Berner Legislative stimmt zu

10. September 2019 10:44; Akt: 10.09.2019 17:06 Print

Steuern sollen direkt vom Lohn abgezogen werden

Überraschende Wende in der Debatte um den Steuerabzug vom Lohn: Der Grosse Rat Bern stimmt am Dienstagmorgen der Idee eines Direktabzugs zu.

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Am Dienstagmorgen debattierte der Grosse Rat in Bern über einen Abzug der Steuern direkt vom Lohn. Dem Postulat «Für einen echten Nettolohn» stimmte die Mehrheit der Berner Grossräte schliesslich zu. Sowohl linke wie auch Mitte-Parteien unterstützten das Postulat der SPlerin Andrea Zryd. Mit 78 zu 68 Stimmen beschloss der Grosse Rat von Bern am Dienstagmorgen das Postulat der SP anzunehmen.

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Würdet ihr eure Steuern direkt vom Lohn abziehen?

Die SP, die BDP, die Grünen, die BDP, die GLP und die EVP stimmten für den Direktabzug der Steuern vom Lohn. Als grosse Gegenakteure stellten sich die SVP und die FDP dem Postulat entgegen. Diese finden, Bürger sollten selber Verantwortung übernehmen und eine gewisse Selbstdisziplin haben. Doch auch den Aspekt der Freiwilligkeit heissen diese Parteien nicht gut. «Die Debatte war hitzig, dennoch wurde das Postulat schliesslich überraschend mit zehn Stimmen Unterschied angenommen», sagt die Initiantin.

Schuldenfalle Steuern

Der Berner Regierungsrat wird nun beauftragt, einen automatisierten freiwilligen Direktabzug der direkten Steuern vom Lohn für unselbständig Erwerbende zu prüfen.

Mit diesem politischen Werkzeug will Zryd der grössten Schuldenfalle – den Steuern – den Garaus machen: «Im Kanton Bern gibt es jährlich zwischen 60'000 und 65'000 Betreibungen wegen Steuerschulden. Das entspricht einem Betrag von weit über 200 Millionen Franken», gibt die SPlerin an. Der automatisierte freiwillige Direktabzug soll also «Schulden, Notlagen und administrative Leerläufe wegen unbezahlter Steuern» vermeiden.

Obligatorium auf Bundesebene?

Während sich der Berner Regierungsrat um das Anliegen der kantonalen Legislative nun kümmern muss, kommt zu diesem Thema auch der Stein auf Bundesebene ins Rollen: Von der BDP wurde am 2. September eine Standesinitiatve an den Grossen Rat Bern eingereicht, die gar einen obligatorischen Direktabzug der Steuern verlangt.

Jakob Etter (BDP) ist Mitmotionär der Standesinitiative «Einführung der Quellensteuer für natürliche Personen» der BDP Bern. «Wir wollen das schweizweit flächendeckend haben», sagt Etter – «das kann nicht ein Kanton allein machen». Die Berner Regierung hat nun ein Jahr Zeit, um die Standesinitiative der BDP Bern zu behandeln. Anschliessend wird auch diese im Parlament diskutiert und schliesslich eine definitive Entscheidung getroffen.

(miw / km)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • unbekannt270 am 10.09.2019 11:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke!

    Endlich schlaue News aus der Politik! Vielen Dank und das nächste Mal einfach bitte 10 Jahre früher.. ;-)

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  • aeschiii am 10.09.2019 11:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    absolut gute Idee

    Kann ich zu 100% unterstützen. Vorallem in jungen Jahren kommen die Steuern meist überraschend und die Höhe wird unterschätzt. Dadurch könnte eine grosse Schuldenfalle ausgemerzt werden. Danke, so weitermachen!

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  • Alain am 10.09.2019 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    Besser wäre es...

    ... wenn man die Steuern so weit senkt dass sie keine "Schuldenfalle" mehr sind!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Matthias am 11.09.2019 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    Krankenkasse nicht vergessen!

    Super Sache! Bitte Krankenkasse gleich mit abziehen, da leider viele Eltern diese für Ihre Kinder nicht bezahlen....

  • Jürg Walter Meyer am 11.09.2019 08:54 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht zu Ende gedacht

    Es gibt auch viele Pensionierte, die Probleme mit dem Bezahlen der Steuern haben. Auch hier müssten die Steuern von der Pension abgezogen werden.

  • Jürg Walter Meyer am 11.09.2019 08:47 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn schon, dann obligatorisch

    Die Menschen, die Probleme mit dem Geld haben werden kaum freiwillig den Steuerabzug vom Lohn wählen. Das Ziel: «Schulden, Notlagen und administrative Leerläufe wegen unbezahlter Steuern» vermeiden.» wird so nicht erreicht. Wenn schon, dann muss der Steuerabzug vom Lohn obligatorisch sein. Ich bin dagegen.

  • Sonne am 11.09.2019 07:07 Report Diesen Beitrag melden

    wie üblich, zwei Seiten

    KRANKENKASSE AUCH, die könnte dann die Prämien massiv senken. nur, dann lebt ein Grossteil der normalen Büetzer unter dem Existenzminimum. Dann öffnen sich wieder andere Schuldenfallen. Für einen grossen Teil der Bevölkerung wäre das aber ein guter Weg, weil sie Steuern und Krankenkasse bezahlen könnten, es aber nicht tun. die

  • Tingeltangel Bob am 11.09.2019 06:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Idee wäre an und für sich gut

    aber nur wenn es für die ganze Schweiz Gültigkeit hätte und wir alle nur noch eine Steuer bezahlen müssten! Oder einfacher gesagt: keine Gemeinde-, Kantons- und Bundessteuer mehr! War ein Witz!!!! Wäre zwar schön wird aber nie kommen! ! !