Konzert in Solothurn

22. Januar 2020 19:52; Akt: 22.01.2020 20:15 Print

Metal-Sänger springt von Balkon in Zuschauermenge

Der Sänger einer englischen Metalcore-Band wagte bei einem Konzert im Solothurner Kofmehl einen Stagedive vom Balkon. Solche Aktionen endeten schon tragisch – auch im Kofmehl.

Spektakulärer Stagedive: Der Sänger von While She Sleeps sprang während des Konzerts im Kulturlokal Kofmehl vom Balkon. (Video: Leser-Reporter)
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Die britische Metalcore-Band While She Sleeps gastierte am Dienstagabend in der Solothurner Kulturfabrik Kofmehl. Gegen Ende des Konzerts kletterte Sänger Lawrence «Loz» Taylor auf den Balkon und stürzte sich in die Zuschauermenge. Ein Besucher hielt die Aktion auf Video fest. «Ein solcher Sprung ist nicht gerade alltäglich», sagt der Leser-Reporter, der regelmässig an Metal-Konzerte geht. Der Balkon sei immerhin drei bis vier Meter hoch und in der Regel würden die Protagonisten lediglich von der Bühne aus springen.

Angst um den Sänger habe er aber nicht gehabt, sagt der Leser. Taylor habe den Sprung gut vorbereitet und die Menge unter sich versammelt. «So wurde er gut abgefedert.»

Tote und Verletzte

Doch nicht immer verlaufen Stagediving-Aktionen glimpflich. Manche enden sogar tödlich – so auch im Kofmehl im Januar 2014: An einem Konzertabend mit mehreren Hardcore-Bands verletzte sich ein 28-jähriger Besucher beim Sprung von der Bühne so schwer, dass er später im Spital seinen Verletzungen erlag.

Daneben kommt es immer wieder zu mehr oder weniger schweren Verletzungen: Der Sänger der kalifornischen Metal-Band Decrepit Birth brach sich im Oktober 2018 den Oberschenkelknochen, nachdem er bei einem Konzert nicht aufgefangen worden war. Der Schlagzeuger der australischen Punk-Band Frenzal Rhomb erlitt im Juli 2015 beim Sprung ins Publikum einen Armbruch. Im November 2013 stürzte sich der amerikanische Rapper George Watsky bei einem Auftritt von den 12 Meter hohen Lichttraversen und verletzte dabei sich selbst und zwei Konzertbesucher.


Rapper George Watsky stürzte sich aus 12 Metern in die Zuschauermenge.

«Sprung vom Balkon noch nie erlebt»

Die Kofmehl-Betreiber stehen dem Stagediving denn auch zwiespältig gegenüber. «Wir sind uns der damit verbundenen Gefahren bewusst und unterstützen das Stagediving in unserem Lokal nicht», sagt Programmleiter Patrick Juchli. Andererseits seien die Sprünge von der Bühne fest in der Metal-Kultur verankert und gehörten zur «künstlerischen Freiheit» der Bands. «Als Veranstalter sind einem da ein wenig die Hände gebunden», so Juchli.

Von Taylors Sprung vom Balkon war auch der Booking- und Programmchef überrascht. Herkömmliche Stagedives habe es zwar im Kofmehl schon ab und an gegeben. «Dass ein Sänger vom Balkon gesprungen ist, habe ich aber noch nie erlebt», sagt Juchli. Derartige Show-Elemente seien in aller Regel nicht mit den Organisatoren abgesprochen.

Nach dem tragischen Unglück von 2014 habe man im Kofmehl begonnen, die Konzertgänger stärker auf die Gefahren des Stagedivings zu sensibilisieren, sagt Ruchli. Aufgestellte Schilder im Lokal würden von den Sprüngen abraten. Allerdings sei es für die Besucher heute ohnehin praktisch unmöglich, auf die Bühne zu gelangen. Juchli: «Die Schutzplanken und das Sicherheitspersonal hindern sie daran.»

(sul)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • saalisa am 22.01.2020 20:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    naja

    Bin fest in der Szene verankert und hatte auch nie etwas dagegen. Bis sie einen Mann hinter mir nicht mehr halten konnten und er mir mit dem ganzen Gewicht in den Nacken viel. Ich trug zum Glück "nur" ein Schleudrtrauma davon. Meine Kollegin von den ausschlagenden Füssen zwei gebrochene Rippen. Es ist leider so, das die meisten Mensch erst reagieren wenn ihnen selbst etwas passiert. Vorher passierts eh nur immer allen anderen, ganz sicher nicht einem selbst.

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  • Ranger am 22.01.2020 20:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Schuh des Manitu

    Das Stagedive gefährlich ist wissen wir seit der Onkel von Abahatschi und Winnetouch gestorben ist.

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  • Frog Würdig am 22.01.2020 20:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    12m stagedive?!

    Was hat sich George Whatsky nur dabei gedacht?! I believe i can flyyyyyy! Unfassbar...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Max Koch am 23.01.2020 18:07 Report Diesen Beitrag melden

    Viel Drama und Angstmacherei

    Hier ist ja nichts passiert und eine Quelle zu den Unfällen im Kopfmehl gibt es auch nicht. Wollt ihr nicht News schreiben die auch einen Inhalt haben. Über Ereignisse die auch wirklich passiert sind ? Viel Drama für nichts und wieder nichts ausser klicks.

  • B.Bolliger am 23.01.2020 16:09 Report Diesen Beitrag melden

    fragwürdig

    Mit etwas muss man ja offensichtlich trumpfen. Reicht die Qualität beim Gesang nicht aus, versucht man es eben so. Ein guter Sänger würde sich im warsten Sinn nicht so tief fallen lassen....

  • Baronessa am 23.01.2020 13:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Idiotisch

    Dumm, dümmer, am dümmsten!

  • dani am 23.01.2020 10:08 Report Diesen Beitrag melden

    War das Dein erstes Metal Konzert?

    Da ist er definitiv nicht der erste im Kofmehl, der vom Balkon sprang. Das haben da schon einige gemacht. Und Campino von den Toten Hosen springt regelmässig aus noch viel grösserer Höhe ins Publikum. Auch im Volkshaus in Zürich sind schon mehrere Musiker vom Balkon gesprungen. Entspannt Euch. Wenn Ihr nicht in den Pit, keine Wall Of Death mitmachen wollt, etc., keine Stagediver auf Euch haben wollt, etc. einfach etwas weiter hinten stehen.

  • Nago am 23.01.2020 09:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Normal

    Sowas gehört beim Metal eifach dazu. Ich habe noch nie einen Unfall gesehen auch wenn der Sänger bei gerade mal 10 Personen im Publikum in die "Menge" springt. Gefangen werden sie immer. Metalfans sind eine Familie, wir lassen niemanden Fallen....