Tötungsdelikt in Schwarzenburg

16. Oktober 2019 17:28; Akt: 16.10.2019 17:28 Print

Frau tötet ihren Freund – und trauert ihm nach

V. V.* rammte ihrem Partner während eines Streits ein Rüstmesser in die Brust – nun muss sie sich vor den Richtern verantworten. War es Notwehr?

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Eine 28-jährige Ungarin musste sich am Mittwoch vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland wegen vorsätzlicher Tötung verantworten. Ihr wird vorgeworfen, am 1. Oktober 2018 ihren damaligen Freund, den 55-jährigen H. C.*, mit einem Messerstich in die Brust getötet zu haben. Am Prozess waren neben den Richtern und Anwälten auch die beiden Söhne von H.C anwesend. Sie fordern von der Beschuldigten V. V.* eine Genugtuung.

Beschuldigte rief vier Mal den Notruf

In der Wohnung des 55-jährigen Schwarzenburgers kam es an jenem Abend nach dem Nachtessen zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Paar. Zunächst verlief der Streit verbal, dann kam es auch zu Tätlichkeiten, wie der Anklageschrift zu entnehmen ist.

C. verdrehte V. den Arm, schüttelte sie und stiess sie grob auf das Sofa. Die Frau rief daraufhin mehrmals beim Sanitätsnotruf an. Als Grund gab sie Alkohol- und Drogenprobleme von C. an und sagte, dass man ihn dringend abholen müsse. Ob die Beschuldigte sich tatsächlich um C. sorgte oder ihn mit den Anrufen lediglich provozieren wollte, ist unklar.

Opfer verlor 2,5 Liter Blut

C. reagierte wütend auf die Anrufe und der Streit eskalierte erneut. V. begab sich daraufhin in die Küche und holte sich ein Rüstmesser. Als C. ihr folgte und schreiend auf die Frau zuging, stach diese mit dem Messer in die rechte Brust des Opfers. Mit dieser Handlung nahm die Beschuldigte laut Anklageschrift den Tod des Mannes in Kauf, da sie wusste, dass ein solcher Stich tödlich sein kann. Durch die Wunde verlor C. 2,5 Liter Blut und verstarb noch in der Wohnung.

An diesem Punkt verstrickte sich die Angeklagte in Widersprüche. Sie behauptete, das Messer nur in der Hand gehabt zu haben, weil sie fürs Abendessen Brot schneiden sollte. Sie schilderte jedoch in verschiedenen Befragungen, dass sich die Tat nach dem Abendessen abgespielt haben soll. Als sie mit den Widersprüchen konfrontiert wurde, reagierte die Beschuldigte aufgebracht, beinahe wütend: «Mich interessiert nichts mehr. Es ist mir egal, was Sie von mir denken», sagte sie dem Gerichtspräsidenten.

Unter Tränen wandte sich die Beschuldigte V. während des Prozesses auch an die Söhne des Opfers. «Ich möchte mein herzliches Beileid aussprechen und mich entschuldigen. Genau wie euch beiden fehlt er mir auch», so die Frau zu den Söhnen. Auf die Frage des Gerichtspräsidenten, was sie von den Geldforderungen der Söhne halte, antwortete sie jedoch: «Meiner Meinung nach schulde ich ihnen nichts.»

Kein unbeschriebenes Blatt

Die Beschuldigte V. hatte in der Schweiz zwar keine Vorstrafen, war in Ungarn jedoch fünf Jahre lang in Haft. Grund dafür war ein Überfall auf einen Passanten, an dem sie beteiligt gewesen sein soll. Auch in Deutschland war die Beschuldigte wegen kleinerer Vergehen 40 Tage in Haft.

Wie sie ihren Lebensunterhalt in der Schweiz finanzierte, wollte die Beschuldigte nicht beantworten. Sie lebte bei C. und war auch finanziell von ihm abhängig. Mit ihrer Familie und ihrem Sohn in Ungarn habe sie kaum mehr Kontakt: «Die Polizei ist jetzt meine Familie, ich habe sonst niemanden mehr», sagte die Beschuldigte vor Gericht.

V. wird vorsätzliche Tötung vorgeworfen. Die Richter werden entscheiden müssen, ob die Frau in Notwehr gehandelt hat. Das Urteil wird für Freitag erwartet.

*Name der Redaktion bekannt

(rc/cho)