Zoff mit Team von Rakitic-Bruder

09. September 2019 17:18; Akt: 10.09.2019 08:08 Print

«Das hat auf dem Fussball-Platz nichts verloren»

Nach dem 2.-Liga-interregional-Spiel zwischen dem SC Zofingen und NK Pajde attackierten Spieler des Gästeteams den Schiedsrichter. Der SFV verurteilt die Szenen scharf.

Der Schiedsrichter flüchtet vor dem wütenden Mob. (Video: Leser-Reporter)
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Beim Spitzenkampf zwischen dem Zofinger und dem Möhliner Club ging es hitzig zu und her: Satte vier Platzverweise wurden während des Spiels ausgesprochen – allesamt gegen das Team des NK Pajde.

Nachdem die Platzherren kurz vor Schluss den 3:2-Siegtreffer erzielt hatten, brannten bei den Gästen die Sicherungen komplett durch: Gemeinsam mit mehreren Zuschauern stürmten die Spieler auf den Schiedsrichter los, der vor dem wütenden Mob nur noch die Flucht ergreifen konnte, wie auf Leser-Videos zu sehen ist. Die Aargauer Kantonspolizei musste ausrücken und schlichten: «Es kam zu Tätlichkeiten gegen den Schiedsrichter», sagt Sprecherin Aline Rey.

«So etwas habe ich noch nie erlebt»

Dem Unparteiischen, den 20 Minuten telefonisch erreichte, sitzt der Schock noch tief in den Knochen: «Ich bin seit 15 Jahren Schiedsrichter, aber so etwas habe ich noch nie erlebt», sagt er. Es sei traurig, dass so etwas im Schweizer Fussball passiere. Detaillierter wollte er sich nicht äussern und verwies für weitere Informationen auf den Schweizerischen Fussballverband (SFV).

Der SFV verurteilt die Szenen vom Samstagabend scharf. «So etwas hat auf einem Fussballplatz nichts verloren», sagt Sprecher Marco von Ah. Zu welcher Art von Tätlichkeiten es genau gekommen ist, sagt er nicht. «Wir können den konkreten Fall derzeit nicht weiter kommentieren, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt», so von Ah.

«Schlechter Abend für den Fussball»

Sicher ist: Gegen die Angreifer wird es Sanktionen in Form von Spielsperren oder Suspensionen auf Zeit geben – oder beides. «Hinzu kommen Bussen und Gebühren», sagt von Ah. Über die Höhe der Sanktionen könnten aktuell keine Angaben gemacht werden. Es müsse zudem untersucht werden, ob und inwiefern sich weitere Akteure wie etwa Funktionäre und der Verein als solches disziplinarisch zu verantworten hätten.

Längst kursiert das Video in den sozialen Medien und in den Gruppenchats zahlreicher Amateur-Mannschaften. «Ich finde es beschämend, dass so etwas in der Schweiz passiert – und erst noch in der 2. Liga interregional», sagt der Leser, der 20 Minuten das Video zugeschickt hat. Letzteres verwundert auch von Ah: «Die meisten Vorfälle ereignen sich ab der 2. Liga abwärts.»

Auch für Hans Jörg Ryter, Präsident des SC Zofingen, waren die Ausschreitungen schwere Kost: «Das war ein schlechter Abend für den Fussball.» Dass ein Schiedsrichter derart von Spielern und Besuchern bedrängt und vor sich her getrieben werde, habe er noch nie erlebt. «Wir mussten ihn in den Clubraum bringen und dort einschliessen – sonst wäre wohl Schlimmeres passiert», sagt Ryter.

«Schiri-Leistung unter aller Sau»

Eine andere Sichtweise auf die Geschehnisse hat Pajde-Trainer Dejan Rakitic, der Bruder von Barcelona-Star Ivan Rakitic. Er und sein Team fühlen sich vom Schiedsrichter ungerecht behandelt: «Wenn bereits nach drei Minuten ein Spieler Rot sieht – und das wegen Reklamierens und nicht wegen eines harten Fouls – dann ist etwas nicht ganz sauber», meint er. Überhaupt seien alle Platzverweise wegen Redens erfolgt. «Die Leistung des Schiedsrichters war unter aller Sau», tobt Rakitic. Er räumt aber ein: «Das alles rechtfertigt die Szenen nach dem Spiel nicht.» Gegen die Fehlbaren würden daher intern Sanktionen verhängt.

Auch wenn Ereignisse wie dieses tragisch seien: Zugenommen habe die Gewalt gegen Schiedsrichter im Amateurfussball in den letzten Jahren nicht, sagt SFV-Sprecher von Ah. Seit 2012 sei die Zahl der Fälle konstant geblieben. «Wir sollten nicht vergessen, dass auch an diesem Wochenende wieder tausende Spiele friedlich über die Bühne gegangen und solche Szenen nicht unser Alltag sind.»

Auch dieses Video zeigt die Ausschreitungen nach dem Spiel.

(sul)