Rassismus-Debatte in Egerkingen

27. Februar 2019 13:00; Akt: 27.02.2019 16:13 Print

«Die Gemeinde muss ihren Fasnachtsnamen ändern»

Heute startet in Egerkingen die Fasnacht. Das Dorf heisst während dieser Tage traditionell «Negerchinge». Das sorgt nun erstmals für Kritik.

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«Negerchinger Fasnacht»: Während der Fasnachtszeit setzt Egerkingen jeweils ein N an den Anfang seines Ortsnamens. Die Namensänderung ist dort seit Jahrzehnten gängige Praxis – Aufsehen erregt hat sie bisher nie.

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Dieses Jahr sieht sich die Gäuer Gemeinde zum ersten Mal mit der Rassismusdebatte konfrontiert. Ein Schüler hat bei Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi seinen Unmut über den Namen geäussert, wie die «Solothurner Zeitung» berichtet. Der Schüler, der laut Bertholdi etwa 12 Jahre alt war, fragte die Gemeindepräsidentin im Rahmen eines Schulbesuches: «Der Bub kam zusammen mit seiner Lehrerin zu mir um über den Fasnachtsnamen zu reden.»

Bartholdi verteidigt den Namen dem Jungen gegenüber: «Ich habe dem Schüler versichert, dass es eindeutig nicht diskriminierend gemeint ist.» Jene, die sich während der fünften Jahreszeit als «Negerchinger» bezeichnen würden, seien stolz darauf. «Der Schüler gab sich mit der Antwort zufrieden», so
Bartholdi.

Diskussion soll weitergehen

Dennoch zeigt Gemeindepräsidentin Bertholdi auch Verständnis für die Debatte. Die FDP-Frau verspricht, die Diskussion über den Fasnachtsnamen bei der Schlüsselübergabe am Mittwochabend an die Fasnächtler weiterzuleiten: «Ich habe die Thematik in meine Rede eingebaut und will dort auch von den Menschen erfahren, ob sie den Namen problematisch finden», so Bertholdi zu 20 Minuten.

Anders als in anderen Fastnachtsvereinen wie in Basel vergangenes Jahr hat der Name der Ortschaft nichts mit dem diesjährigen Fasnachtsmotto oder Logo zu tun. Die diesjährige Fasnacht in Egerkingen steht ganz im Zeichen der Flower-Power-Bewegung.

Die Veranstalter der Egerkinger Fasnacht betonen, dass «Negerchinge» keine tiefere Bedeutung habe. Den Begriff verwende das Dorf seit eh und je für das närrische Treiben. Es habe noch nie Reklamationen gegeben, lässt er verlauten.

«Diskriminierend, beleidigend, inakzeptabel»

Celeste Ugochukwu, Leiter Kommunikation des Afrikanischen Diaspora-Rates, verurteilt den Namen Negerchinger Fasnacht scharf. «Neger ist klar ein rassistisches Wort, das dunkelhäutige Menschen diskriminiert und beleidigt», sagt er. Es sei untrennbar mit dem dunklen Kapitel der Sklaverei verknüpft. «Da diese zum Glück abgeschafft wurde, sollte auch sämtliches Vokabular, das mit ihr in Verbindung steht, verschwinden.»

Die Gesellschaft müsse mit der Zeit gehen und sich weiterentwickeln. «Dass eine Gemeinde im 21. Jahrhundert noch das Wort Neger verwendet, ist inakzeptabel», so Ugochukwu. Dabei spiele keine Rolle, ob die Bezeichnung «nur» im Kontext der Fasnacht verwendet werde und nicht negativ gemeint sei. «Die Gemeinde muss ihren Fasnachtsnamen ändern», fordert Ugochukwu. Der Diaspora-Rat werde nun darüber beraten, ob sie den Kontakt zur Gemeinde Egerkingen suchen will.

Unanständig, aber nicht strafbar

Auch bei der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR) heisst es: «Wenn Ausdrücke verwendet werden, die aufgrund ihrer historischen Bedeutung und Herkunft als verletzend und herabsetzend gelten und von den Betroffenen so wahrgenommen werden, sollte die Verwendung dieser Begriffe vermieden werden – unabhängig davon, ob eine diskriminierende Intention dahinter steht», so Geschäftsführerin Alma Wiecken.

Auch während der Fasnachtszeit gelte es, an diese Fragen «mit etwas Geschichtsbewusstsein, Feingefühl und Grundanstand» heranzugehen, sagt Wiecken. «Dies empfehlen wir auch den Verantwortlichen der Egerkinger Fasnacht.»

Strafbar sind laut der Juristin Äusserungen, die eine Gruppe von Personen aufgrund ihrer «Rasse», Ethnie oder Religion in einer gegen die Menschenwürde verstossenden Art und Weise herabsetzen. Im Falle der «Negerchinger Fasnacht» sei eine Strafbarkeit wohl nicht gegeben, sagt Wiecken, «da mit der blossen Bezeichnung eine solche explizite Herabsetzung nicht vorliegt».

(cho/sul)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mike. am 27.02.2019 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    krank!

    Hört endlich mit dem Unfug auf, unsere überlieferten Begriffe zu verpolitisieren. Die Botschaft entsteht immer beim Empfänger. Therapiert endlich Leute, welche damit ein Problem haben. Solche Deutungen sind m.E. nicht angebracht, sondern krank.

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  • Andi am 27.02.2019 13:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Übertrieben...

    Mimimimimi, tut mir leid aber heutzutags versteht niemand mehr Spass, geschweige denn kann niemand mehr zwischen Ernst und Satire unterscheiden....tragisch.

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  • Prediger am 27.02.2019 13:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kommt schon Leute...

    Man kann's auch übertreiben...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Krieger am 27.02.2019 21:06 Report Diesen Beitrag melden

    Komitee?

    Und dann gibt es dort ja noch das Egerkinger Komitee. Passt!

  • holderer am 27.02.2019 19:17 Report Diesen Beitrag melden

    DiskriminierungsFasnacht?

    Die Narrenfreiheit hat sich verlagert,ins Lager der aufmümpfigen,sich möchtegern Provilierenden.Zeitgemäss ist heute in allem irgendwie auf eine Diskriminierung abzuleiten,einfach Närrisch.Satire,Traditionen usw.werden mal so langweilig durch diese Belehrungs-Zensuraposteln daher kommen,einfach Schade.Also schön Arbeiten,Essen Schlafen und sonst mit Maulkorb umherlaufen.

  • Tomie am 27.02.2019 19:04 Report Diesen Beitrag melden

    Egerkinger Komitee

    Aber die Gemeinde Egerkingen entgeistert sich, dass sich das "Egerkinger Komitee" nach ihr benannt? Dort sind die Rassisten doch scheinbar gerne unter Gleichgesinnten.

  • AH am 27.02.2019 18:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man kann es auch übertreiben ...

    Vor einigen Wochen in einer Tankstelle konnte ich eine interessante Unterhaltung zwischen einem "Farbigen" und einer Schweizerin verfolgen .. Er sagt zu ihr: "first time a black guy is watching a white girl working" und hat sich dabei fast tot gelacht. Jetzt frage ich mich, wie er so eine rassistische Bemerkung machen konnte ...

  • Igel am 27.02.2019 18:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wegweisend

    Zuerst die schwänzende Schülerin Greta, und jetz ein Schuelbuebli aus der CH. Was wird das nächste sein? Eventuel ein Kindergartenkind. Das Profilieren lernen die Jungen schnell. Wnn dann mal die Berufsarbeit auch so Profesionell funktioniert, haben wir ja nichts zu Befürchten.