Kehle aufgeschnitten

13. Februar 2020 15:12; Akt: 13.02.2020 15:25 Print

Schwulen Sohn attackiert – Vater bleibt in U-Haft

Ein Mann soll letztes Jahr versucht haben, seinen Sohn zu töten, weil dieser schwul ist. Gegen die Untersuchungshaft hat er nun Beschwerde eingereicht – und ist abgeblitzt.

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Mit schweren Schnittverletzungen am Hals und am Oberkörper wurde Seran M.* im Frühling ins Berner Inselspital geflogen. Wie der 17-Jährige im Oktober gegenüber 20 Minuten erzählte, hatte sein Vater ihm die Verletzungen zugefügt. Dieser habe ihn spätnachts aus dem Schlaf gerissen und mit den Worten «du bist schwul, du bist schwul?» angebrüllt. Dann habe der Vater versucht, ihm die Kehle durchzuschneiden, so M. Mit Glück überlebte er die Attacke: Er konnte sich losreissen und flüchtete blutüberströmt über den Balkon.

Der Vater, gegen den ein Strafverfahren wegen versuchter vorsätzlicher Tötung läuft, befindet sich nach wie vor in Untersuchungshaft. Dagegen hat er beim Obergericht Beschwerde eingereicht, wie die «Berner Zeitung» (Abo-Artikel) berichtet. Die Schilderungen des Sohnes seien falsch, erklärte er bei der Einvernahme: Das Blut des Sohnes etwa habe an seinen Kleidern geklebt, weil er die blutüberströmte Bettdecke des Sohnes emporgehoben habe. Die Verletzungen habe sich sein suizidgefährdeter Sohn selbst zugefügt.

Kaum in der Schweiz integriert

Das Obergericht schenkte den Aussagen des Vaters wenig Glauben. Die Spuren würden ihn belasten, bei konkreten Fragen weiche er aus. Zudem bestehe das Risiko, dass sich der Beschuldigte in sein Heimatland, den Irak, absetze. Denn in der Schweiz sei er kaum verwurzelt, spreche etwa nur wenig Deutsch und lebe von der Sozialhilfe. Folglich kam das Gericht zum Schluss, dass die Untersuchungshaft nicht aufgehoben werde.

Wann der Hauptprozess stattfindet, ist noch nicht klar. Erst müssen die Untersuchungen abgeschlossen sein.


(sul)