Darmkrebs mit 30

23. August 2019 04:53; Akt: 27.08.2019 11:32 Print

Sonia will mit den Kindern zum Abschied ans Meer

von S. Ulrich - Sonia G. (30) hat Darmkrebs im Endstadium. Wie viel Zeit ihr noch bleibt, ist unklar. Mit ihren Kindern will sie nun noch möglichst viel erleben – und sammelt Spenden für die Ausflüge.

Sonia Gurtner (30) leidet an Darmkrebs im Endstadium. (Video: G. Brönnimann/S. Ulrich)
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Was macht es mit einem jungen Menschen, wenn er weiss, dass er bald stirbt? Wenn er weiss, dass er zwei kleine Kinder hinterlässt? Der noch so viele Träume und Wünsche hat?

Sonia G.*, Hausfrau und zweifache Mutter aus dem Oberaargau, kennt die Antworten auf solch quälende Fragen. Die 30-Jährige ist unheilbar krank. Darmkrebs im Endstadium. Wie viel Zeit ihr noch bleibt, ist unklar. Es könnten Jahre sein, vielleicht auch nur Monate. «Die Ärzte stellen heutzutage keine Prognosen mehr», sagt Sonia. Das sei auch gut so, fügt Mutter Pia (63) an: «Nur noch auf eine Deadline hinzuarbeiten, ist doch kein Leben.»

Sonias Leidensweg beginnt im Juli 2016, kurz nach der Geburt ihres zweiten Sohnes. Wiederholt hat sie Blut im Stuhl. «Die Gynäkologin ging zunächst von Hämorrhoiden aus», sagt Sonia im Rückblick. Eine Darmspiegelung bringt schliesslich den erschütternden Befund: Im Enddarm hat sich ein bösartiger Tumor gebildet. «Ich wollte es zuerst nicht wahrhaben und dachte: Für diese Krankheit bin ich doch noch viel zu jung.»


«Nur noch auf eine Deadline hinzuarbeiten, ist doch kein Leben», sagt Mutter Pia (links).

«Wir waren endlich im Leben angekommen»

Danach sei alles sehr schnell gegangen: Chemotherapie, Bestrahlung, Operationen. Erst während der Chemo und ihrer Nebenwirkungen – Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Kälteempfindlichkeit – wird ihr bewusst, wie krank sie wirklich ist. Ihre ganze Familie habe sie in dieser Zeit tatkräftig unterstützt. «Trotzdem versuchte ich, mich möglichst um alles selber zu kümmern: den Haushalt, die Kinder. Das war schon happig», sagt Sonia.

Nach einer erneuten Operation und einem Darmverschluss im Juli 2018 kehrt endlich wieder Ruhe in Sonias Leben ein. Im vergangenen April kauft sich die Familie ein Haus. «Wir waren endlich im Leben angekommen. Es hätte schöner nicht sein können.» Doch dann kommt der Krebs mit aller Wucht zurück: Bei einer Routinekontrolle im Juli stellt sich heraus, dass Sonias Körper von Metastasen übersät ist und sich die Krankheit nicht mehr aufhalten lässt. «Das hat mir komplett den Boden unter den Füssen weggezogen», sagt sie. Nun ist auch klar: Für den Rest ihres Lebens wird sie auf Therapien angewiesen sein.


«Mami, wirst du jetzt wieder lange fort sein?» Auch für Sonias Kinder ist die Situation belastend.

Die Situation ist auch für Sonias drei- und fünfjährige Buben nicht einfach. Insbesondere dem älteren Sohn ist nicht entgangen, dass mit seiner Mutter etwas nicht stimmt. Neulich, als sie das T-Shirt wechselte, sah er die grosse Narbe auf ihrem Bauch. Da habe er gefragt: «Mami, wirst du jetzt wieder lange fort sein?» Sie habe ihre Tränen nicht zurückhalten können, erzählt Sonia. Daraufhin habe der Bub ihre Finken geholt und sie ihr anziehen wollen. «Er glaubt, er müsse schon eine Aufgabe übernehmen. Dabei soll er doch einfach nur eine unbeschwerte Kindheit haben.»

