Falsche Versprechen

22. August 2019 04:48; Akt: 22.08.2019 08:49 Print

Dubiose Verkäufer drehen Bewohnern Salt-Abos an

Im Berner Gäbelbach-Quartier wurden Bewohner von Salt-Vertretern mit falschen Versprechen zu einem Abo-Abschluss verleitet. Das Unternehmen gesteht Fehler ein.

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Im Berner Gäbelbach-Quartier gingen im Februar mehrere Vertreter in Salt-Uniformen von Tür zu Tür. Die Verkäufer klingelten in den Wohnsilos und versuchten, die Bewohner mit flinker Zunge von einem ihrer Angebote zu überzeugen. Die schnellste Internetverbindung der Schweiz, Apple TV mit 250 Sendern und einen Festnetzanschluss für insgesamt 40 Franken im Monat – ein lukrativer Deal. Das dachte sich auch eine 20 Minuten-Leserin, als der Salt-Mann vor ihrer Türe stand und ihr dieses Angebot unterbreitete.

Eigentlich hatte die 33-Jährige nicht vor, ihr Abo zu wechseln. Doch der Verkäufer liess nicht locker und versprach ihr das Blaue vom Himmel. «Er versicherte mir, dass er das Paket persönlich bei mir installieren werde und behauptete, dass man Apple-TV auch mit meinem Samsung-Handy bedienen könne», so die Leserin.

Ihrem Mann sei es zudem wichtig gewesen, dass man im TV auch türkische Sender empfangen könne. Diese sind jedoch im Standard-Angebot nicht inbegriffen und kosten zusätzlich. «Der Verkäufer telefonierte daraufhin angeblich mit seinem Chef und versicherte mir, dass wir sechs türkische Sender zum normalen Preis empfangen könnten», erinnert sich die Frau. Alles erstunken und erlogen, wie sich später herausstellt.

Falsche Versprechen

Als die Frau wenige Monate später ihr Paket erhielt, versuchte sie vergeblich den Verkäufer zu erreichen, damit er die neuen Gadgets installiert: «Der Arbeiter ging nie ans Telefon», so die Bernerin. Als die Leserin im Salt-Shop bemerkte, dass die Versprechungen des Verkäufers nur heisse Luft waren, fühlte sie sich hintergangen.

Die Leserin meldete sich darauf beim Kundendienst von Salt: «Dort wurde mein Anliegen aufgenommen und angeblich dem Vorgesetzten weitergeleitet.» Mehr sei jedoch nicht passiert. «Seit April habe ich sicher 20 mal beim Kundendienst angerufen, um das Abo zu künden», so die Leserin. Jedes Mal habe man ihr gesagt, dass sie sich gedulden solle und sie 200 Franken bezahlen müsse, um das Abo zu künden. Für die Frau nicht hinnehmbar. Auch andere Familien aus dem selben Wohnhaus schlossen das Abo wegen falscher Versprechen der Verkäufer ab.

Salt gesteht Fehler ein

Auf Anfrage von 20 Minuten gibt Salt zu, dass in diesem Fall «tatsächlich einiges nicht gut gelaufen» sei. Der Kontakt habe im Rahmen eines Pilotprojekts stattgefunden, bei dem Salt eine externe Firma engagiert habe, um eines ihrer Angebote bei den Kunden zu Hause zu präsentieren. «Aufgrund der Ergebnisse aus diesem wenige Wochen dauernden Test entschieden wir uns dann aber, die Zusammenarbeit mit dem externen Anbieter aus Qualitätsgründen zu beenden», sagt Salt-Sprecherin Viola Lebel. Man bedaure die schlechte Erfahrungen der Leserin und werde mit ihr Kontakt aufnehmen, um die Situation zu bereinigen.

Experte rät keine Abos an der Haustüre abzuschliessen

Telekom-Experte Ralf Beyeler überrascht diese Verkaufs-Strategie nicht: «Viele Kunden sehen keinen Anlass, ihr Abo von sich aus zu wechseln. Für ein Telekom-Unternehmen ist es deswegen schwierig, mit etablierten Mitteln neue Kunden zu gewinnen.» Deswegen würden einige Firmen auf Verkäufer zurückgreifen, die die Kunden mit Argumenten überrumpelten. «Mit dieser Methode kann die Firma Leute erreichen, die von sich aus niemals einen Vertrag abschliessen würden», so Beyeler.

Diese Verkäufer würden ihren Lohn in der Regel nur erhalten, wenn sie eine gewisse Anzahl an Abo-Abschlüssen erzielten. Der Telekom-Experte von moneyland.ch rät deshalb, grundsätzlich nie auf einen Verkäufer einzugehen, der einem an der Haustüre etwas verkaufen will. «Diese Verkäufer arbeiten für Provisionen und wollen einen um jeden Preis dazu bringen, ihr Produkt zu kaufen», weiss Beyeler. «Oftmals fährt man damit schlecht.»

(rc)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • imiluupo am 22.08.2019 06:07 Report Diesen Beitrag melden

    Türe zu....

    Leider gibt es in dieser Situation nur eine Möglichkeit. Kein Interesse!!! und Türe zu. Der Anstand hat hier leider kein Platz mehr.

  • Vorname/Name am 22.08.2019 07:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Haustürgeschäft

    Wieso verwundert mich solch eine Aktion von Salt nicht? Leider ist es so, dass wo billig draufsteht auch billig drin ist und dies ist nunmal bei Salt der Fall und zwar durch die ganze Linie... Da zahle ich lieber das zwei bis dreifache bei Swisscom, habe jedoch bis dato mit jeder Problematik immer sofort die benötigte Hilfe bekommen. PS: da es sich hierbei gem OR 40a ff um ein Haustürgeschäft handelt, ist eine Kündigung innert 14 Tagen möglich, egal was der unterzeichnete Vertrag besagt.

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  • Marc am 22.08.2019 07:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Braucht kein Mensch

    Klingt ganz so nach einem verzweifelten Versuch noch irgendwie auf Biegen und Brechen Kunde zu "gewinnen" bevor das Schiff dann ganz untergeht. Schockierend wie tief sich diese Firma fallen gelassen hat. Salt braucht kein Mensch, kann von mir aus den Markt verlassen !

Die neusten Leser-Kommentare

  • Martial2 am 22.08.2019 12:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein Danke und Tür schliessen...

    Salt. ist noch viel schlimmer als Orange, das heisst was!

  • sellina am 22.08.2019 10:17 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist schon SALT?

    An der Haustüre? Aber nicht mit mir, egal was für Gestalten mir was andrehen wollen. ICH BIN TAUB? mit einem Zettel vor der Nase und solche Spielchen geht schon gar nicht. Es dauert 5 Sekunden bei mir, nicht aggresiv , aber meine Worte reichen.

  • Stefan am 22.08.2019 09:55 Report Diesen Beitrag melden

    Erfahrung

    Salt Kundendienst ist das Übelste, was ich je erlebt habe. Ich warte noch meine Mindestabozeit ab und dann bin ich weg dort.

  • Kunde am 22.08.2019 09:54 Report Diesen Beitrag melden

    Salt, what else!

    Das passt zu Salt! Bravo. Unfähige Mitarbeiter aber Abos andrehen.

  • MerfenOrange am 22.08.2019 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Orange-Salt-Avocado?

    Salt eben. Mehr brauchts nicht zu sagen. Die grösste Katastrophen Firma der Schweiz