«YB-Flug war Nebeneffekt»

14. September 2018 19:11; Akt: 14.09.2018 19:39 Print

Jetzt spricht der Skywork-CEO

Vor zwei Wochen ging die Berner Airline Skywork Konkurs. Am Freitag sprach der Chef der Fluggesellschaft erstmals über das Aus.

«Dass wir den YB-Flug noch durchführen konnten, war ein angenehmer Nebeneffekt»: Skywork-CEO Martin Inäbnit (64) zum Grounding. (Video: ber)
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Der Chef der in Konkurs gegangenen Berner Airline Skywork hat sich am Freitag erstmals öffentlich zum Aus des Unternehmens geäussert. Dabei bedauerte Martin Inäbnit sehr, dass Skywork den Betrieb in Lugano nicht aufnehmen konnte.

Lugano hätte Skywork nicht gerettet, aber ein gutes Stück vorwärtsgebracht, betonte Inäbnit am Freitag vor den Medien in Belp. Im Tessin habe man erkannt, dass nur ein Modell mit auf mehrere Partner verteilte Risiken funktionieren könne. Im Kanton Bern sei diese Einsicht noch weit weg. Der Skywork-Chef rechnete vor, dass die Geldgeber von Skywork seit 2014 jedes einzelne ab Bern verkaufte Ticket «massiv sponserten».

Existenz des Flughafens sei nicht gefährdet

Mit Skywork hat der Flughafen Bern-Belp seinen Hauptkunden verloren. Die Airline erbrachte fast 60 Prozent aller Flüge am Hauptstadtflughafen. Die Existenz des Flughafens sei durch das Aus der Regionalfluggesellschaft unmittelbar nicht gefährdet, heisst es von Seiten des Flughafens. Der Wegfall verursache aber einen Umsatzrückgang.

Gegenüber 20 Minuten sagte der Unternehmer: «Eine Fluggesellschaft, die nur von Bern aus fliegt, ist utopisch. Es sei denn, jemand will jährlich Millionen investieren.» Es sei schon «speziell» gewesen, dass die Flughafenbetreiberin Jahr für Jahr schwarze Zahlen geschrieben habe, während Skywork nicht rentiert habe, sagte Inäbnit. «Skywork konnte nicht weiterhin für eine schwarze Null des Flughafens zuständig sein.»

Zeitfracht sprang ab

Inäbnit umriss auch die zahlreichen Verhandlungen, die eine Lösung hätten herbeiführen sollen. Im Gespräch war Inäbnit unter anderem mit der deutschen Firma Zeitfracht. Im Fall einer Übernahme durch Zeitfracht hätte laut Inäbnit eine Zusage für eine Zwischenfinanzierung von dritter Seite bestanden. Doch letztlich sah auch Zeitfracht am 27. August von einer Übernahme ab.

Von da an ging alles schnell: Inäbnit informierte das Bundesamt für Zivilluftfahrt und nahm Vorbereitungen zur Einstellung des Betriebs in Angriff. Bei den Behörden wurde eine Überschuldungsanzeige eingereicht und nach Eintreffen der letzten Maschine in Belp Personal und Öffentlichkeit informiert.

«Das Buchungstool abzuschalten hätte für grosse Unruhen gesorgt»

Zu diesem Zeitpunkt befanden sich zahlreiche Skywork-Kunden noch irgendwo im Ausland. Andere Schweizer Airlines sprangen ein und boten vergünstigte Rückflüge an. Bis zur Bekanntgabe der Betriebseinstellung war auch die Buchungsplattform von Skywork noch in Betrieb. So gab es Kunden, die nur Stunden vor dem Aus noch Tickets buchten.

Inäbnit verteidigte am Freitag das Vorgehen. Wäre das Buchungstool vorher abgeschaltet worden, hätte dies für grosse Unruhe gesorgt. Skywork hätte für Treibstoff und andere Dienstleistungen überall bar zahlen müssen. Dies hätte einen massiven Geldabfluss verursacht.

Schon einmal in Schieflage

Skywork war vor knapp einem Jahr in finanzielle Schieflage geraten. Im Oktober 2017 mussten die Flugzeuge drei Tage lang am Boden bleiben. Dann gelang es Skywork, beim Bund den verlangten Finanzierungsnachweis für den künftigen Betrieb zu erbringen.

Skywork war 1983 gegründet worden. Es bot zunächst Lufttaxi- und Charterflüge an. Die Airline bot zuletzt aus der Schweiz Linienflüge in Nachbarländer und Feriendestinationen an.

(ber)