Sorge um Zukunft der Kinder

Ihre Söhne spenden Sonia Kraft, zugleich sind sie ihre grösste Sorge. Was wird aus ihnen, wenn die Mutter nicht mehr da ist? «Das Schlimmste für mich wäre, wenn sie nicht bei meinem Mann bleiben könnten und fremdplatziert würden», sagt Sonia. Deshalb sei sie schon jetzt dabei, die Zukunft ihrer Kinder rechtlich zu regeln.

Neben der Familie sind auch die beiden Hunde eine wichtige Stütze. Vor allem Buddy, der ältere, sei ein gmerkiger. «Bereits Wochen vor der Hiobsbotschaft im Juli folgte er mir auf Schritt und Tritt, als wolle er mir sagen, dass etwas nicht in Ordnung ist», erzählt Sonia. Daneben hält die gelernte Landwirtin auch Enten, Hühner und Kaninchen. «Die Tiere zaubern mir jeden Tag ein Lächeln aufs Gesicht und geben mir eine Aufgabe. Dadurch komme ich nicht zu oft ins Grübeln.»

Tiere, sagt Mutter Pia, seien ihrer Tochter schon immer etwas näher gestanden als die Menschen. Auch sonst tanze sie unter den vier Geschwistern am meisten aus der Reihe. «Es ist diese Andersartigkeit von Sonia, die ich am meisten vermissen werde, wenn sie nicht mehr da ist», sagt Pia mit zittriger Stimme. Um ihre Tochter zu unterstützen, hat sie ihr Arbeitspensum reduziert.


Ans Aufgaben denkt Sonia nicht: «Ich werde für meine Familie kämpfen bis zum Schluss.»

Ein Buch als Vermächtnis

Trotz düsterer Aussichten: Aufgeben ist für Sonia kein Thema. «Ich werde für meine Familie kämpfen bis zum Schluss.» Mit ihrem Mann und den Kindern will sie nun noch möglichst viele gemeinsame Erinnerungen schaffen. Weil wegen der kostenintensiven Therapien und Operationen keine Ersparnisse vorhanden sind, hat Sonia zur Finanzierung einiger Ausflüge ein Spendenkonto eingerichtet (siehe unten).

Dazu gehören etwa Badeferien in Italien oder Südfrankreich. Es wäre eine Premiere: Noch nie war Sonia mit ihrer Familie am Strand. Zudem möchten sie sich einen günstigen Wohnwagen beschaffen und damit durch die Schweiz reisen. Die Trips sollen möglichst bald in Angriff genommen werden. «Im Laufe der Therapien werde ich zunehmend schwächer und eingeschränkter sein.»

Als Letztes auf Sonias Bucket List steht ein Buch über ihr Leben, das sie mit professioneller Unterstützung schreiben möchte. Es soll eine Art Vermächtnis werden: «Meine Kinder sollen später einmal wissen, wer ihre Mutter war.»

*Name der Redaktion bekannt


Möchten Sie Familie Gurtner bei ihren Ausflügen finanziell unterstützen?

Spendenkonto:

Gurtner Christof
CH-4539 Rumisberg
IBAN CH95 0645 0388 5973 5784 6, Clientis Bank Oberaargau
Postcheckkonto: 30-38116-2
«Familienerlebnis»

Mehr über Sonias Leben mit dem Krebs erfahren Sie auf Ihrer Homepage. Dort findet sich auch ein Link zu ihrer Facebook-Seite, über die man sie kontaktieren kann. Sonia ist auf der Suche nach Menschen, die ihr beim Schreiben ihres Buches helfen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • FOXY LADY am 23.08.2019 06:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    traurig

    Da sieht man mal wieder wie nichtig die meisten unserer probleme und alltagssorgen sind. Ich wünsche der Frau und Familie, das ihre wünsche in erfüllung gehen!

