Bub in Wald misshandelt

13. Dezember 2019 13:33; Akt: 13.12.2019 16:31 Print

Sadomaso-Fotograf zu 8 Monaten bedingt verurteilt

Ein Mann, der einen Minderjährigen zwischen zwei Bäumen fesselte und sich sexuell an ihm verging, ist zu einer bedingten Gefängnisstrafe verurteilt worden.

20-Minuten-Reporter Raphael Casablanca ist bei der Urteilsverkündung dabei. (Video: RC)
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Der Vorfall ereignete sich im September 2018: Ein 50-Jähriger Fotograf aus dem Oberaargau und ein 15-jähriger Bub trafen sich zu einem Fotoshooting in einem Wald bei Günsberg SO. Dort fesselte der Ältere den Jüngeren zunächst zwischen zwei Bäumen und befestigte Metallklammern an seinen Brustwarzen. Später in der Wohnung band er den Bub an eine Leiter, wo er ihn streichelte, mit einem Hanfseil peitschte und wiederholt in den Bauch boxte. Die ganze Tortur hielt der Fotograf auf Video fest.

Festplatten mit pornografischem Material

Diese Woche nun musste sich der Mann vor dem Regionalgericht Emmental-Oberaargau verantworten. Ihm werden mehrfache sexuelle Handlungen mit einem Kind vorgeworfen. In der Anklageschrift sind ferner die Straftatbestände «Pornografie» und «Gewaltdarstellungen» aufgelistet. Denn im Haus des Beschuldigten fand die Polizei sechs Festplatten mit pornografischen Videos und Fotos, darunter auch «virtuelle Kinderpornografie».

Der Staatswanwalt forderte eine bedingte Freiheitsstrafe von 9 Monaten und eine Busse von 10’800 Franken.

Der Beschuldigte, der aus seinen sadomasochistischen Vorlieben keinen Hehl machte, gab dagegen an, dass die Praktiken im Wald und in der Wohnung in gegenseitigem Einverständnis stattgefunden hätten. Zudem, so sein Verteidiger, habe der Junge bei den Voruntersuchungen ausgesagt, dass das Fotoshooting keinen sexuellen Kontext gehabt habe.

3000 Franken Genugtuung an Opfer

Das Gericht verurteilte den Beschuldigten schliesslich wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern zu einer bedingten Gefängnisstrafe von acht Monaten und 15 Tagen. Dies bei einer Probezeit von drei Jahren.

Das Klammern und Streicheln erogener Zonen stufte das Gericht als eindeutige sexuelle Handlung mit einem Kind ein. Das Wechselspiel zwischen Gewalt und Zärtlichkeit sei auch auf den Videos ersichtlich. Insofern machte sich der Fotograf auch der verbotenen Herstellung von Kinderpornografie schuldig. An das Opfer muss der Mann 3000 Franken Genugtuung entrichten.

Verurteilter will Berufung einlegen

Für die pornografischen Inhalte auf der Festplatte, wie etwa einen gezeichneten Kinderporno und Videos mit verbotener sexueller Gewalt, konnte der Mann nur teilweise belangt werden. Bei einem Teil der Dateien sei nicht klar, wann diese erstellt worden seien, und folglich sei nicht auszuschliessen, dass die damit zusammenhängenden Straftaten bereits verjährt seien, hielt das Gericht fest.

Wie der Verteidiger des Beschuldigten nach der Urteilsverkündung verlauten liess, will man das Urteil ans Obergericht weiterziehen.

Mann fesselte Jungen im Wald und folterte ihn

(rc/sul)