Drei Tote in Niederbipp

09. Februar 2011 12:27; Akt: 10.02.2011 10:18 Print

Seniorenmord - es ging um das Erbe

Blutiges Drama im Oberaargau: Zwei Brüder und ihre Mutter sind in Niederbipp BE erschossen aufgefunden worden. Hinter der Tat steht ein Erbschaftsstreit, vermuten Nachbarn.

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Gestern Abend um 20.15 Uhr fuhr eine Armada aus Polizei, Ambulanz und Spurensicherung ins beschauliche Niederbipp BE ein. Die Polizisten machten einen grausigen Fund: In einer Werkstatt an der Oberen Dürrmühlestrasse in Niederbipp fanden sie drei Leichen.

«Alle drei Todesopfer weisen Schussverletzungen auf», heisst es im Communiqué der Kantonspolizei Bern. Es sind zwei Faustfeuerwaffen aufgefunden worden. Die Opfer sind zwei zirka 70-jährige Männer und eine zirka 90-jährige Frau.

Grundstücke erschlichen

Ersten Recherchen von 20 Minuten Online zufolge handelt es sich dabei um Erich S., der zusammen mit seiner Mutter Rosa ein altes Bauernhaus bewohnte. Als dritte Person wird der Bruder von Erich vermutet.

Wie der Inhaber eines benachbarten Schreinereigeschäfts gegenüber 20 Minuten Online meint, handelt es sich im Dreifachmord wahrscheinlich um eine Erbstreitigkeit. «Erich S. war ein verschlagener Kerl. Man munkelt schon seit langem, dass er sich Erbe, vor allem Grundstücke und Liegenschaften, von der Mutter erschlichen hat.»

Mehrere Autos

Er habe Dokumente manipuliert und vielleicht auch die Mutter unter Druck gesetzt. «Der Bruder hatte das Nachsehen. Er hat die Tat vermutlich begangen», so der Schreiner. Das Geld habe Erich S. gebraucht, weil er mehrere Sanitär- und Spenglereigeschäfte in den Konkurs getrieben habe.

Ein Blick ins Handelsregister zeigt: 1995 eröffnete S. ein Sanitärunternehmen. 2004 ging er Pleite. Im selben Jahr gründete er ein Installationsgeschäft. 2007 kam es erneut zum Konkursverfahren, er wurde aber abgewendet.

Ein entfernter Verwandter der Familie bestätigt die Version. «Erich konnte nicht mit Geld umgehen, er besass mehrere Autos», sagt er gegenüber 20 Minuten Online.

Schwieriger Nachbar

Erich S. sei ein schwieriger Nachbar gewesen, so der Schreiner weiter. «Niemand wollte mit ihm etwas zu tun haben», so der Schreiner. «Wenn einer etwas baute, dann erhob er gleich Einsprache. Er selber baute aber Wege, neue Fenster und eine Garage ohne irgendeine Bewilligung.»

Auch andere Nachbarn haben die Familie S. kaum gekannt. «Ich sah die Mutter manchmal im Garten Blumen giessen, sprach aber nie mit ihr», sagt eine Frau, die an der Strasse wohnt. Auch der Mann vom Pizzalieferservice neben dem Haus hatte keinen Kontakt mit der Familie, wie er gegenüber 20 Minuten Online sagt.

Auch Polizei vermutet Beziehungsdrama

Die Polizei geht nach den ersten Erkenntnissen von einem Beziehungsdelikt aus. Die drei Personen sind formell noch nicht identifiziert worden. Sie sollen allerdings nach den aktuellen Angaben aus «einer Familie» stammen, sagt Sprecherin Ursula Stauffer. In welchem Verhältnis die Personen genau zueinander standen, wollte sie nicht mitteilen.

Die drei Leichen wurden ins Institut für Rechtsmedizin (IRM) der Universität Bern gebracht. Die Polizei vermutet, dass keine weitere Personen an der Tat beteiligt waren. Weitere Angaben zum tödlichen Streit, etwa ob es auch zu einem Suizid gekommen war, wollte die Polizei nicht machen.

(amc/job/meo/sda)