Regionalgericht Bern-Mittelland

11. Januar 2016 13:59; Akt: 11.01.2016 14:00 Print

Schiesserei wegen Frau – Männer vor Gericht

Der Streit um eine Frau gipfelte 2014 in Zollikofen in einer Schiesserei. Seit Montagmorgen müssen sich zwei Männer vor Gericht verantworten.

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Zur Schiesserei kam es Anfang Dezember 2014 in Zollikofen. (Bild: Leser-Reporter)

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Das Regionalgericht Bern-Mittelland beschäftigt sich seit Montagmorgen mit dem Ereignis, das als «mysteriöse Schüsse von Zollikofen» in die Annalen einging. Vor dem Gericht stehen zwei junge Männer. Ihnen wirft Staatsanwältin Erika Marti vor, am frühen Abend des 5. Dezember 2014 an der Zollikofer Wahlackerstrasse im Verlauf eines Streits zu einer Waffe gegriffen zu haben. Der Streit soll sich an «wiederholten Kontaktaufnahmen» eines der beiden Männer mit der Freundin eines Kontrahenten entzündet haben.

Mann wollte vermitteln

Ein Mann, der laut Anklageschrift sowohl mit dem Freund der kontaktierten Frau als auch mit einem der Bewaffneten befreundet war, wollte vermitteln und vereinbarte ein Treffen. Als insgesamt vier Männer an diesem Abend an der Wahlackerstrasse aufeinandertrafen, soll es aber rasch zu einer verbalen und handgreiflichen Auseinandersetzung gekommen sein.

Als ein Bekannter des Freunds der Frau auf einen der Bewaffneten losging und ihm einen Faustschlag versetzte, soll der Angegriffene zu einer Pistole gegriffen haben. Dann schoss er laut Anklageschrift mehrmals ganz nahe am Kopf des Kontrahenten vorbei, der den Bewaffneten am Arm festhielt, um ihn daran zu hindern, die Waffe auf ihn zu richten.

Der Kollege des Angegriffenen soll dann ebenfalls zu einer Pistole gegriffen und auf denjenigen Mann geschossen haben, der dem anderen Bewaffneten einen Faustschlag gegeben haben soll. Einer der Schüsse durchschlug den Oberschenkel dieses Mannes. In der Folge rannten der «Vermittler» und der am Oberschenkel Verletzte davon. Der Freund der umworbenen Frau befand sich zwar ebenfalls in Zollikofen, wartete aber «im Hintergrund».

Einer gibt Schüsse zu, der andere nicht

Als «mysteriöse Schüsse von Zollikofen» ging die Schiesserei in die Annalen ein, weil der Polizei damals Schüsse gemeldet wurden und sie – als sie an der Wahlackerstrasse eintraf – Blutspuren fand. Doch war kein Mensch mehr am Tatort anzutreffen.

Den Tätern auf die Spur kam die Polizei unter anderem, weil sich einer der am Streit beteiligten Männer bei ihr meldete. Angeklagt sind die beiden Männer nun im Wesentlichen der versuchten vorsätzlichen Tötung, eventuell der versuchten schweren Körperverletzung in einem Fall, der versuchten vorsätzlichen Tötung, eventuell der Gefährdung des Lebens oder der versuchten schweren Körperverletzung im anderen Fall.

Einer der beiden Angeklagten gab am Montag bei seiner Einvernahme zu, auf einen Kontrahenten geschossen zu haben. Er habe aber den beiden Gegnern lediglich Angst einjagen wollen. Nachdem er seinen Freund nach dem Faustschlag des einen Gegners bewegungslos habe am Boden liegen sehen, sei er in Panik geraten. Der andere Angeklagte sagte hingegen, er habe an diesem Abend keine Waffe bei sich getragen. Beide Angeklagte sind vorbestraft, noch nicht dreissigjährig und Mazedonier. Einer reiste laut Anklage mehrfach in die Schweiz ein, obwohl für ihn eine Einreisesperre bestand.

Gericht reist nach Skopje

Nicht vor Gericht anwesend ist der Mann, der im Dezember 2014 verletzt wurde und im Prozess Privatkläger ist. Das Gericht dispensierte ihn vom Erscheinen. Es konnte ihn aber in Skopje, der Hauptstadt von Mazedonien, einvernehmen. Dort sitzt der Mann derzeit wegen einer anderen Angelegenheit im Gefängnis.

Das Gericht wollte am Montagnachmittag einen Kriminaltechniker und am Dienstag Zeugen respektive Auskunftspersonen einvernehmen. Nach den Plädoyers will es das Urteil am Donnerstagnachmittag bekanntgeben.

(sda)