Karma-Club

10. Oktober 2019 04:51; Akt: 10.10.2019 11:00 Print

Türsteher bricht Club-Gast am Geburtstag die Nase

Die Nacht im Berner Karma-Club endete für einen jungen Berner schmerzhaft: Er kassierte einen Faustschlag von einem Security-Mitarbeiter. Dieser wurde nach dem Vorfall freigestellt.

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Letzten Samstagabend in der Berner Ausgehmeile Aarbergergasse: Im Karma-Club feierte J.D.* mit Freunden seinen 31. Geburtstag. Die etwa zwölfköpfige Gruppe teilte sich eine Lounge, schlürfte ein paar Drinks und unterhielt sich prächtig. Später tanzten die Freunde zu den harten Reggaeton-Beats, alberten ein wenig herum, und einmal, da gab ein Kollege D. spasseshalber einen Klaps auf den Hintern.

Gemäss Aussagen von D. stufte ein Security-Angestellter die harmlose Geste fälschlicherweise als gewaltsame Handlung ein. «Er kam auf uns zu und sagte zu meinem Kollegen, er solle sofort aufhören, mich zu schlagen», sagt D. Sie hätten dem Mann daraufhin zu erklären versucht, dass sie befreundet seien und nur ein wenig herumalbern würden. Als ein weiterer Security-Mitarbeiter hinzukam, sei die Situation eskaliert. «Sie haben meinen Kollegen gepackt und Richtung Ausgang gezerrt», so der studierte Betriebsökonom.

«Ich wollte nur reden»

D. ging hinterher und redete weiter auf die Türsteher ein, in der Hoffnung, dass sich die Situation doch noch zum Guten wendet. Das Gegenteil trat ein: «Der eine Türsteher drehte sich plötzlich um und schlug mir unvermittelt die Faust ins Gesicht.» Während D. stark aus der Nase blutete, verständigten seine Kollegen die Polizei.

Noch in derselben Nacht begab sich der 31-Jährige ins Notfallzentrum des Berner Inselspitals. Diagnose: Ein offener, mehrfacher Nasenbeinbruch, wie dem ärztlichen Bericht zu entnehmen ist. Über das Verhalten des Security-Angestellten zeigt er sich schockiert: «Er hat mich grundlos verletzt, dabei wollte ich nur reden.» Aus Angst vor Vergeltung seitens des Beschuldigten will D. seinen Namen nicht in der Zeitung lesen.

Die Kantonspolizei Bern bestätigt einen Einsatz vor dem Nachtclub kurz nach 4 Uhr morgens. Weil es sich um eine Angelegenheit im Antragsbereich handle, seien bei der Polizei derzeit keine weiteren Massnahmen vorgesehen. D. steht derzeit in Kontakt mit der Opferhilfe und überlegt sich, Anzeige gegen den Sicherheitsangestellten zu erstatten.

Mitarbeiter wurde freigestellt

Die zuständige Sicherheitsfirma, die F13 Security in Bern, nahm am Mittwochabend Stellung zu dem Vorfall. Tatsächlich sei man bei einer vermeitlichen Auseinandersetzung auf der Tanzfläche eingeschritten, die sich als Spasskampf herausgestellt habe, sagt der Geschäftsführer. Ein Mitarbeiter habe D. und seinen Kumpel gebeten, ein solches Verhalten zu unterlassen. Nach «etlichen Beleidigungen» hätten die Sicherheitskräfte D.s Kollegen gebeten, den Club freiwillig zu verlassen und ihn – «nach grosser Gegenwehr» – hinausbegleitet.

«Bei dem Gerangel am Ausgang kam es unglücklicherweise auch zu einem Schlag ins Gesicht», so der Inhaber. Der fehlbare Security-Mann, laut dem Chef ein Aushilfsmitarbeiter, sei noch am selben Abend freigestellt worden: «Er arbeitet nicht mehr für uns, da wir solche Situationen und jegliche Gewalt nicht dulden.» Die Firma bedauere den Vorfall. Der Abendverantwortliche habe sich bei dem Geschädigten mehrfach im Beisein der Polizei entschuldigt.

*Name der Redaktion bekannt

(sul)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ehemaliger Türsteher am 10.10.2019 05:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unbedingt anzeigen!!

    War selbst auch mal türsteher und würde raten unbedingt anzeige zu erstatten! Leider gibt es in der branche in der schweiz kaum noch professionelle fachkräfte. Ich selbst wurde von agressiven, inkompetenten und aufgepumten türstehern zu genüge grundlos beleidigt und massiv bedroht. Leider geht es meistens nur noch darum zu schickanieren und die machtposition auszunutzen. Im Ausland wird dies viel besser und professioneller gehandhabt. Echt schade für die wenigen guten fachkräfte in der branche!

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  • Pepe Zigarro am 10.10.2019 06:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schlechtes Karma

    Namaste, in diesem Club herrscht wohl ein schlechtes Karma...

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  • Def Keks am 10.10.2019 06:04 Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Ist eine Firma nicht auch für ihre Aushilfsmitarbeiter verantwortlich?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lukas am 10.10.2019 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    Anstand und Respekt auch von Gästen

    Ist immer am einfachsten den Fehler bei den anderen zu suchen. Abgesehen vom Faustschlag.

  • Bürger am 10.10.2019 10:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Veränderte lage

    Ich habe selbst jahrelang konzerte und partys organisiert und wir hatten das glück einen top team zu haben die auch geschult wahren (danke Aldo), mitlerweile sehe ich das in vielen clubs oder bars irgendwelche anabohltypen da stehen die keine ahnung haben von deeskaltion oder gesundem menschen verstand! Klar müssen sich türsteher mit vielen unnötigen oder dummen dingen befassen aber ein erst schlag ist niemals angebracht !

  • Saca am 10.10.2019 10:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Wir kennen nur eine Seite der Geschichte. Einfach so wird der wohl nicht zugeschlagen haben.

  • Francoise am 10.10.2019 10:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Decadenz der Gesellschaft

    Betrunkene als Urteil fähig fühlen was zu der Dekadenz der Gesellschaft spiegelt. Warum zu Eskalierung gekommen ist klar und soll ein Zeichen sein, wenn es gehört werden will, das ein Entschuldigung und wir beruhigen uns der Respekt für allen dient. Die situation in geschlossener Gesellschaft ist egal aber eine offene Gesellschaft ist mit benehmen und regeln verbunden. Wie beim Auto fahren nicht alles so harmlos wie es gerne verkauft wird mit Promille. Es ist schockierend das eine Person seine Stelle verliert weil kein Einsicht gemacht würde. Aufseher = bösen. Sie machen nur Ihr Job.

  • 50+ am 10.10.2019 10:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wo ist das Video

    solche Situationen kenne ich auch, von Aussenstehenden wird unsere Clique oft als asozial oder frech wahrgenommen und Menschen schütteln den Kopf, weil sie uns nicht verstehen. Das ist wohl in jeder Gruppe von Freunden so, die Sprache ist anders, man kennt sich teilweise schon Jahrzehnte. Gerne würde ich das Video sehen, es gibt doch IMMER ein Handyvideo, warum hier nicht? Nein, ich bin nicht für Gewalt, ich würde gerne nur die Wahrheit wissen bevor ich mir ein Urteil bilden kann, also beide Seiten hören