18. Mai 2006 14:04; Akt: 18.05.2006 21:57 Print

Todeszug: Es war menschliches Versagen

Jetzt ist klar, wie es zum Zugunglück mit drei Toten kam – die Bremsen waren inaktiv.

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Frutigen, kurz vor 3 Uhr: Die drei Männer des Bauzugs 36263, darunter 2 Lokführer, stellen im Bahnhof die Zugskombination nach den Arbeiten in Blausee neu zusammen. Zwei Wagen bleiben zurück.

Laut BLS kursiert das Gerücht, dass diese Wagen Bremsprobleme hatten. Beim Rangieren wird dann vergessen, den Druckluftbremshahn zu öffnen, wie die gestrige Untersuchung ergab. Verantwortlich für die Bremsen ist der Lokführer.

3.01 Uhr: Der Zug fährt los. Ziel: ein Gleis auf einem Kieswerk in Hondrich.
Reichenbach, 3.06 Uhr: Der Lokführer meldet der dreiköpfigen Einsatzzentrale, dass der Zug nur durch die Lok gebremst werden kann. Dies reicht aber niemals für den 300-Tonnen-Zug. Sein Funkspruch: «Leitet uns nicht auf das Anschlussgleis Hondrich, sondern so lange wie möglich geradeaus. Versuche zu bremsen.»

Ob es später noch zu Funkverkehr kam, wird derzeit ausgewertet. Sofort stellt die Einsatzleitung die Weiche um. Sie analysiert die Lage: Eine Umleitung ins Simmental ist wegen einer Baustelle unmöglich, beim Bahnhof Thun sind alle Geleise durch wartende Güterzüge blockiert. Die Männer leiten den Zug deshalb auf das Gleis mit den Bauzügen in Thun-Dürrenast und schlagen dort Alarm.

Spiez, 3.14 Uhr: Der Geisterzug fährt mit 97 km/h im Bahnhof ein, beschleunigt durchs Gefälle auf 100 km/h, fährt über die entscheidende Weiche und verlässt den Bahnhof mit 93 km/h – zu schnell, um abzuspringen.
Thun-Dürrenast, 3.20 Uhr: Mit 89 km/h prallt der Zug auf.

Philipp Probst