Insta-Account gegen Velodiebstahl

09. Oktober 2018 05:49; Akt: 09.10.2018 09:36 Print

«Wir wollen mehr Velos finden als die Polizei»

Mit dem Instagram-Account Stolenbikesbern sollen gestohlene Velos und ihre Besitzer wieder vereint werden. Die Macher dahinter versprechen sich gute Erfolge.

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Egal ob aus dem Velokeller, beim überfüllten Veloständer oder vom Strassenschild: Velos können und werden überall gestohlen. Gemäss der polizeilichen Kriminalstatistik wurden letztes Jahr in der Schweiz 35'025 Velos von Langfingern entwendet. Gerade mal 2,2 Prozent der Delikte konnten aufgeklärt werden.

Damit in Zukunft mehr gestohlene Velos den Weg zurück zu ihren Besitzern finden, wurde vor wenigen Tagen der Instagram-Account Stolenbikesbern ins Leben gerufen.

Digitales Suchen und Finden

Die Idee dahinter ist simpel: Bestohlene Velobesitzer schicken via Insta ein Foto des vermissten Drahtesels und einige Informationen wie besondere Merkmale und wo das Zweirad wegkam. «Wir werden die Bilder mit den Informationen dann auf Instagram veröffentlichen», so ein Vertreter des Berner Kollektivs, das hinter Stolenbikesbern steckt. «Je mehr Menschen die Fotos sehen und mit offenen Augen durch die Stadt gehen, desto grössere sind die Erfolgsaussichten», teilt die Gruppe mit.

Wer eines der vermissten Velos sichtet, soll sich ebenfalls via Insta melden: «Wir holen das Fahrrad dann ab und vereinen es mit seinem rechtmässigen Besitzer.» Falls Zweifel bestehen, müsse der Besitzer nachweisen, dass es sich um sein Velo handle – etwa indem er Fotos zeige oder Merkmale nennen könne.

«Je mehr Insta-User uns folgen und die Fotos sehen, desto grösser sind unsere Erfolgsaussichten», so das Kollektiv. Dabei gehe es in keiner Weise darum, Geld zu verdienen. Denn die Idee sei spontan am Freitagabend entstanden: «Wir waren zu fünfzehnt unterwegs und feierten den Geburtstag eines Freundes. Am Ende des Abends war ein Velo gestohlen – ausgerechnet das des Geburtstagskindes.»

Tiefe Aufklärungsquote

Mit dem Insta-Account trifft die Gruppe offenbar ins Schwarze. Innerhalb weniger Stunden hat sie bereits rund 200 Follower gesammelt. Dies, obwohl im Kanton Bern die Zahl der gestohlenen Fahrräder in den letzten zehn Jahren kontinuierlich von 9066 im Jahr 2008 auf 5674 im vergangenen Jahr sank. Dabei lag die Aufklärungsquote laut Statistik in den meisten Jahren um 1 Prozent.

Die tiefe Aufklärungsquote komme nicht von ungefähr, sagt Kapo-Sprecher Dino Dal Farra: «Viele Velos werden zwar wieder gefunden, es ist jedoch in vielen Fällen nicht möglich, die Täterschaft zu ermitteln.» Meist würden die Velos nicht gestohlen um sich zu bereichern, sondern um eine Strecke von A nach B zurückzulegen.

Was die Kapo Bern vom Insta-Account hält, bleibt unter Verschluss: Sie äussert sich grundsätzlich nicht zu einzelnen Gruppen oder Projekten in sozialen Netzwerken. Dal Farra: «Im Zusammenhang mit Velodiebstählen empfehlen wir unsererseits aber, einen Diebstahl jeweils anzuzeigen.» Dadurch könne die Kapo allenfalls aufgefundene Velos den Haltern zurückgeben.

Das ist dem Kollektiv um Stolenbikesbern jedoch zu wenig erfolgversprechend: «Wir wollen mehr Velos finden und mit ihren Besitzern vereinen als die Polizei. Und wir sind davon überzeugt, das auch zu schaffen.»

(cho)