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  • Eine Mutter am 23.08.2019 05:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sei stark

    liebe Sonia. Mein Herz weint. wünsche dir alles liebe und viel Kraft auf deinem Weg. Es muss unvorstellbar schwer sein für dich. Geniesse jeden Augenblick mit deinen Kindern und gib die Hoffnung nie auf. Gott behüte und beschütze dich und deine Familie. Bleibe stark.... Auch deinem Mann wünsche ich viel Kraft in dieser schweren Zeit. Liebe Grüsse Eine Mama

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  • killerchef am 23.08.2019 05:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kopf hoch

    hoffe die frau hatt mehr zeit als doktoren manchmal voraus sagen...kenne leute die ueberlebten jahre damit....viel glueck

Die neusten Leser-Kommentare

  • Franz am 23.08.2019 21:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Haus verkaufen

    Sorry, wenn ich dies erwähne, aber die haben ein Haus, warum wird das nicht verkauft? Statt zu betteln, finde ich schon ein bisschen krass. Trotzdem der Frau und Familie noch viele gemeinsame Jahre

  • Beda am 23.08.2019 21:51 Report Diesen Beitrag melden

    Lass den Stress, geniesse

    Ich weiss nicht, Sonja möchte jetzt alles noch in ihr Leben reinquetschen. Der Stress, den sie so selber verursacht, ist leider ein guter Nährboden für den Krebs. Wenn man vorher schon kein Buch geschrieben hat, wird es nicht einfach eines zu schreiben, auch wenn es ein Profi schreiben sollte. Sonja, geniesse jede Minute mit deiner Familie, das ist das Wichtigste oder die Tiere, welche dir mehr zusagen als die Menschen. Geniessen hat nix mit Stress zu tun, sondern mit der Tatsache, sich mit dem Schicksal zurechtzukommen.

  • m.h. am 23.08.2019 21:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    DIESE GESCHICHTE BERÜHRT.

    Diese Geschichte berührt. Dass man im heutigen Zeitalter immer noch nichts Gescheites GEGEN KREBS hat, ist schlimm. (Chemo ist fast immer nicht die Lösung). Meine Mutter hatte rund 1O Krebs OPs, x-Chemos und starb schlussendlich nach fast 3Oj. Leiden an dieser Krankheit! (Sie musste jahrelang täglich Tabletten einnehmen). Dann, an meinem 33. Geb.tag, war die Beerdigung! Nachher war ich, als Einzelkind, am Ende. Ohne Arzt oder Psychi raffte ich mich wieder auf, und mir ist JEDEN TAG bewusst, dass nicht Geld an erster Stelle ist, sondern die GESUNDHEIT! Allen Kranken baldige Genesung!

  • Bela am 23.08.2019 21:33 Report Diesen Beitrag melden

    Gutes tun - aber als Betroffene auch

    Kampf ist Krampf. Es geht nicht ums kämpfen sondern um die Akzeptanz. Obwohl der Krebs im Körper ist, ist er ein Teil des Betroffenen. Der Kampf gegen die Krebs ist ein Kampf gegen sich selbst. Optimismus, gute Gedanken, Freude mit den Kindern und den Angehörigen, mit den Nachbarn und Freunden, das muss zählen. Wenn man sich zu stark in den Kampf begibt, nimmt die Lebensfreude ab. Und die braucht man in dieser Situation

  • Jacky B. am 23.08.2019 21:23 Report Diesen Beitrag melden

    Aufwachen

    Es wird jedes Jahr mehr und mehr Geld (Stueuergelder plus Spenden) für die Krebsforschung gesteckt und es sterben immer mehr Leute an Krebs. Wieso? Weil es lukrativ ist. Seit Jahren weiss man aber, dass Krebs heilbar ist.