Alexander Feuz bleibt derweil skeptisch: «Ich vertraue auf die Aussagen des Ingenieurs.» Daher müsse die Installation zwingend geprüft werden. Selber könne er dies allerdings nicht tun: Er habe Hausverbot in der Reitschule.

(sul)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Werner Ott am 14.11.2019 18:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wandlung

    Die Frage ist jetzt nur; wie kann der ETH Maschineningeneur zum Tram umgewandelt werden.

    einklappen einklappen
  • Martin am 14.11.2019 18:56 Report Diesen Beitrag melden

    Alternative Fakten

    Da kann man gut sehen wie die SVP Fakten zustande kommen.

    einklappen einklappen
  • A-Gesicht am 14.11.2019 18:35 Report Diesen Beitrag melden

    18 Jahre alte Lampen?

    Echt ungreta mässig. Darum doch Heizstrahler!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • jeffo56 am 15.11.2019 21:18 Report Diesen Beitrag melden

    typisch SVP

    Alexander Feuz hat in die richtige partei gewechselt. er kann nur motzten und bringt nie auch nur annähernd einen lösungsvorschlag zustande unglaublich das diese niete immer noch gewählt wird

  • Daisydream am 15.11.2019 11:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist das Problem

    Einfach überprüfen lassen und gut ist. Aber natürlich nur durch eine neutrale Person oder Firma. Das ganze jetzt einfach wieder unter den Teppich kehren, nur weil die Beschwerde von der SVP kam, geht gar nicht.

    • k blitz am 15.11.2019 11:55 Report Diesen Beitrag melden

      wenn es unsinn ist

      doch das geht. weil es nonsense ist. seit 18 jahren ist das einfach beleuchung und kein heizstrahler. seine "ingenieur" leuchttürme von kollegen könnten einfach mal unter die SBB brücke stehn dann sehn die das. alles andere ist verschwendung von zeit & geld deiner (und meiner) steuergelder. die 1001 kleinen anfragen an den gemeinderat von Feuz sind das m.m.n. allermeistens ebenfalls.

    einklappen einklappen
  • Ingenieur FH am 15.11.2019 08:22 Report Diesen Beitrag melden

    Experimentell ermitteln

    Sehr geehrter Herr Kollege Überzeugt sein reicht in unserem Beruf nicht. Angesichts des komplexen Sachverhalts rate ich Ihnen, die Beschaffenheit dieser Bänder experimentell zu ermitteln. Ziehen Sie Jacke und Pullover aus und stellen Sie sich darunter. Sie werden sofort herausfinden, ob es Leuchtstoffröhren oder Heizstrahler sind. Bei Fragen oder Ergänzungen stehe ich zur Verfügung Ein Berufskollege

  • Peschä vo Bärn am 15.11.2019 08:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pro Reitschule

    Also ich fände das super. Im Winter ist der bei der Reitschule immer sehr kalt und ich friere dort. Deshalb wäre eine Heizung anstatt normaler Lampen gar nicht so schlecht. Steuergelder verschwendet es auch nicht. Das Kulturdepartament bezahlt dem Immobilendepartament das Geld. Also die Stadt Bern gibt der Stadt Bern das Geld für die Reitschule. Und das wurde bereits 5 mal denokratisch legitimiert (städtische Volksabstimmungen). Aber ja, um das zu wissen müsste man selber denken.

  • linkspopulismus am 15.11.2019 07:25 Report Diesen Beitrag melden

    Bezeichnend

    Bei anderen Parteien würde die Kommentarspalte geschlossen bleiben!!

    • The Walking Dad am 15.11.2019 16:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @linkspopulismus

      Wenn ich sehe wie bei gewissen Themen gegen eine, hier nicht näher genannte, Aktivistin gepöbelt werden darf und die Funktion nicht geschlossen wird, würde ich doch glatt behaupten das ihre Aussage nicht zutreffend ist. Ich würde sogar noch weiter gehen und sagen das ihre Aussage selber populistisch ist.

    einklappen einklappen