Routineeingriff

05. Dezember 2011 17:46; Akt: 05.12.2011 17:52 Print

Tod nach Mandel-OP - Arzt freigesprochen

Ein Arzt am Regionalspital Burgdorf ist vor Gericht vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen worden. Der Doktor habe keine allgemein anerkannten Regeln des ärztlichen Handwerks verletzt.

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Im Januar 2007 war ein Patient elf Tage nach einer Mandeloperation gestorben. Nach dem Routineeingriff war es zu mehreren Nachblutungen gekommen. Schliesslich wurde der 28-jährige Mann notfallmässig ins Berner Inselspital verlegt, wo er nach vier Tagen an Atemlähmung starb.

Anerkannt sei, dass die Operation selber und die unmittelbare Nachbetreuung in Ordnung gewesen seien, begründete die Einzelrichterin den Freispruch.

Auf frühere Verlegung gedrängt

Die Witwe des Verstorbenen, die als Privatklägerin vor Gericht erschien, habe auf eine frühere Verlegung ans Inselspital gedrängt, was der Arzt ablehnte. Die verschiedenen Gutachten seien sich nicht einig, ob dadurch die Blutung rechtzeitig lokalisiert und gestoppt hätte werden können. Nachträgliche Erkenntnisse seien nicht massgebend. Der Arzt habe im Rahmen seines Ermessens gehandelt.

Das bestritt die Anwältin der Witwe: Nach drei Blutungen hätte der Arzt die Alarmglocken hören müssen, sagte sie. Zu dem Zeitpunkt hätte noch eine hohe Wahrscheinlichkeit für die Bewahrung des Lebens bestanden, wie ein Gutachter ausführte. Als der Patient dann doch noch verlegt wurde, sei es zu spät gewesen.

Der Arzt habe lediglich Schutzbehauptungen für sein Nichthandeln vorbringen können. Die Anwältin prüft nun einen Weiterzug, wie sie auf Anfrage sagte.

Keine strafrechtliche Handlungen

Der Anwalt des 61-jährigen Arztes argumentierte, der Patient sei nicht wegen unterlassener Massnahmen gestorben, sondern wegen des inhärenten Risikos. Der Arzt habe gegen keine objektiv erhärteten Regeln verstossen. Ob eine frühere Verlegung etwas gebracht hätte sei nicht erwiesen. Es sei ein tragischer Fall, doch strafrechtlich relevantes Verhalten sei klar nicht im Spiel.

Die Operation war wegen Halsschmerzen, Schnarchen und Schlafstörungen angeordnet worden. Die Witwe des Opfers sagte, sichtlich gezeichnet vom Verlust ihres Mannes und Vaters eines damals sechs Monate alten Buben: Ich akzeptiere nicht, was geschah. Der Arzt muss bestraft werden.

(sda)