Filmtalent Lisa Gertsch

05. Dezember 2018 05:46; Akt: 05.12.2018 05:46 Print

Wird ihre Bachelor-Arbeit mit Oscar vergoldet?

Aus dem Bachelor-Abschluss «Almost Everything» wird ein Anwärter für den Oscar. Die Berner Filmemacherin Lisa Gertsch räumt reihenweise Preise ab.

Der Trailer zu «Almost Everything» von Lisa Gertsch. (Video: Lisa Gertsch)
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Es geht um Liebe und Frühdemenz: Die Berner Filmemacherin Lisa Gertsch veröffentlicht mit «Almost Everything» einen berührenden Kurzfilm – und räumt damit derzeit eine Auszeichnung nach der nächsten ab. Als letztes durfte die 26-Jährige vor einigen Wochen den Studenten-Oscar in Los Angeles entgegennehmen: «Das war ein riesiger Erfolg, eine tolle Anerkennung und eine richtige Motivationsspritze», so Gertsch, die 2017 mit diesem Film den Bachelor in Film an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) absolviert hat.

Und es winkt noch mehr: In zwei Wochen wird bekannt, ob der 24-Minuten-Film auch für den Oscar in der Kategorie «Live Action Short Film» ins Rennen steigt. Doch die Wahlzürcherin will sich davon nicht verrückt machen lassen: «Ich blende das einfach aus. Es wäre eine extreme Überraschung.» Ausserdem sei sie mit dem Studenten-Oscar bereits mehr als zufrieden. Es ist das dritte Mal, dass die unter jungen Filmschaffenden begehrte Auszeichnung an die ZHdK geht.

Wenn Alterskrankheit Junge trifft

Gertschs emotionaler Film dreht sich um den 47-jährigen Paul, der an Frühdemenz leidet. Als ihn seine Ehefrau ins Pflegeheim fahren soll, beschliessen die beiden stattdessen ans Meer in Italien zu reisen. «Ich habe mich für die Thematik entschieden, nachdem ich jemanden mit Frühdemenz kennengelernt habe», sagt Gertsch, die das Drehbuch selber geschrieben und Regie geführt hat. Rund ein Jahr Arbeit hat die Filmschaffende in das Projekt investiert.

Trotz der traurigen Geschichte ist der Kurzfilm nicht durchwegs schwer und bringt das Publikum stellenweise gar zum Lächeln. Gertsch: «Der Film soll zeigen, dass Menschen in einer solchen Situation einen neuen Umgang miteinander finden müssen.» Dadurch könnte auch mal zu Situationskomik entstehen.

Beliebt bei Kritikern und Zuschauern

Das Schweizer Publikum hatte zuletzt im Oktober am Kurzfilmfestival Shnit in Bern Gelegenheit, den Film zu sehen. Das Werk wurde im Sommer 2017 veröffentlicht und seither an Filmfestivals rund um den Globus gezeigt. Wien, Brüssel, Toulouse, Athen – in allen grösseren Kurzfilmfestivals wurde «Almost Everything» dem Publikum vorgeführt – und erntete Beifall und viel Lob von den Kritikern: «An mehreren Festivals wurde der Film mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Das ist eine besondere Ehre», so Gertsch.

Aber auch von Regie-Kollegen erhält Lisa Gertsch Anerkennung: «Es mit Schweizer Mitteln nach Hollywood zu schaffen, ist eine extreme Leistung. Da kann man nur gratulieren», sagt der Berner Regisseur Mano Khalil.

Gertsch, die mittlerweile an ihrem Masterdiplom in Regie arbeitet, hat bereits das nächste Projekt ins Auge gefasst: «Ich schreibe derzeit mein erstes Drehbuch in Spielfilmlänge.»

(cho)