Trotz Terrorgefahr

17. Mai 2019 04:51; Akt: 17.05.2019 04:51 Print

Müssen diese Teenager zurück nach Sri Lanka?

von S. Ulrich - Die beiden Asylbewerber Jesiban (17) und Jeluxan (18) sind seit fünf Jahren in der Schweiz und gut integriert. Dennoch droht ihnen die Rückschaffung nach Sri Lanka.

Jeluxan (19) erzählt, warum er sich vor einer Rückkehr nach Sri Lanka fürchtet.
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Jeluxan (18) und sein Bruder Jesiban (17) leben seit fünf Jahren in der Schweiz. Die beiden Sri Lanker aus Seftigen bei Thun sind gut integriert: Jesiban spielt im Fussballverein, geht regelmässig zum Jugendtreff und schreibt gute Noten. Jeluxan, der die Schule bereits abgeschlossen hat, unterstützt als Hilfskraft die Mathematik- und Werklehrer an der Oberstufe. Im Sommer will er eine Lehre als Montage-Elektriker in Angriff nehmen. «In der Schweiz fühlen wir uns sicher, hier haben wir eine Perspektive», sagt Jeluxan.

Doch die Aussichten der beiden jungen Tamilen haben sich massiv verdüstert: Jeluxan und Jesiban sollen nach Sri Lanka zurückgeschafft werden. Im Februar hat das Bundesverwaltungsgericht den Wegweisungsentscheid des Staatssekretariates für Migration (SEM) bestätigt. Das Gericht hält in seinem Urteil fest, dass die beiden «die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen und das SEM ihre Asylgesuche zu Recht abgelehnt hat».

Angst vor dem Terror

Der negative Entscheid hat die Brüder schwer getroffen. Nach fünf Jahren Abwesenheit und der Schulbildung in der Schweiz sei es unmöglich, in Sri Lanka eine Ausbildung zu absolvieren. «Ich habe keine Ahnung, was ich dort machen soll», sagt Jeluxan. Aufgrund der Bombenanschläge im April sorgen sich die Jugendlichen auch um ihre Sicherheit: «Wir haben Angst vor dem Terror.»

Droht den beiden die Rückschaffung?

Jesiban und Jeluxan kamen im Juli 2014 ohne Eltern in die Schweiz. Sie leben bei einem Onkel und einer Tante mütterlicherseits. Ihr Vater unterstützte im srilankischen Bürgerkrieg die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE), besser bekannt als Tamil Tigers, weshalb die Familie wiederholt durch die srilankische Armee bedroht wurde. «Weil der Vater untertauchte, drohten die Sicherheitskräfte, die Kinder mitzunehmen», erzählt Cousine Sharmy Ravi, die sich bei 20 Minuten meldete. Also habe die Mutter beschlossen, die Flucht ihrer Söhne aus dem Heimatland zu organisieren.

Die Brüder fürchten, dass sie wegen des separatistischen Hintergrundes ihres Vaters bei einer Rückkehr erneuten Verfolgungen ausgeliefert wären.

«Es hat keinen Sinn, sie zurückzuschicken»

Im Umfeld der beiden stösst der Entscheid von SEM und Bundesverwaltungsgericht auf Unverständnis. Als Jeluxan die Zusage für seine Lehrstelle erhielt, habe man Hoffnung geschöpft, sagt Lehrer Urs Hofer: «Umso mehr hat uns der Wegweisungsentscheid überrascht.» Jeluxan und Jesiban seien beide handwerklich begabt und hätten gute Chancen im Berufsleben. «Wir brauchen solche Leute. Es macht keinen Sinn, sie zurückzuschicken.»

Cousine Ravi fügt an: «Gerade in diesem Alter ist es schwierig, zurückzugehen und ein neues Leben anzufangen.» Auch sie sorgt sich um das Wohl von Jeluxan und Jesiban. «Seit den Anschlägen hat sich die Situation in Sri Lanka massiv verschärft.»

Anwalt stellt neues Asylgesuch

Das sieht auch der Bund so. In seinen Reisehinweisen hält das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) fest, dass die Sicherheitslage in Sri Lanka «unübersichtlich und die Entwicklung ungewiss» sei. Spannungen zwischen den religiösen und ethnischen Gemeinschaften hätten zugenommen und könnten sich «ohne grosse Vorwarnung in lokalen, gewaltsamen Zusammenstössen entladen». Die srilankischen Behörden warnen vor weiteren Terroranschlägen. Das EDA rät deshalb von Reisen nach Sri Lanka ab.

Ganz aufgegeben haben Jeluxan und Jesiban die Hoffnung auf einen Verbleib in der Schweiz noch nicht: Unter anderem wegen der Verschlechterung der allgemeinen Sicherheits- und Menschenrechtslage nach den Anschlägen in ihrer Heimat hat ihr Rechtsanwalt ein neues Asylgesuch eingereicht.

Das SEM konnte eine Anfrage bis Donnerstagabend nicht beantworten.