Generation Handysucht

07. Juni 2019 04:48; Akt: 07.06.2019 08:23 Print

Acht Anzeichen, dass du Handysüchtig bist

von M.Kafantari - Vom Handy geht die grösste Suchtgefahr für Jugendliche aus. Das empfinden zumindest die 12- bis 16-Jährigen so.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Eine Befragung bei über 750 Schülerinnen und Schülern aus dem Kanton Bern hat ergeben, dass Jugendliche die Handysucht als grösstes Suchtproblem ihrer Generation wahrnehmen. 71,9 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Smartphone-Sucht in ihrer Generation am meisten verbreitet ist. Für die Studie befragte das Blaue Kreuz Bern-Solothurn-Freiburg 12- bis 16-jährige Oberstufenschüler.

Umfrage
Wie viele Stunden am Tag benutzt du dein Handy?

Gründe die Jugendliche in die Sucht treiben

Die Fachstelle für Suchtprävention zeigt sich wenig überrascht ob dem Resultat. Die 12- bis 16-Jährigen seien mit den Smartphones aufgewachsen, heisst es in einer Mitteilung. Sie würden schon früh ein Handy besitzen und seien in ihrem Alltag stets mit der Technologie und deren Möglichkeiten konfrontiert: «Die Hemmschwelle ist bei den Jugendlichen viel kleiner, wenn es um Smartphones geht», sagt der stellvertretende Stellenleiter vom Blauen Kreuz Bern-Solothurn-Freiburg, Markus Wildermuth.

Ausserdem sei die Impulskontrolle bei den Jugendlichen noch nicht da. Das Treffen von rationalen Entscheidungen falle den Jugendlichen schwerer und deswegen könnten sie mit der Smartphone-Nutzung kaum aufhören.

Die Zeichen

Markus Rinderknecht, Psychologe bei der Berner Gesundheit, hat regelmässig mit handysüchtigen Jugendlichen zu tun. Ihm zufolge gibt es eine Reihe von Verhaltensäuffälligkeiten, welche Handysüchtige an sich feststellen.

Nicht ohne

Das Smartphone kann nicht aus den Händen gelegt werden. Selbst die kurze Dauer einer Lektion, also 45 Minuten, wird ohne Handy für Betroffene zum Problem. Der Drang auf das Smartphone zu schauen, ist enorm.

Stress

Herz- und Kreislaufbeschwerden wie Bluthochdruck, Schwindelgefühle, Herzrasen und Atembeschwerden oder gar Panikattacken können die Folgen von Handysucht sein.

Depressionen

Suchtgefährdete können ohne Handy Angstzustände bekommen. Dies kann so weit gehen, dass Betroffene Depressionen entwickeln wegen ihrer Handysucht.

Essverhalten

Statt zu essen hängen Süchtige lieber am Smartphone oder sie sind dermassen auf das Gerät fokussiert, dass sie die Nahrungsaufnahme vergessen. In Familien können Konfliktsituationen entstehen, wenn Kinder während dem Essen das Handy nicht benutzen dürfen und deshalb auf das Essen verzichten.

Körper

Weil sie nur noch am Handy hängen, vernachlässigen betroffene Menschen ihren Körper: Sie bewegen sich nicht mehr, machen keinen Sport. Die Folge kann Übergewicht sein. Auch die Körperhygiene kann darunter leiden.

Schlaf

Das Smartphone raubt den Betroffenen den Schlaf. Gerade im Bett ist die Versuchung gross, noch etwas zu surfen, ein Spiel zu spielen oder sich in den sozialen Medien zu tummeln.

Sozialleben

Das Gerät bestimmt die sozialen Interessen der Betroffenen. Sie suchen sich Freunde oder Aktivitäten, die sich mit ihrer Handysucht vereinbaren lassen. Soziale Interaktion findet oftmals nur virtuell statt.

Aggressivität

Die Handysucht kann auch aggressives Verhalten verursachen, etwa wenn Betroffene das Smartphone nicht benutzen können.

