«Erhebliche Risiken»

23. Mai 2013 14:03; Akt: 23.05.2013 15:23 Print

Stadt Bern warnt vor «Tanz dich frei»

Die Kundgebung «Tanz dich frei» vom Samstag wird in Bern als riskant eingestuft. Bei tausenden Teilnehmern könnte es zu diversen gefährlichen Situationen kommen.

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In der Nacht auf den Sonntag, 3. Juni 2012, tanzten zehntausend Menschen durch die Innenstadt von Bern. Begleitet wurden die Tanzenden von Musikwagen, die mit ihrem Sound ordentlich einheizten. Unter dem Motto «Tanz dich frei» demonstrierten sie so für mehr Freiräume und weniger behördliche Beschränkungen. Die Demonstration war nicht für die Katz: Am 14. September 2012 hat der Berner Gemeinderat einen Massnahmenkatalog in die Vernehmlassung geschickt, das den Konflikt im Nachtleben entschärfen soll. Die beiden Lokalpolitiker Thomas Berger, Präsident der Vereins Pro Nachtleben Bern und Mitglied der Jungfreisinnigen (links) und Manuel C. Widmer, Stadtrat der Grünen Freien Liste, begrüssen diesen Schritt ausdrücklich. Anlässlich der «Tanz dich frei»-Demo gab es auch vereinzelte Vandalenakte. Berns Innenstadt ist innert Stunden in eine Party-Meile verwandelt worden. Während des Umzugs wurden auch Knallpetarden gezündet. Die Polizei tolerierte den Umzug, zeigte sich aber sehr präsent. Die Menschenmasse feierte noch bis in die frühen Morgenstunden. Schon am frühen Abend hatten sich die ersten Demonstranten vor der Reitschule versammelt. Getanzt wurde überall - auch auf dem Dach einer Tramhaltestelle. Die Stimmung in Berns Strassen war ausgelassen. Der ganze Bundesplatz war gefüllt mit Tanzenden. Partygänger kletterten gar auf den Baldachin beim Berner Hauptbahnhof und zündeten Petarden. Die Demonstranten warteten auch mit originellen Spruchbändern ... ... oder symbolträchtigen Dekoelementen auf. Um fünf Uhr morgens gab die Berner Band Patent Ochsner bei der Reithalle noch ein Spontankonzert. Der Bundesplatz nach der Tanz-Demo. Am Rande kam es zu Schlägereien und Tätlichkeiten. Bei der Polizei gingen zudem unzählige Lärmklagen ein. Am frühen Morgen zeigte sich dasselbe Bild wie jeweils nach der Fasnacht und nach grossen Fussballspielen - die Strassen waren übersät mit Abfall und die Sanitätspolizei barg zahlreiche Alkoholleichen.

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Die Blaulichtorganisationen der Stadt Bern warnen vor der Teilnahme an der Kundgebung «Tanz dich frei» vom kommenden Samstagabend in Bern. Polizei, Sanität und Feuerwehr erkennen «erhebliche Risiken».

Der Chef der Regionalpolizei Bern, Manuel Willi, sagte am Donnerstag auf Anfrage, einerseits stelle schon allein die Masse der Teilnehmenden ein Risiko dar. An der letzten Ausgabe der Kundgebung im vergangenen Jahr nahmen mindestens 10'000 Personen teil.

Anderseits bestehe auch die Gefahr, dass es zu gefährlichen Situationen kommen könne, wenn die Blaulichtorganisationen irgendwo intervenieren müssten, so Willi weiter. Willi ergänzte damit eine Mitteilung der Kantonspolizei vom gleichen Tag.

Die Blaulichtorganisationen sind laut dieser Mitteilung zum Schluss gekommen, dass die Berner Altstadt am Samstagabend für Einsatzfahrzeuge «praktisch zweigeteilt» ist. Dies aufgrund der Umzugsroute. Darauf wollen sie reagieren, indem sie sowohl im Norden als auch im Süden der Altstadt temporäre Stützpunkte von Sanität, Feuerwehr und Polizei einrichten.

Bern «vollständig meiden»

Der südliche Stützpunkt kommt vor das Bundeshaus und wird durch einen Zaun mit Notöffnungen geschützt. Der nördliche Stützpunkt wird auf dem Waisenhausplatz eingerichtet.

Ein Problem sei auch, dass die Organisatoren keinen Kontakt zu den Behörden hätten und dadurch die Sicherheitsmassnahmen nicht koordiniert werden könnten, sagte Willi weiter. Für ihre Vorbereitungen haben die Blaulichtorganisationen die Dienste einer auf die Analyse von Grossanlässen spezialisierten Firma in Anspruch genommen.

