Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs

12. September 2019 13:45; Akt: 12.09.2019 13:46 Print

Pastor gab Opfern vor, Dämonen auszutreiben

Ein Pastor aus der Region Bern soll über Jahre minderjährige Mädchen einer Freikirche sexuell missbraucht haben. Zudem wird gegen ihn wegen Sozialhilfemissbrauch ermittelt.

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Ehemalige Mitglieder einer tamilischen Freikirche aus Bern erheben schwere Vorwürfe gegen den amtierenden Pastor. Mehrere Frauen berichten gegenüber der «Rundschau», dass sie vom Pastor sexuell missbraucht worden seien, als sie zum Teil noch minderjährig waren. Der 62-jährige Mann aus Köniz BE habe seine Opfer verunsichert, indem er ihnen eingeredet habe, dass sie von einem Dämon der Unzucht befallen seien.

«Er sagte, dass ich den Geist in mir habe und dass er diesen nun versuche auszutreiben», schildert eines seiner Opfer. Er redete den Opfern ein, dass der Dämon im Intimbereich sitze und forderte andere Mädchen dazu auf, ihre Hand aufzulegen.

Doch die sexuellen Handlungen mit Minderjährigen gingen angeblich noch weiter: Eine junge Frau berichtet, mehrmals mit dem Pastor Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Nach eigenen Angaben war sie in den Pastor verliebt. Dass sie jedoch noch nicht volljährig war, habe den Pastor nicht gestört. «Er hat mir immer eingeredet, dass das die höchste Form der Liebe und deswegen nicht falsch sei», so die junge Frau.

In mehreren Ländern aktiv

Immer wieder habe er seine Aktionen mit der Bibel begründet und seine Machtposition ausgenutzt. Die tamilische Freikirche, die der Pastor selbst gründete, ist in mehreren Ländern aktiv. Der Pastor reist öfters in die verschiedenen Kirchen und übernachtet jeweils bei Bekannten. Auch da sei es zu sexuellen Übergriffen gekommen.

Ein Opfer schildert, dass sie im Alter von 13 Jahren beim Pastor übernachtet sei. Sie hatte Alpträume und der Priester habe sie zu sich ins Bett geholt. Er habe ihr ins Ohr geflüstert, dass er sie auf andere Gedanken bringen werde.«Dann hat er mich angefasst an den Brüsten, im Intimbereich, den Schamlippen.» Sie spüre das heute noch, sagt sie.


«Ich ekle mich bis heute davor.» (Video: «Rundschau»)

Ermittlungen eingeleitet

Seit Kurzem hat der Pastor ausserdem Probleme mit dem Sozialamt seiner Wohngemeinde Köniz. Denn obwohl der 62-Jährige seit Jahren vollamtlich als Pastor arbeitet, bezieht er Sozialhilfe. Recherchen der «Rundschau» zeigen, dass die Gemeinde Strafanzeige wegen Urkundenfälschung und Sozialhilfemissbrauch gegen ihn eingereicht hat.

Zudem wird dem Pastor von ehemaligen Kirchenmitgliedern vorgeworfen, sich an den Einnahmen der Kirche zu bereichern. Mitglieder müssen nämlich einen Zehntel ihres Einkommens an die Kirche abgeben. So komme jedes Jahr eine grosse Summe Geld zusammen, an der sich der Pastor bedienen soll. Dieser weist die Vorwürfe jedoch von sich: «Ich nehme keinen Rappen Geld von der Kirche»

Der Pastor streitet ab

Auch von den sexuellen Übergriffen will der Pastor nichts wissen: «Was denken sie von mir? Ich bin der Pastor», so der 62-Jährige, als er mit den Vorwürfen konfrontiert wird. «Bringen sie mir die Menschen, die so etwas sagen. Dann kann ich für sie beten und es ihnen austreiben.»


Der Pastor streitet jegliche Vorwürfe ab. (Video: «Rundschau»)

(rc)