Bern

25. August 2015 14:28; Akt: 25.08.2015 14:28 Print

Schneider-Ammann besucht Bümplizer Schule

Bundesrat Johann Schneider-Ammann war am Dienstag Gast an einer Schule in Bümpliz. Dort weibelte er für den Einsatz von Zivildienstleistenden an Schulen.

storybild

Bundesrat Johann Schneider-Ammann setzt sich für den Einsatz von Zivis an Schulen ein. (Bild: Keystone/Peter Schneider)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Zivildienstleistende könnten an Schulen wertvolle Arbeit leisten, ohne dabei verkappte Hilfslehrer zu sein: Das haben Behördenvertreter, Lehrkräfte und sogenannte Zivis am Dienstag an einem Runden Tisch mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann an einer Bümplizer Schule bekräftigt.

Ständeratsdebatte am 9. September

Der Bildungsminister besuchte die Schule Stapfenacker im Vorfeld der Ständeratsdebatte vom 9. September. Die kleine Kammer wird dann über den erweiterten Einsatz von Zivis an Schulen entscheiden. Der Nationalrat hat dies im Mai abgelehnt.

Zivildiensteinsätze an Schulen sind schon heute möglich – aber nur dann, wenn behinderte und leistungsschwache Kinder in Regelklassen unterrichtet werden. Aktuell dürfen 150 Schulen in 18 Kantonen Zivildienstleistende einsetzen. Letztes Jahr wurden 330 solche Einsätze geleistet. Der Bundesrat möchte Zivis an Schulen auf einer breiten Basis ermöglichen, doch die Mehrheit des Nationalrats befürchtet, es würden so Hilfslehrer ohne pädagogische Ausbildung geschaffen. Sowieso dürfe der Zivildienst nicht zu attraktiv werden, weil das dem Militärdienst schaden könnte.

Der Zivi als grosser Bruder

Die Teilnehmer des Runden Tischs versuchten diese Befürchtungen zu zerstreuen. Zivildienst an einer Schule sei keineswegs ein Schoggijob, versicherte der Zivi Gianluca Triaca, der im Stapfenacker-Schulhaus tätig war.

Die Arbeit täglich von 8 bis 18 Uhr sei sehr anstrengend und herausfordernd gewesen. Aber auch erfolgreich, wie Lehrerin Catherine Stadelmann betonte. Sie hatte bei der Schulleitung um einen Zivi gebeten, weil sie und ihre Kollegin ihre vielsprachige Klasse mit vielen schwierigen Erst- und Zweitklässlern nicht bändigen konnte. «Gianluca war für die Kinder wie ein grosser Bruder, sie haben ihn respektiert», sagte die Lehrerin. «Ich konnte endlich wieder meinen Kernauftrag, den Unterricht, erfüllen.»

«Kantone mehrheitlich dafür»

Für Beat W. Zemp vom Lehrerdachverband LCH spricht vieles für mehr Zivis an Schulen. Die jungen Männer könnten die Kinder an Mittagstischen und zu Randzeiten betreuen, bei den Aufgaben helfen und die Pausenaufsicht übernehmen. Wichtig sei, dass sich der Einsatz stets am Bedarf der einzelnen Schulen orientiere.

Zemp hofft, dass der Ständerat den Nationalratsentscheid korrigiert. Das letzte Wort haben so oder so die Kantone. Die meisten würden sich wohl für mehr Zivi-Einsätze aussprechen, prognostizierte Zemp – wobei die Stimmung in der Deutschschweiz deutlich positiver sei als in der Romandie.

Der bernische Regierungsrat Bernhard Pulver betonte auch namens der Erziehungsdirektorenkonferenz, es gehe nicht um den Ersatz von Lehrkräften. Die pädagogische Verantwortung bleibe bei ausgebildeten Personen. Zivis könnten aber die Lehrkräfte unter deren Anleitung unterstützen und auch andere Arbeiten im Schulhaus erledigen.

Zusatzkosten für Schulen

Gratis sei das natürlich nicht zu haben, betonte Pulver. Zwischen 1500 und 2000 Franken pro Monat müsse die Schule für einen Zivi zahlen. Das dürfe man als «Investition in die Qualität der Schule» verstehen.

Bundesrat Schneider-Ammann sah sich durch die Voten in seiner Haltung bekräftigt. «Wir wollen die Zivis richtig und sinnvoll einsetzen», betonte er. «Sie sollen der Gesellschaft dienen.» Der Bildungsminister geht weiter davon aus, dass dereinst der erweiterte Einsatz möglich sein wird.

(sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • liebes Volk am 25.08.2015 17:12 Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung?

    Wie wäre es, wenn wir vielleicht zuerst unsere Verfassung achten würden? Ist das zuviel verlangt?

    einklappen einklappen
  • Hans K. am 26.08.2015 22:38 Report Diesen Beitrag melden

    in welche Klasse?

    in welcher Klasse wird er den beginnen?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hans K. am 26.08.2015 22:38 Report Diesen Beitrag melden

    in welche Klasse?

    in welcher Klasse wird er den beginnen?

  • liebes Volk am 25.08.2015 17:12 Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung?

    Wie wäre es, wenn wir vielleicht zuerst unsere Verfassung achten würden? Ist das zuviel verlangt?

    • Conny am 26.08.2015 05:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Fragwürdige Ideen

      Wofür der Stapfenacker alles herhalten muss, einfach unglaublich! Da reiht sich Experiment an Experiment im Westen von Bern.

    einklappen einklappen