Jahrhundert-Mondfinsternis

27. Juli 2018 10:04; Akt: 27.07.2018 19:02 Print

Sternwarte wird wegen Blutmond überrannt

Am Freitag kommt es zur längsten Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts. Dieses einmalige Erlebnis will sich niemand entgehen lassen – das bekommen vor allem Sternwarten zu spüren.

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Die Mondfinsternis vom kommenden 27. Juli wird die längste des Jahrhunderts sein. (Im Bild: Der Blutmond hinter der Moschee Camlica in Istanbul am 31. Januar 2018) Bei einer totalen Mondfinsternis steht der Mond im Kernschatten (Umbra) der Erde. Direkte Sonnenstrahlen werden von dieser blockiert. Trotzdem bleibt der Mond sichtbar, da es wegen der Lichtbrechung in der Erdatmosphäre auch im Kernschatten nicht ganz dunkel ist. Er erscheint rot, weshalb man auch von einem Blutmond spricht. Die Mondfinsternis vom 27. Juli dauert aussergewöhnlich lange (103 Minuten), da der Mond beinahe direkt die Mitte des Kernschattens durchquert. Ausserdem befindet er sich am erdfernsten Punkt des Monats. Das bedeutet, dass der Mond länger braucht, um den Schatten der Erde zu durchqueren. Die Mondfinsternis kann in vielen Teilen der Welt verfolgt werden, am besten in Ostafrika und im mittleren Osten. Kein Glück hat diesmal Nordamerika. Was uns erwartet, zeigen die folgenden Bilder der Mondfinsternis vom 28. September 2015. Die Aufnahmen stammen von Leser-Reportern aus der Schweiz. Über dem Kanton Bern gab es klare Sicht auf den verdunkelten Erdtrabanten.<br>(Foto: Res Derendinger, Leser «Tages-Anzeiger») Totale Mondfinsternis - aufgenommen in Niederscherli. Ein Leser-Reporter fotografierte den Blutmond von Selzach aus. Blutmond über Zürich. Blutmond über dem Berner Münster. «Wunderbarer Wochenstart», schreibt ein Leser-Reporter aus Widnau. Ein Leser-Reporter aus Reinach BL dokumentierte die Mondfinsternis. Der Supermond über der Kathedrale in Freiburg. So sah der Blutmond in Rifferswil aus. «Supermond vor Superauto», schreibt ein Leser-Reporter aus Schwanden bei Brienz. Der Supermond aufgenommen in Neftenbach. «Magischer Moment», schreibt ein Leser-Reporter zu diesem Bild. Eine Aufnahme aus Bülach. Noch ein Bild aus Bülach. Blick von Uitikon auf den Blutmond. «Super Sicht» in Effretikon. Der Mond um 4 Uhr über Solothurn. Dieses Bild erreichte uns aus Henggart. Blutmond über Liechtenstein. So sah der Mond über St. Gallen aus. Die Sicht aus Zug. Und nun noch einige Aufnahmen aus aller Welt: Supermond in Paris. Über den Dächern von Strassburg: Der Blutmond macht seinem Namen alle Ehre. Naturspektakel: Der Blutmond hinter der Kathedrale in Köln. Der Supermond war in der Schweiz wegen des Hochnebels nicht überall zu sehen, dafür in Österreich. In Kanada wurde der Supermond früh gesichtet. Hinter dem Empire State Building in New York beginnt der Schatten der Erde, sich vor den Mond zu schieben. Auch in Phoenix, Arizona, ist der Mond bereits halb verdeckt. In Afghanistan macht ein Mann ein Selfie mit sich und dem Mond.

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Es wird die längste Mondfinsternis des Jahrhunderts. Am Freitagabend wird der Mond komplett verfinstert sein und dazu in verschiedensten Rottönen erscheinen. So ist die Konstellation der Himmelskörper für eingefleischte Astronomen ein ganz besonderes Erlebnis: «Nicht nur die Mondfinsternis ist einzigartig; auch der Mars kommt der Erde mit 57 Millionen Kilometern so nahe wie nur alle paar Jahrzehnte», erklärt Daniel Schweizer von der Sternwarte Sirius. Deshalb wird nebst dem Mond auch der Mars in rötlicher Farbe am Nachthimmel leuchten.

