Umstrittene Snus-Legalisierung

19. April 2019 09:28; Akt: 19.04.2019 09:40 Print

«Snus ist eine Einstiegsdroge»

Der Marktanteil von Snus wächst rasant. Nun soll der Mundtabak legalisiert werden. Die Tabakindustrie freuts, Suchtfachleute halten wenig davon.

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Snusen boomt: Zwischen 2013 und 2018 hat sich der Konsum des Lutschtabaks bei Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren verdreifacht, wie Befragungen des blauen Kreuzes Bern–Solothurn–Freiburg aus den entsprechenden Jahren zeigen. Aktuell liegt der Anteil von Snus am gesamten Schweizer Tabakmarkt bei zwei Prozent, in den letzten beiden Jahren ist er um je 40 Prozent gewachsen. «Wir rechnen damit, dass dieser Trend sich weiterhin fortsetzt», sagt Benjamin Petrzilka, Sprecher von British American Tobacco Switzerland (BAT).

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Eigentlich ist der Mundtabak in der Schweiz verboten, erlaubt sind jedoch Produkte «zum Lutschen in lehmartiger Form». Das führt dazu, dass lehmartiger Snus aktuell vertrieben werden darf, der schwedische Original-Snus in Pulverform dagegen nicht. Das dürfte sich aber bald ändern: Das neue Tabakproduktegesetz sieht vor, Snus zu legalisieren.

«Weniger schädlich als Zigaretten»

Von Befürwortern wird der Mundtabak als gute Alternative zum herkömmlichen Rauchen angepriesen. «Snus ist zum einen weniger schädlich als Zigaretten, zum anderen kann man es immer und überall konsumieren, ohne jemanden zu stören», sagt Petrzilka. Auch kenne er viele Fälle, bei denen Leute von den Glimmstängeln auf Lutschtabak umgestiegen seien.

Die gesundheitlichen Risiken von Snus stellt BAT Schweiz nicht in Abrede. Daher sei man auch der Überzeugung, dass solche Produkte nur an Volljährige abgegeben werden sollten, so Petrzilka weiter. Ausserdem richte BAT das Marketing zu seinem weissen Epok-Snus «ausschliesslich an bestehende Raucher».

Wie der Tabakgigant ist auch SVP-Nationalrat Lukas Reimann für die Legalisierung des Snus-Verkaufs. Der Politiker lancierte bereits 2013 einen entsprechenden Vorstoss im Parlament. Er sei überzeugt, dass der Oraltabak ein «erfolgreiches Mittel» sei, um der Zigarette abzuschwören. Ebenso falle der Faktor Passivrauch weg. «Es wäre völlig inkohärent, Snus zu verbieten und gleichzeitig schädlichere Produkte weiterhin zuzulassen», sagt Reimann.

Snus als Rauchstopp-Hilfe fraglich

Suchtfachleute stehen der Legalisierung dagegen kritisch gegenüber. «Snus ist ein schädliches Produkt mit krebserregenden Stoffen und negativen Auswirkungen auf Mundgesundheit und Kreislaufsystem», sagt Verena El Fehri, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Tabakprä­ven­tion Schweiz. Gerade die Schäden am Zahnfleisch seien «enorm».

Raucher konsumierten zwar ein weniger schädliches Produkt, wenn sie auf den Lutschtabak umsteigen würden, räumt die Tabakpräventionsspezialistin ein. Allerdings seien ihr keinerlei Studien bekannt, die zeigen würden, dass Snus als Rauchstopp-Hilfe tauge.

Auch Lungenarzt Otto Brändli, Präsident der Schweize­rischen Lungenstiftung, bezeichnet das Argument als «Ausrede». Er kenne zwar Raucher, die ihren Zigaretten-Konsum mithilfe von E-Zigaretten hätten verringern können. «Aussteiger sind mir aber keine bekannt.» Weiter habe eine Studie zwar ergeben, dass Menschen mittels E-Zigaretten mit dem Rauchen aufhören könnten. Allerdings würden 90 Prozent das Nikotin weiterhin aus dem Ersatzprodukt beziehen.