Weniger dramatisch sehen das die anonymen Veranstalter der Tanzdemonstration für Freiräume: Auf Facebook fordern sie Interessierte auf, sich «von der Medienhetze nicht zu sehr einschüchtern» zu lassen. «Tanz dich frei» werde aber nur funktionieren, wenn die Teilnehmer für sich und andere Verantwortung übernehmen.

Automobilisten empfiehlt die Polizei, am Samstagabend die Stadt Bern «vollständig zu meiden». Auf dem Netz der städtischen Verkehrsbetriebe BERNMOBIL sei mit Störungen zu rechnen.

(aeg/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dänu am 24.05.2013 09:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Problem wenn

    Ich glaube, dass niemand etwas gegen diese Veranstaltung hätte, wenn die Veranstalter mit der Polizei und Sanität kooperieren würde. Das geht gut bis etwas geschieht und das kann schnell gehen. Dann ist die Stadt wieder Schuld.. ihr gefährdet Hier Menschen.. Ich bin übrigens 25 und bin einfach realistisch.

  • Bjørnbørn am 23.05.2013 15:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    dancefree bern

    jede erwachsene person ist für sein leben oder gesundheit alleine verantwortlich und entscheidet für sich selbst ob er /sie diesem event beiwohnen möchte oder nicht , freiwillig !

  • Bernhard Bär am 24.05.2013 00:28 Report Diesen Beitrag melden

    Tanz-Festival

    Lachnummer Bern ! Man gestattet zwar den Riesen-Klamauk nicht, für den bezeichnenderweise niemand als Organisator geradestehen will. Aber man kapituliert schon im Vorfeld, hat die Hosen voll. Bei Berns Regieung, mit A.Tschäppätt an der Spitze, vom Volk gewählt, wundert mich gar nichts mehr. Und dann auch noch mehrfach dem Fortbestand der Reithalle zugestimmt ! Dort sind sicher auch die Planer der "Tanzerei" zu finden. Aber kontrollieren darf man das nicht, schliesslich ist dieses Schandmal Berns ein rechtsfreier Raum. Mir tun nur die armen, normal gebliebenen Berner leid.

Die neusten Leser-Kommentare

  • XXL-Lustz am 26.05.2013 19:35 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder

    Wundert mich echt nicht, dass die Polizei heute über Personalmangel klagt. Polizisten sind alles andere als zu beneiden, so wie mit ihnen heute umgegangen wird.

  • Leary am 25.05.2013 15:47 Report Diesen Beitrag melden

    Na dann viel Spass...

    Ich hätte mir das ganze auch gerne angesehen, aber bei diesem Wetter und diesen Temperaturen bleib ich dann doch lieber zu Hause.

  • BenG am 24.05.2013 21:29 Report Diesen Beitrag melden

    Feiert positiv, mit Augenmass

    Ja, tanzt euch frei! Bitte tragt aber auch Sorge zu eurer Stadt und euch selbst. Nehmt euren Müll wieder mit, beschädigt nichts absichtlich, nehmt Abstand von Gewalt und konsumiert mit Mass. Und denkt vielleicht dabei noch einen kurzen Moment lang an die Menschen, die täglich mit grösseren Problemen zu kämpfen haben als mit "zu wenig Freiraum", wie ihn die Schweiz euch bietet.

  • ezekiel s. am 24.05.2013 14:07 Report Diesen Beitrag melden

    Yipee, c'mon lets dance

    Hoffentlich schüttet es nicht allzukrass! Wir Tanzen gegen die geschlossene Gesellschaft, gegen Egoismus, gegen GIER (Gier ist DAS Übel schlechthin, und der Kapitalismus hat sich Gier als Maxime aufs Banner geschrieben). Wer sich nicht um die wichtigen Fragen kümmern will, kann auch gerne ein eigenes Tanzdichfrei gegen das Liegenlassen von Bierdosen organisieren. Wenn die Musik passt, wäre ich auch da dabei.

  • Karlo Z. am 24.05.2013 13:58 Report Diesen Beitrag melden

    Worum es geht

    Am meisten stört mich an dieser Demo, dass ein Grossteil der Jugendlichen gar nicht weiss, worum es geht. Viele meinen es gehe ums Nachtleben in Bern. Es ist aber ganz klar eine antikapitalistische Demo (s. Aufruftext Facebook). Viele Jugendliche werden damit instrumentalisiert für ein Anliegen, dass ihnen egal ist. Oder sind unter den Teilnehmern nur Leute ohne iPhones, ohne Markenkleider, nur solche, die den Kapitalismus abschaffen wollen? Ich denke nicht. Wie heuchlerisch von den Veranstaltern.