Saanen BE

21. Dezember 2018 09:12; Akt: 02.01.2019 16:18 Print

Eklat in der Feuerwehr – 8 der 9 Retter gehen

von B.Hostettler - Die Feuerwehr von Saanen steht vor einem grossen Problem: Acht von neun Mitgliedern der Personenrettung werfen per Ende Jahr das Handtuch.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

In knapp einer Woche ist Weihnachten. Das heisst Besinnlichkeit, Ruhe und einen Gang kürzer treten. Nicht so bei der Feuerwehr Saanen, denn dort ist Feuer unterm Dach: Per 31. Dezember haben acht Angehörige der Feuerwehr ihren Austritt erklärt, wie die Gemeinde Saanen mitteilt. Alle sind Mitglieder des Löschzugs Saanen und zuständig für die Personenrettung bei Unfällen (PbU), wie die «Jungfrauzeitung» schreibt.

Nachbarsgemeinde springt ein

Nun besteht das Team also aus nur noch einer Person: «Die Abteilung Personenrettung der Feuerwehr Saanen besteht aus neun Personen, acht haben gekündigt», sagt Toni von Grünigen, der Gemeindepräsident von Saanen. Auf einen Schlag hat sich so der Bestand um rund 90 Prozent reduziert. Für die kleine Gemeinde im Berner Oberland mit etwas mehr als 8000 Einwohnern ein grosser Einschnitt.

«Da waren viele persönliche Emotionen im Spiel»

Doch wieso kam es überhaupt zum Massenaustritt? Die acht Personenretter begründen ihn mit «unüberbrückbaren Differenzen» zwischen ihnen und dem Feuerwehrkommando. Von Grünigen erklärt: «Ein Streitpunkt war die Räumung und Verlegung des Feuerwehrmagazins nach Gstaad. Zudem wurde die Kommunikation des Feuerwehrkommandos kritisiert.»

Albrecht Müller, Kreisfeuerwehrinspektor der Feuerwehr Obersimmental/Saanen, kann die Aufregung nicht nachvollziehen: «Wir haben den gesetzlichen Rahmen befolgt. Das neue Feuerwehrmagazin liegt keine zehn Minuten Fahrzeit entfernt.» Die Diskussion innerhalb der Feuerwehr sei gross gewesen. «Da waren viele persönliche Emotionen im Spiel.»

Sicherheitskommission gibt Feuerwehrkommando recht

Die abtretenden Personenretter der Feuerwehr haben ihren Entscheid der Sicherheitskommission Saanen schriftlich mitgeteilt. In Abwägung der Stellungnahmen beider Seiten und im Gesamtinteresse der Bevölkerung hatte sich diese hinter das FW-Kommando gestellt.

Vorläufig hat die Gemeinde Saanen eine Notlösung: «Bis wir adäquaten Ersatz gefunden haben, hilft die Personenrettung Zweisimmen aus.» Diese Regelung sei innerhalb des Kantons abgesprochen, wie Gemeindepräsident von Grünigen sagt.

Kurz vor Weihnachten äussert sich der Gemeinderat von Saanen versöhnlich und nimmt die Austritte mit «Bedauern» zur Kenntnis. Er bedanke sich zudem gleichzeitig bei allen Beteiligten, «die die Einsatzbereitschaft und die Leistungsqualität der Feuerwehr Saanen zugunsten der Sicherheit von Bevölkerung und Gästen jederzeit sicherstellen».