Geknackter Geldtransporter

06. Februar 2019 05:45; Akt: 06.02.2019 08:25 Print

«Der Fahrer wird als Verdächtiger behandelt»

Unbekannte haben einen Geldtransporter in Oftringen ausgeraubt. Ein Experte klärt auf, wie so etwas passieren kann – oder eben nicht.

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In Oftringen wurde am Mittwoch, 30. Januar ein Geldtransporter bestohlen, ohne dass der Fahrer dies bemerkte. Die Ganoven erbeuteten laut der Kapo Aargau mehrere Beutel mit Bargeld. 20 Minuten hat mit einem erfahrenen Geld- und Warenlieferanten über die Gefahren solcher Transporte gesprochen.

Ofier Kroo, Sie sind Inhaber eines Transportunternehmens, das auf Geld- und Wertlieferungen spezialisiert ist. Wie häufig werden Geldtransporte in der Schweiz beraubt?
Unser Unternehmen blieb bisher zum Glück verschont, aber es kommt leider immer häufiger vor. Ich erinnere mich 2018 an zwei ausgeraubte Geldtransporte, einer in Genf und ein anderer im Waadtland wo ein zweistelliger Millionenbetrag erbeutet wurde. Jedoch ist die Zahl hierzulande deutlich tiefer als in Deutschland, Frankreich und Italien.»

Warum?
Kurz: Wir sind in der Schweiz besser abgesichert, unsere Kriminalitätsrate ist tiefer und die Transportwege sind kürzer.

Wie lukrativ ist es einen Geldtransport zu überfallen?
Ich selber würde nie einen Geldtransporter überfallen. Das Risiko erwischt zu werden ist hoch und die Chance, an Geld zu kommen, gering. Denn meistens ist das Geld mit einer speziellen Farbpatrone versehen, die 99% aller Banknoten wertlos macht.

Dann haben die Gauner von Oftringen gar nichts von ihrem Überfall?
Das ist schwer zu sagen, aber womöglich schon. Meistens wird das Geld lediglich für den Transport vom und zum Fahrzeug mit diesen Farbbomben versehen. In Oftringen wurde das Geld jedoch direkt aus dem Fahrzeug entwendet.

Ohne dass der Fahrer dies bemerkte. Wie kann das passieren?
Ich denke, dass das Auto weder gepanzert noch mit entsprechender Technologie gesichert war. Bei uns hätte so etwas nicht passieren können. Wir verwenden ausschliesslich Panzerfahrzeuge, die nicht einfach geknackt werden können. Ausserdem befindet sich im Laderaum ein Bewegungssensor. Wenn der etwa registriert, wird im Fahrzeug und hier bei uns im Geschäft Alarm ausgelöst. Das Auto riegelt sich automatisch ab und kann nicht mehr bewegt werden. Es ist empfehlenswert, die Sicherheitsstandards und Arbeitsprozesse laufend zu überprüfen.

Trägt die Schuld nicht der Fahrer?
Nein. Es kann gut sein dass ein Fahrer je nach Lagerung der Ware nicht bemerkt, dass zwei oder drei Geldsäcke im Auto fehlen. Aber es dürfte gar nicht so weit kommen, dass Geld entwendet werden kann, geschweige denn unbemerkt.»

Dennoch ist das für den Fahrer sicherlich mehr als nur unbequem.
Das ist in der Tat so. Er wird sich vielen Fragen der Staatsanwaltschaft stellen müssen, er wird durchleuchtet und als Verdächtiger behandelt werden. Aber auch seine Kollegen, die die Strecke abfahren, werden von den Ermittlern durchleuchtet. Denn in vielen Fällen sind in erfolgreiche Geldtransport-Überfälle Insider involviert.

Wie geht man nach so einem Erlebnis wieder an die Arbeit?
Ich kenne Fälle, in denen die Menschen den Job wechseln mussten. Einfach, weil sie es sich nicht mehr zugetraut haben. Das muss einem bewusst sein: Die Chauffeure stehen unter grossem Druck und manchmal auch Stress.

(cho)