Berner Tearoom

23. Juli 2014 15:10; Akt: 23.07.2014 16:10 Print

Safari-Mörder in der Türkei verurteilt

16 Jahre nach der Tat: Der Mann, der im Juli 1998 im Berner Tearoom Safari vier Menschen erschossen haben soll, wurde in der Türkei zu lebenslänglicher Haft verurteilt.

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16 Jahre nach dem Vierfachmord im Berner Tearoom Safari ist am Mittwoch in der Türkei einer der Täter zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt worden.
Der Mann hatte stets abgestritten, etwas mit der Sache zu tun zu haben.

Er sei unschuldig, kenne das besagte Tearoom in Bern nicht und könne sich nicht erklären, wie seine DNA-Spuren auf die Tatwaffe gekommen seien, gab er zu Protokoll. Diesen Beteuerungen glaubte das Gericht in Istanbul nicht.

Es sprach den Mann wegen Mordes schuldig. «Mustafa K. wurde nach Schweizer Recht zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt», sagt Veronika Hartmann, die für 20 Minuten vor Ort war. Nach türkischem Recht hätte der Täter viermal lebenslänglich erhalten, wie der Richter in Istanbul ausgeführt habe. Weiter profitiert der Verurteile von einer Generalamnestie, zehn Jahre seiner Strafe werden abgezogen. Mustafa K. könnte daher in einigen Jahren wieder freikommen. «Die Opferfamilie ist geschockt, sie empfindet die Strafe als zu mild», so Hartmann. Rund zwanzig Angehörige der Opfer hätten der Urteilsverkündung im Gerichtssaal beigewohnt.

«Wäre der Täter nach türkischem Recht verurteilt worden, wäre er nie mehr freigekommen», sagt der Anwalt der Opferfamilie, Yetkin Geçer. «Er bleibt wohl nur zehn Jahre in Haft – für einen Vierfachmord ist dies ein Witz.» Seine Klienten seien aber der bernischen Staatsanwaltschaft sehr dankbar – nur dank deren Druck sei der Mann überhaupt verurteilt worden, so Geçer weiter.

Mordanschlag auf kurdischen Wirt?

Der Berner Safari-Mord war einer der grössten ungelösten Kriminalfälle der Schweiz. Am 27. Juli 1998 wurden in dem Tearoom der kurdische Wirt, zwei türkische Mitarbeitende sowie ein Schweizer erschossen. Die Behörden gingen davon aus, dass der Anschlag wohl dem Wirt galt. Die beiden Mitarbeitenden und insbesondere der Schweizer dürften zufällige Opfer sein. Das Motiv der Tat war bislang immer unklar.

Wenige Tage nach der Tat fanden die Ermittler Waffen, ein Sturmgewehr der Marke Kalaschnikow konnte eindeutig als Tatwaffe identifiziert werden. Ein türkischer Staatsangehöriger geriet unter Verdacht, konnte sich aber vor dem Zugriff der Polizei ins Ausland absetzen. Die Ermittlungen gestalteten sich zäh.

Jahre später brachte eine DNA-Spur die Ermittler auf die Fährte des inzwischen in der Türkei lebenden Mannes. Dort wurde er 2012 gefasst. In Istanbul wurde dem Mann der Prozess gemacht.

(smü/sda)