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20. Februar 2020 04:51; Akt: 20.02.2020 04:51 Print

Scheidungs-Hotline für Bauern eingerichtet

Bauer, verheiratet und bald geschieden – eine Trennungs-Hotline soll krisengeschüttelte Bauersleute beraten.

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Heute ist «Bauer, ledig, sucht»-Kandidat Erich Häfliger glücklich. Er hat eine sechsjährige Kampfscheidung hinter sich und arbeitet seither als Handwerker. Die Tätigkeit als Landwirt hat er nach der Scheidung an den Nagel gehängt. Der 50-Jährige aus Fischbach LU sagt: «Ich musste extrem die Nerven behalten, um nicht zu verzweifeln.»

2013 beschloss seine damalige Frau, sich von ihm scheiden zu lassen. «Was da auf einen Bauern zukommt, das haut jeden an die Wand», sagt Häfliger. Nicht das Emotionale, auch der Papierkrieg und die Finanzen seien sehr belastend. Nur weil er den Hof gepachtet und nicht besessen habe, sei er am Rosenkrieg nicht zugrunde gegangen. «Wir konnten den Hof einfach aufgeben, die Maschinen verkaufen oder verschenken.»

Häfligers Scheidungsdrama ist in der Landwirtschaft kein Einzelfall: «Ehescheidungen in der Landwirtschaft sind besonders komplex», sagt Agronomin Christine Burren (36), die sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzt. In kaum einer anderen Berufsgattung seien Privat- und Berufsleben so stark miteinander vermischt. Arbeit, Wohnen, Freizeit – der Landwirtschaftsbetrieb sei das zentrale Element im Leben einer Bauernfamilie. «Bei einer Scheidung wird hier nicht nur die eheliche Gemeinschaft aufgelöst, ein ganzes System bricht auseinander.»

Hilfe per Telefon

Die Bernerin hat 2019 schliesslich eine Masterarbeit über Scheidungen in Bauernfamilien geschrieben. Grund: «Bei der landwirtschaftlichen Bevölkerung herrscht grosse Unsicherheit bezüglich Auswirkungen auf Finanzen und Betrieb im Falle einer Scheidung.» In ihrer nicht repräsentativen Umfrage kommt sie zum Schluss, dass landwirtschaftliche Ehen im Schnitt 21 Jahre halten – der Schweizer Schnitt liegt bei 15 Jahren. Dafür sind laut Burrens Satistik 18 Prozent der Scheidungen bei Bauern Kampfscheidungen; das Schweizer Mittel liegt hier bei 10 Prozent.

Bei der Berner Fachhochschule, Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften BFH-HAFL, wo Burren ihre Masterareit einreichte, hat man die Zeichen der Zeit erkannt. Für den 16. März hat die Fachhochschule nun eine Scheidungs-Hotline für Bäuerinnen und Bauern eingerichtet. Am Telefon sollen Betroffene einmalig die Möglichkeit haben, sich über den Scheidungsprozesse informieren können. Burren: «Es ist wichtig, dass sie möglichst früh im Scheidungsprozess Hilfe in Anspruch nehmen.» Ganzzeitlich steht Landwirtinnen und Landwirten, die ihren Partner verlassen möchten, zudem auch ein Online-Ratgeber zur Verfügung.

«Rate vom Heiraten ab»

Ex-Bauer Erich Häfliger findet diese Angebote dringend nötig: «Als Bauern weiss man kaum, wo man bei einer Scheidung anfangen soll.» Es sei daher gut, dass eine Stelle geschaffen werde, die Landwirten-Paare in der Scheidung unterstütze.

Er selber will das Angebot aber nie nutzen, denn er habe aus der Vergangenheit gelernt: «Als Bauer würde ich nie wieder heiraten. Ich rate auch anderen Landwirten davon ab.» Die Chance sei zu gross, dass der Betrieb nach der Scheidung nicht mehr weitergeführt werden könne.

(cho)