Alle Fälle beurteilt

29. Dezember 2008 14:44; Akt: 29.12.2008 15:18 Print

Sex-Affäre um FC Thun strafrechtlich abgeschlossen

Die strafrechtliche Beurteilung der Sex-Affäre rund um den FC Thun ist abgeschlossen. Alle 13 Angeklagten kamen mit bedingten Bussen oder gemeinnütziger Arbeit davon. Der Anwalt von 6 der 13 Angeklagten spricht von einer «masslos aufgebauschten» Affäre.

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Der letzte Fall wurde im Strafmandatsverfahren (das ist ein «Schnellverfahren» im bernischen Strafverfahrensgesetz für kleinere Delikte, d. Red.) erledigt, wie Untersuchungsrichterin Anna Christine Schenk auf Anfrage sagte.

Der Fall war wegen Landesabwesenheit des Angeschuldigten längere Zeit auf Eis gelegt worden. Insgesamt wurde gegen 13 Personen Anklage erhoben, darunter mehrere ehemalige oder aktuelle Spieler des FC Thun. Ein Verfahren gegen einen Minderjährigen wurde aufgehoben.

Geldstrafen verhängt

Verhängt wurden bisher in allen Fällen bedingte Geldstrafen, Bussen und in einem Fall gemeinnützige Arbeit. Dies jeweils wegen sexueller Handlungen mit einem Kind und - vereinzelt - Pornografie. Die höchste Strafe verhängte Anfang Juli das Kreisgericht Bern- Laupen mit 150 Tagessätzen zu je 30 Franken.

Den schwerwiegendsten Vorwurf, nämlich Schändung, liess das zuständige Gericht fallen. Das betroffene, zur Tatzeit etwas mehr als 15 Jahre alte Mädchen sei nie wehrlos oder urteilsunfähig gewesen, so die Begründung. Das Mädchen stammte aus der Thuner Fanszene. Die sexuellen Handlungen geschahen mit seinem Einverständnis.

Riesenwirbel

Der Fall hatte im November 2007 für einen Riesenwirbel gesorgt, als die Kantonspolizei Bern mitteilte, sie habe über 20 Personen festgenommen, darunter auch aktive und ehemalige Spieler des FC Thun.

In der Öffentlichkeit wurde nicht nur der Fall äusserst kontrovers diskutiert, sondern auch der Umgang der Medien mit der Sache. Umstritten war insbesondere die Nennung respektive Nichtnennung von Namen der betroffenen Spieler.

Dies führte schliesslich zu der absurden Situation, dass der Klub die Namen all jener Spieler bekannt gab, die nicht in den Fall involviert waren. Dies, um sie vor falschen Verdächtigungen zu schützen.

Die Affäre sei «masslos aufgebauscht» worden, sagte Anwalt Beat Luginbühl rückblickend auf Anfrage. Luginbühl vertrat sechs der 13 Angeschuldigten, darunter alle drei in die Affäre verwickelten aktuellen oder ehemaligen Spieler der 1. Mannschaft.

Die ausgesprochenen Strafen zeigten, dass die Affäre strafrechtlich nie die Bedeutung gehabt habe, die ihr die Boulevardmedien zugemessen hätten, betonte Luginbühl.

(sda)