230 Patienten in 9 Monaten

09. September 2018 18:35; Akt: 09.09.2018 18:35 Print

So will das Inselspital den Superkeim stoppen

Bisher half alles nichts: Das Berner Inselspital versucht die Ausbreitung eines antibiotikaresistenten Bakteriums zu verhindern.

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Seit acht Monaten versucht man im Berner Inselspital die Ausbreitung eines antibiotikaresistenten Keims zu verhindern – bisher erfolglos. 230 Patienten wurden seit dem Jahreswechsel mit den Vancomycin-resistenten Enterokokken, kurz VRE, infiziert, wie «10 vor 10» berichtet. Das Bakterium kann zu gefährlichen Infektionen führen.

Dies geschehe jedoch nur in seltenen Fällen, wie Susanne Bandi, Sprecherin der Inselgruppe, sagt: «Diese treten vor allem bei schwerkranken Patienten auf, die schon über längere Zeit Antibiotika und insbesondere Breitbandantibiotika erhalten haben.»

Seit der Keim am Inselspital auftauchte, sind laut der Inselgruppe
zehn Patienten daran erkrankt. Die Therapie bestehe in der Regel aus Reserve-Antibiotika. Dabei handelt es sich um Medikamente, welche nur in selten Fällen herausgegeben werden und streng reguliert sind.

Nachteil der Globalisierung

Beim nachgewiesenen Keim handelt es sich um einen sich schnell verbreitendem Stamm aus Australien. Er wurde erstmals bei einem Patienten mit einer Blutbahninfektion nachgewiesen, so Bandi: «Solche Importe von multiresistenten Erregern kommen in der heutigen, globalisierten Welt leider häufig vor und es ist keine Institution im Gesundheitswesen davor geschützt.» Zwar würden Patienten aus dem Ausland im Spital entsprechend getestet, jedoch werde dort der Fokus auf andere, in der Regel noch resistentere Keime, gelegt.

Um der weiteren Verbreitung des Bakteriums Einhalt zu gebieten, hat das Spital bereits Massnahmen ergriffen. So würden Infizierte entsprechend erfasst und kontaktisoliert. Bei diesen Patienten würden besonders strenge Hygienevorschriften gelten. Bandi: «Damit konnten wir VRE zwar begrenzen, bislang aber nicht vollständig eliminieren.»

Bund gründet Taskforce

Damit sich auch das Personal nicht mit dem hochansteckenden Erreger infiziert, wurden laut dem Spital die Hygienemassnahmen nochmals verstärkt und Mitarbeiter sensibilisiert: «Eine Übertragung auf Mitarbeitende ist grundsätzlich möglich, jedoch höchst unwahrscheinlich.»

Wie «10 vor 10» berichtet, ist der Keim mittlerweile nicht nur in den Zimmern des Inselspitals zu finden: Auch Rehabilitationszentren, Pflege- und Altersheimen in den Kantonen Bern und Wallis seien bereits betroffen. Eine Taskforce des Bundesamt für Gesundheit soll der Ausbreitung nun einen Riegel schieben. Jonas Marschall, Chefarzt Spitalhygiene der Insel Gruppe, ist Teil der Arbeitsgruppe.

(cho)