Biel

03. November 2018 18:47; Akt: 03.11.2018 21:09 Print

Tausende protestieren gegen Autobahnanschluss

In Biel sind 3500 bis 5000 Menschen auf die Strasse gegangen. Sie wollen gegen den Westast der Autobahnumfahrung kämpfen. Es war die grösste Kundgebung in der Stadt seit 20 Jahren.

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Zwischen 3500 und 5000 Personen haben sich am Samstag in Biel versammelt, um gegen den Westast der Autobahnumfahrung zu protestieren. Die A5-Westast-Gegner wehren sich gegen die Verkehrsführung und deren Auswirkungen auf die Stadt.
Die Bürgerbewegung «Biel wird laut» fordert insbesondere den Verzicht auf die beiden offenen Autobahnanschlüsse im Stadtzentrum. Diese würden nur noch mehr Verkehr in die Stadt pumpen. Über 700 Bäume und rund hundert Gebäude würden von dem riesigen Bauprojekt tangiert. Wegen der Bauarbeiten wäre der Zugang zum See 15 Jahre lang eingeschränkt.

«Biel bleibt laut» stört auch, dass das nun vorliegende Projekt von den Kantons- und Bundesbehörden ohne Einbeziehung der lokalen Bevölkerung entstanden sei. Die Bevölkerung könne nicht über das Projekt abstimmen, weshalb den Gegnern dieses «Planungsirrsinns aus den 1950er Jahren» nichts anderes übrig bleibe als erneut zu demonstrieren, macht das Bündnis geltend.

Gegner fordern einen Tunnel

Bereits vor einem Jahr gingen rund 3000 Westast-Gegner auf die Strasse. Diesmal waren es laut Polizei etwa 3500, nach Angaben der Organisatoren 4500 bis 5000 Menschen jeglichen Alters. Damit handelte sich um die grösste Kundgebung in Biel seit über 20 Jahren.


(Video: SDA)

Die Gegner des Westasts pochen auf ein alternatives Projekt, das vom Komitee «Westast, so nicht!» erarbeitet wurde. Das Alternativprojekt sieht einen zweispurigen Tunnel zwischen Bahnhof und See vor – ohne offene Autobahnanschlüsse mitten in der Stadt. Für den Lokalverkehr soll ein Boulevard entstehen. «Stadtraum statt Autobahn» hat sich das Komitee auf die Fahne geschrieben.

Kantonsregierung hat Alternative verworfen

Das offizielle Projekt sei altmodisch und dem Denken des 20. Jahrhunderts verpflichtet, wonach mehr Verkehr mit noch mehr Strassen begegnet werden müsse. Heute sei dieses Denken längst überwunden, ist das Komitee überzeugt. Die Berner Kantonsregierung hat die beiden Projekte evaluiert und die Alternative der Westastgegner verworfen. Das Alternativprojekt würde nicht im gleichen Umfang eine verkehrsentlastende Wirkung entfalten, hielt der Regierungsrat fest.

Die Westast-Gegner wiederum fühlen sich von der Regierung nicht ernst genommen. «Wir haben das Gefühl, dass uns die Behörden nicht hören wollen», sagt Sabine Kronenberg, eine der drei Bielerinnen, die die Bürgerbewegung «Biel wird laut» mitbegründet haben. Mit der zweiten Kundgebung nach 2017 unter dem Motto «Biel bleibt laut» will das Bündnis den Druck auf die Behörden aufrecht erhalten.

Eröffnung frühestens 2035

Nachdem Biel jahrelang eine Autobahnumfahrung gefordert hat, wird diese nun gebaut. Der Ostast der Umfahrung ist bereits seit rund einem Jahr in Betrieb. Dieser hatte kaum Opposition hervorgerufen. Ganz anders der Westast, für den auch Häuser weichen müssten.

Die Westast-Eröffnung ist frühestens 2035 vorgesehen, und die Kosten werden auf rund 2,2 Milliarden Franken geschätzt. «Ein Kilometer Autobahn Westast kostet 800 Millionen Franken» rechnen die Gegner vor. Damit wäre der Westast wohl die teuerste Autobahn, die je in der Schweiz gebaut wurde, lautet ihr Schluss. Zudem bezweifelt das Komitee, dass es bei den veranschlagten Kosten bleibt. «Mehrkosten sind absehbar», schreibt es auf seiner Homepage.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jose Gomez am 03.11.2018 19:25 Report Diesen Beitrag melden

    kein Autobahn-Gegner

    Diese Autobahn darf so nicht gebaut werden. Haben den die Planer gar nichts aus der Vergangenheit gelernt. Eine Hochleistungstrasse ( offen) mitten durch die Stadt ist Mumpiz.

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  • Nachdenker am 03.11.2018 19:22 Report Diesen Beitrag melden

    Also 9% gegen 91%

    Da sollte eigendlich alles klar sein.

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  • Salvi 1 am 04.11.2018 07:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Les Welsch

    haben uns gezeigt wie Autobahn durch die Stadt geht. In Neuenburg haben sie von mir aus den genialsten Ausbau ever in der Schweiz realisiert. Nehmt euch ein Beispiel ihr Bieler!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mario am 04.11.2018 21:55 Report Diesen Beitrag melden

    Luxusautobahn statt Tram?

    Ein Tram für 332 Millionen Franken war den Bielern zu teuer. Nun soll eine Autobahn für 2,2 Milliarden gebaut werden. Ja dann hoffe ich doch dass diejenigen, denen schon das Tram zu teuer war, sicher mal ganz klar gegen diese unnötige und unzeitgemässe Luxusautobahn sind und dieses Projekt so schnell wie möglich begraben. Vielleicht könnte man ja wieder einmal über das Tram nachdenken...

  • André am 04.11.2018 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ach die Bieler, so drollig

    Naja, wer Biel ein wenig kennt versteht das durchaus. Ein modernes Volk, voll aufs er Höhe der Zeit. Sie hadern immer noch damit, dass Hexenverbrennungen in der Schweiz verboten sind. Aber sonst ist es ganzmonatig da unten. Die Zeit läuft nur ein kleinwenig zu schnell für die Bieler....

  • Peter P. Odermatt am 04.11.2018 17:06 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Autobahn.

    Die Autobahn wird gebaut, macht Sinn. Nur eine kleine Minderheit hat da protestiert.

  • Frage am 04.11.2018 14:47 Report Diesen Beitrag melden

    hmmmm

    ok, 5 Tausend sind laut und protestieren gegen den Autobahnausfahrt. Und was macht der Rest von 50 Tausend? Was denken sie? Das ist die Frage...

  • hoffentlich am 04.11.2018 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    Fazit:

    In Biel gibt es nicht nur die laute Gegner der Autobahnauast, sonder auch die stillen Beführworter des Ausfahrtes. Die Stillen eher verlassen die Stadt. Hoffentlich viele laute Befürworter ziehen dann in die Stadt ein und finanzieren die grün-rote bieler Politik mit. Nicht nur arbeitende Bieler bezahlen lassen.

    • Bieler am 04.11.2018 14:55 Report Diesen Beitrag melden

      Hallo????

      Wie wäre es wenn einige von euch (aus Evilard) nach Biel umziehen und dann (wirklich als bieler Steuerzahler) protestieren würdet? Das werden manche von euch, Evilarder, sicher nicht wollen, gell. Demonstriere für Biel und wohnen in Evilard, das finde ich schon gemein.

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