«Snus ist eine Einstiegsdroge»

Die starke Abhängigkeit, die Snus verursachen kann, bereitet Brändli am meisten Kopfzerbrechen: «Sie erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Jugendliche später mit dem Rauchen anfangen. Snus ist eine Einstiegsdroge.»

El Fehri stösst sich zudem an den fehlenden Werbebeschränkungen für Tabakprodukte. Geschäfte und Kioske, die Tabak verkaufen würden, seien «die grösste Werbefläche überhaupt». Nach einer Legalisierung, so El Fehri, könnten die Snus-Produkte noch prominenter ausgestellt, Kinder und Jugendliche noch einfacher angesprochen werden. Ihre Befürchtung: «Die Zahl der Snuser wird weiter steigen, während der Raucher-Anteil unverändert bleibt.»

(sul)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • RB am 19.04.2019 09:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Argument Nr 1

    "Es ist eine Einstiegsdroge". Für Gegner ist wohl alles eine Einstiegsdroge was ihnen nicht passt.. Noch nie so ein Blödsinm gehört. Jeder Tabak ist legal, seien es Zigaretten oder Schnupf, daher sollte es auch Snus sein.

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  • mätthu am 19.04.2019 09:54 Report Diesen Beitrag melden

    80er jahren denken! hört auf!!

    Einstiegsdroge??? hört doch auf solche märchen zu erzählen, wen das ein jugendlicher liist denkt er ja cool habe ich schon gehabt dan kann ja das andere auch nicht schöimm sein! auch cannabis ist keine einstiegsdroge, hört mal auf mit so unwahrheiten und schützt unsere jugend korrekt!

  • Johoj am 19.04.2019 09:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jono

    Klar ist die SVP für eine Legalisierung. Aber wenns um Medizin geht wie Cannabis die Millionen helfen kann ist es egal

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Miuchbueb am 20.04.2019 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Milch

    Milch ist die Einstiegsdroge Nr.1 weltweit.

    • Eduard J. Belser am 22.04.2019 06:57 Report Diesen Beitrag melden

      It Milch in den Tag

      Milch ist keine Droge sondern ein äusserst schmackhaftes, mineralienreiches Grundnahrungsmittel. Deshalb bin ich bekennende Milchbüblein und jeder Morgen, der für mich zu einem guten Tag werden will, fängt mit einer grossen Tasse Milch, gewürzt mit einem guten, frisch aufgebrühten Kaffee an. Ich bin stolz bekennendes Milchbüblein zu sein und ich will einmal als altes Milchbüblein sterben.

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  • Lisa am 19.04.2019 18:45 Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe ich nicht

    So ein Schrott wird legal und Cannabis, welches nachweislich MS Patienten helfen würde, wird verteufelt. Wenn da nicht die Lobbyisten dahinter stecken....

  • JS am 19.04.2019 18:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Besser wie Nikotinkaugummis

    Mit Snus konnte ich super leicht von Zigaretten wegkommen. Mit Snus aufzuhören ist viel leichter als von Zigaretten. Ist meine persönliche Erfahrung.

  • Achtung am 19.04.2019 18:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wichtige Bekanntmachung

    Muttermilch ist die schlimmste Einstigsdroge der Welt. 99% aller Junkies haben als erstes Muttermilch konsumiert. SOGAR MEHRMALS TÄGLICH!!!

    • Ticino1 am 19.04.2019 18:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Achtung

      99% aller Normslos auch.

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  • THINK! am 19.04.2019 18:11 Report Diesen Beitrag melden

    Nikotin-Junkies!

    Nikotin macht süchtig. Das rauchen wird immer mehr verboten. Wie kommt ein Junkie zum Stoff? Nikotin Pflaster oder Snus? Also wie war das jetzt mit Drogen? Das was Pharmafirmen herstellen und was die Allgemeinheit bezahlt, ist keine Droge. Man muss sich jetzt nur mal die Schmermittelepedimie ansehen (man hört es aus der USA, aber bei uns wird es nicht anders sein, evtl andere Produkte wie Ritalin).