Luftgewehr gegen Jugendliche

07. April 2019 12:08; Akt: 07.04.2019 21:08 Print

«Er glaubte, sie versuchten einzubrechen»

In Biberist SO wurde ein Jugendlicher von einem Luftgewehr-Projektil getroffen. Der Schütze ist kein Unbekannter im Quartier. Nun will der Gemeindepräsident ein Auge auf ihn haben.

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In der Nacht auf Sonntag kurz vor 3 Uhr, wartete eine Gruppe Jugendlicher im Bereich der Industriestrasse in Biberist auf ein Taxi. Dabei wurde einer von ihnen von einem Luftgewehr-Projektil getroffen und am Arm leicht verletzt.

Der mutmassliche Schütze wurde von der Polizei ermittelt. Laut ersten Erkenntnissen wurde der Schuss aus der Wohnung eines 34-jährigen Schweizers abgegeben. Wie es in der Mitteilung der Kantonspolizei Solothurn heisst, fühlte sich dieser möglicherweise in seiner Nachtruhe gestört. Die Waffe wurde sichergestellt und die Ermittlungen laufen weiter.

Wenn die Polizei anklopft

Für die Bewohner des betroffenen Wohnhauses war es eine kurze und unangenehme Nacht: «Um 3.30 Uhr stand die Polizei vor meiner Türe, um mich zu befragen», sagt H. B.* gegenüber Tele M1. Ihr Nachbar war es, der mit dem Luftgewehr auf die Jugendlichen schoss. Er sei im Grunde ein freundlicher und hilfsbereiter Mann, erklärt die Seniorin. Aber manchmal «hänke» es ihm aus: «Er hat auch schon Raketen auf dem Balkon abgefeuert.»

Der Mann habe jedoch nicht aus Böswilligkeit auf die Jugendlichen geschossen: «Er sagte mir, dass er glaubte, die Jugendlichen würden versuchen, bei seiner Garage einzubrechen», so die Biberisterin zu 20 Minuten. Er zeige sich jedoch bereits reuig: «Er hat sich am nächsten Tag gleich bei mir für das Tohuwabohu entschuldigt.»

Auffälliger Nachbar

Im ruhigen Quartier am Rand von Biberist zeigt man sich geschockt über die Tat: «Der muss ja völlig gestört sein. So laut können die Jugendlichen nicht gewesen sein, ich habe auf jeden Fall nichts gehört in der Nacht», so ein Anwohner. «Das Quartier ist sehr ruhig, wir haben hier nie Probleme mit Lärm – auch am Wochenende nicht», sagt ein weiterer Anwohner zu 20 Minuten.

Für einen Bewohner der Industriestrasse kommt die Nachricht jedoch nicht ganz so überraschend. Laut dem Mann sei der «auffällige Nachbar» einigen Bewohnern bekannt: «Er hat auch schon früher mit dem Luftgewehr geschossen, hat mir jemand erzählt.»

Auch Stefan Hug, Gemeindepräsident von Biberist, wurde über den Vorfall informiert. Er hat kein Verständnis für die Tat: «Mit einem Luftgewehr auf Menschen zu schiessen, geht gar nicht.» Er sei jedoch erleichtert, dass der Jugendliche nicht schwer verletzt wurde. Der SP-Politiker will sich am Montag über den Schützen informieren: «Ich werde bei der Polizei und unseren Ämtern überprüfen, wie und ob er bereits auffällig war.» Gegebenenfalls werde er reagieren.

*Name der Redaktion bekannt

(cho/rc/fss)