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Auch mit Feldstecher

Das Spektakel, das man in dieser Kombination nur einmal im Leben beobachten kann, will sich die Bevölkerung nicht entgehen lassen; die Sternwarte Sirius in Schwanden bei Sigriswil wird am Freitagabend regelrecht überrannt. «Wir sind komplett ausgebucht. Über 200 Menschen haben sich bereits angekündigt», sagt Schweizer. Wie viele Personen dann noch unangemeldet den Blutmond beobachten wollen, könne man derzeit nicht genau abschätzen. Sicherheitshalber haben die Sternforscher zusätzliche Teleskope aufgetrieben. Trotz dem Aufwand sagt Schweizer: «Wir freuen uns jedenfalls über das grosse Interesse der Bevölkerung.»

Laut dem Astronomen braucht es nicht unbedingt ein Teleskop, um in der Freitagnacht Mond und Mars zu beobachten: «Bei guten Wetterverhältnissen kann man die Mondfinsternis auch gut mit einem Feldstecher beobachten», rät Schweizer so den Leuten, die die Anmeldung verpasst haben.

Einmaliges Spektakel

Der Mond wird bei uns etwa um 21.00 Uhr aufgehen. Da die Sonne dann aber noch für einige Minuten scheint, wird man von der ersten Phase der Finsternis nichts sehen. Gänzlich verfinstert wird der Mond dann von 21.30 bis 23.13 Uhr sein und in verschiedenen Rottönen leuchten. Anschliessend tritt der Mond nach und nach aus dem Kernschatten der Erde und ab 00.19 Uhr ist dann auch die partielle Mondfinsternis vorbei.

Wer sich den Blutmond trotzdem in einer Sternwarte ansehen möchte, kann die Sternwarte Uecht besuchen. Diese wird ab 21.00 Uhr geöffnet sein. Eine Voranmeldung ist dort nicht nötig.

(rc)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schmidt-Cassegrain am 27.07.2018 10:27 Report Diesen Beitrag melden

    Balkonwarte

    Wie schön hab ich meine private Sternwarte.

  • Gute Idee am 27.07.2018 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    Niedrige Luftfeuchtigkeit = bessere Sich

    2003 bei 18% Luftfeuchtigkeit wollte ich in zur Urania-Sternwarte in Zürich. Hatte keine Chancen, ich war nicht der einzige, der auf die Idee gekommen ist :-)

  • Misvk am 27.07.2018 19:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Astro-Hysterie

    Bei Vollmond gibt es auf dem Mond am wenigsten zu sehen, und wenn er verdunkelt ist noch weniger.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Misvk am 27.07.2018 19:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Astro-Hysterie

    Bei Vollmond gibt es auf dem Mond am wenigsten zu sehen, und wenn er verdunkelt ist noch weniger.

  • JasonTheMason33 am 27.07.2018 18:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wer hat des rätsels lösung

    eine frage wäre da.. wenn bei einer sonnen finsternis, der angebliche kernschatten des mondes auf der erdoberfläche ein schatten von +- 100km durchmesser wirft, wiso ist dann bei der umgekehrten variante, der mondfinsternis, der kernschatten der erde auf der mondoberfläche nicht einfach 6 mal grösser? also 600 km. auf der für uns sichtbaren vollmond oberfläche mit einer diagonale von angeblichen 3474km gäbe das bestimmt ein spooky effekt, nicht? :) falls sie eine antwort haben, können sie es mit einem model beweisen?

  • Gute Idee am 27.07.2018 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    Niedrige Luftfeuchtigkeit = bessere Sich

    2003 bei 18% Luftfeuchtigkeit wollte ich in zur Urania-Sternwarte in Zürich. Hatte keine Chancen, ich war nicht der einzige, der auf die Idee gekommen ist :-)

  • Schmidt-Cassegrain am 27.07.2018 10:27 Report Diesen Beitrag melden

    Balkonwarte

    Wie schön hab ich meine private Sternwarte.