Bern

25. Oktober 2015 16:24; Akt: 26.10.2015 07:30 Print

Stellwerkstörung wegen Software-Fehler

von Nadine Ellis - Der Start des neuen SBB-Stellwerks verlief nicht reibungslos: Reisende in der Region mussten am Sonntag zahlreiche Ausfälle und Verspätungen hinnehmen.

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Beim Knotenpunkt Bern Wankdorf stand der Zugverkehr am Sonntagmorgen von der Betriebsaufnahme bis 14 Uhr fast komplett still: Zwischen Bern und Bern Wankdorf war die Strecke für den Bahnverkehr nur beschränkt befahrbar. Betroffen waren Reisende nach Zürich, Zollikofen, Freiburg sowie ins Emmental und ins Berner Oberland.

Die Zugausfälle standen im Zusammenhang mit Störungen bei der Inbetriebnahme des modernisierten Stellwerks in Bern Wylerfeld am Wochenende. Während es am Samstag nur zu kleinen, angekündigten Einschränkungen kam, mussten Zugreisende am Sonntag mit Verspätungen und Zugausfällen rechnen. Inzwischen ist klar, warum es zu der Panne kam: «Die Ursache für das Problem waren Software-Störungen», so Franziska Frey, Mediensprecherin der SBB. Spezialisten seien mit Hochdruck daran gewesen, das Problem zu beseitigen.

Enttäuschte Marathon-Läufer

Die Störungen hatten dazu geführt, dass der Bahnbetrieb zwischen Bern und Bern Wyler am Sonntagmorgen eingeschränkt war und von vier Gleisen nur ein Gleis signalmässig befahrbar war. Als Folge davon mussten die Interregio-Züge zwischen Bern und Olten, einige Regionalexpress-Züge zwischen Bern und Thun und zwischen Bern und Zollikofen sowie die S-Bahn-Züge der Linien S2, der S4 und der S44 annulliert werden. Die Fernverkehrszüge hingegen verkehrten fahrplanmässig. In den Bahnhöfen Bern, Biel, Ostermundigen und Zollikofen standen für die gestrandeten Reisenden Auskunftspersonen der SBB im Einsatz. Genaue Angaben zu der Zahl der betroffenen Reisenden konnte die Medienstelle nicht machen.

Besonders geärgert hat sich ein Leser-Reporter: Der 34-Jährige wollte zum Swiss City Marathon in Luzern. Doch sein Zug aus Rubigen traf mit 25 Minuten Verspätung in Bern ein, so dass er den Anschlusszug nach Luzern verpasste. «Abgesehen von mir waren von dieser Verspätung noch etwa 20 weitere Läufer betroffen», so der Sportfan. Weil sie die SBB jedoch nur auf den nächsten Zug verwiesen habe, seien die Läufer schliesslich tatenlos nach Hause gefahren: Sie hatten durch die Verspätung die Abgabe der Startnummern verpasst. Der Marathonläufer ist enttäuscht: «Ich habe mich wochenlang auf den Lauf vorbereitet und konnte nun wegen der Panne nicht teilnehmen».
Doppelt ärgerlich für die Sportler: Der Organisator des Marathons hatte die Startnummern-Vergabe um eine Stunde verlängert, somit wären sie also auch mit dem nächsten Zug noch rechtzeitig in Luzern angekommen.

Keine weiteren Probleme im Nadelöhr?

Das modernisierte Stellwerk in Bern Wylerfeld steht an einer der meistbefahrenen Strecken der Schweiz: «Man kann das Wylerfeld als ein Nadelöhr bezeichnen, da hier täglich bis zu 900 Züge verkehren», so SBB-Sprecherin Franziska Frey. Die Technik des alten Stellwerks war teilweise Jahrzehnte alt. Um die künftigen Anforderungen an Pünktlichkeit, Sicherheit und Flexibilität zu erfüllen, wurde sie für 26 Millionen Franken erneuert.

Für die Inbetriebnahme des neuen Stellwerks waren mehr als 60 Mitarbeiter im Einsatz. Sie nahmen schrittweise die alte Stellwerktechnik ausser Betrieb, brachen 37 alte Signale ab und übernahmen die 46 neuen Signale und 27 Weichen. Für den Pendlerverkehr am Montag rechnet Frey mit einem reibungslosen Verkehr: «Wir bedauern die heutige Störung und entschuldigen uns bei den Reisenden für die Unannehmlichkeiten. Wir sind zuversichtlich, dass es zu keinen weiteren Problemen im Zusammenhang mit der Stellwerk Inbetriebnahme kommt, ausschliessen können wir das aber nicht komplett», sagt Frey.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schüblig am 25.10.2015 22:04 Report Diesen Beitrag melden

    IT at its best

    Tja. Und beim nächsten "Upgrade" wieder... :-)

  • Sonnenkönig am 25.10.2015 17:51 Report Diesen Beitrag melden

    haha

    Wer wirklich glaubt, dass ein elektronisches Stellwerk mehr Sicherheit, Funktionalität und Pünktlichkeit bietet, ist Naiv ! Einzig der Unterhalt ist im Estw geringer und die Fernsteuerung leichter. In alter Stellwerkstechnik gibt es so gut wie NIE Totalausfälle.

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  • cubicin am 25.10.2015 19:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Software

    Wollen wir uns wirklich auf Software verlassen? Was ist mit menschlicher Präzisionsarbeit passiert? Wir geben immer mehr die Kontrolle ab und immer mehr werden wir unfähig sein Probleme zu lösen. Computer sind gefährlich! Stop !!!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • St. Ellwerk am 26.10.2015 07:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich hätte wetten sollen!!

    Ich frage mich schon, was für Profis da amWerk waren, dass ein simpler Softwarefehler nicht erkannt wurde. Werden da nicht vorher ausführliche Tests durchgeführt? Offenbar sind sich die selbstherrlichen Informatiker ihrer Sache immer so sicher, dass darauf verzichtet wird. Am Freitag haben wir in der Kaffeepause gesagt: "wetten, dass sie es nicht schaffen, die Umstellung problemlos vorzunehmen?". Ich hätte wetten sollen.... Na ja, "Stellwerkstörung" ist eh das Lieblingswort der SBB

  • Schüblig am 25.10.2015 22:04 Report Diesen Beitrag melden

    IT at its best

    Tja. Und beim nächsten "Upgrade" wieder... :-)

  • Alt-Softie am 25.10.2015 20:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sicher wieder Linux...

    Kann man nicht vernünftig testen.

  • cubicin am 25.10.2015 19:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Software

    Wollen wir uns wirklich auf Software verlassen? Was ist mit menschlicher Präzisionsarbeit passiert? Wir geben immer mehr die Kontrolle ab und immer mehr werden wir unfähig sein Probleme zu lösen. Computer sind gefährlich! Stop !!!!

  • Sonnenkönig am 25.10.2015 17:51 Report Diesen Beitrag melden

    haha

    Wer wirklich glaubt, dass ein elektronisches Stellwerk mehr Sicherheit, Funktionalität und Pünktlichkeit bietet, ist Naiv ! Einzig der Unterhalt ist im Estw geringer und die Fernsteuerung leichter. In alter Stellwerkstechnik gibt es so gut wie NIE Totalausfälle.

    • Kusi_CH am 25.10.2015 19:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sonnenkönig

      Genau auf den Punkt gebracht. Die alte Relaistechnik ist sehr belastungsfähig. Dies kann man von der Elektronik nie und nimmer sagen.

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