Hilfe holen

Wenn Personen fürchten Handysüchtig zu sein, sollten sie sich bewusst beobachten, so Rinderknecht: «Wichtig ist, wachsam zu sein und zu merken, wie oft ich das Handy in die Hand nehme.» Das sei ein erster Schritt. Dann sollten Betroffene versuchen, sich damit auseinanderzusetzen: «Dazu gehört etwa, zu versuchen, das Handy einmal einen Abend oder ein Wochenende lang nicht zu benutzen.» Sollten Betroffene merken, dass sie dazu alleine nicht im Stande sind, so sollten sie sich Hilfe holen, sei dies im persönlichen Umfeld oder bei Profis.

Habt ihr auch bereits Erfahrungen mit Handysüchtigen gemacht, wart oder seid ihr gar selber betroffen? Erzählt uns davon im Formular.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dani B am 07.06.2019 07:10 Report Diesen Beitrag melden

    Schade um die kostbare Lebenszeit

    Irgendwann kommt dann mal die Erkentniss, dass die Jahre dahingegangen sind und man eigentlich nichts vom Leben hatte. Ist das nicht wirklich traurig?

  • Anonym am 07.06.2019 07:01 Report Diesen Beitrag melden

    Es lebe das Smartphone

    Zum Glück bin ich, 27Jahre alt ohne Handy gross geworden. Mit 12 wurde mir ein Natel gegeben, damit ich von der Schule aus telefonieren konnte (Schule war im Nachbardorf). Am Abend und in den Ferien wurde das Natel einkassiert & das war gut so. Mit 16 durfte ich selbst damit umgehen wie ich wollte und heute bin ich auch mal froh nicht erreichbar zu sein. Heute drückt man ja schon 2Jährigen Kindern ein Tablet/Smartphone vor die Nase, dass sie "beschäftigt" sind. Aber ein Hoch auf die Digitalisierung!!!!!

  • Verzweifelte Mutter am 07.06.2019 05:48 Report Diesen Beitrag melden

    Echt traurig

    Das zeige ich heute meinem Sohn. Alle oben erwähnten Punkte habe ich ihm schon gesagt. Oft. Aber er will es nicht wahrhaben. Ich habe alles dafür getan das es nicht soweit kommt. Aber irgendwann musste ich mich selbst schützen. Gerade wegen den Agressionen. Da hat die Pubertät auch noch seinen Teil dazu beigetragen. Er ist sonst nicht so. Er ist 18. Das Handy bekam er mit 15.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Emmentaler Grant am 07.06.2019 21:07 Report Diesen Beitrag melden

    Auch nicht normal

    Irgendwie mache ich mir Sorgen: Auf mich trifft nicht einer dieser Punkte zu. Aggressivität verspüre ich bloss wenn so ein Ding in meiner Nähe ist! Bin ich irgendwie in den 1980er stehengeblieben?

  • schlaue Biene am 07.06.2019 14:17 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach

    Ich bin Handy süchtig sobald ich das Gefühl habe davon abhängig zu sein. Deshalb sage ich: Stoppt die Sucht, stoppt die Arbeit!

  • Dörfer gib mir Dörfer am 07.06.2019 13:08 Report Diesen Beitrag melden

    Die Stämme

    Solange man nicht Die Stämme spielt ist es keine Handysucht

  • Nei Aberau am 07.06.2019 13:07 Report Diesen Beitrag melden

    Ja, ja die Psychologen,

    die brauchen 7 Verhaltensauffälligkeiten um eine Handysucht feststellen zu können ? Das geht viel einfacher: Das Handy ganz ausschalten und weglegen, wer das 1 Woche schafft, ist nicht süchtig, alle andern sollten rasche Hilfe in Anspruch nehmen, die sind definitiv süchtig.

  • BB am 07.06.2019 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Schön...

    ...wars als man mit dem Telefon noch telefoniert - sprich - miteinander gesprochen hat ;-))