Tötungsdelikt in Schwarzenburg

15. Oktober 2019 16:04; Akt: 15.10.2019 16:04 Print

Mann lag in Blutlache – hat Freundin ihn getötet?

Vor einem Jahr wurde in einer Wohnung in Schwarzenburg ein schwer verletzter Mann aufgefunden. Er starb noch vor Ort. Nun steht seine damalige Freundin vor Gericht.

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Es war der 1. Oktober 2018, als ein Rega-Helikopter über dem kleinen Berner Städtchen Schwarzenburg kreiste und die Bevölkerung rätseln liess. Am nächsten Tag folgte die Schock-Nachricht: Ein 55-jähriger Schweizer war in einer Blutlache liegend in seiner Wohnung aufgefunden worden. Trotz umgehender Rettungsmassnahmen verstarb er noch vor Ort.

Schnell war klar: Der Mann wurde Opfer eines Gewaltdelikts. Noch am selben Abend wurde eine 28-jährige Ungarin, die sich zum Tatzeitpunkt in der Wohnung des Opfers befunden hatte, festgenommen. Die Polizei kommunizierte, dass sich das Opfer und die Frau gekannt hatten, gab jedoch aus Persönlichkeitsschutzgründen keine weiteren Informationen preis.

Gerichtsprozess

Die Frau muss sich nun am 16. Oktober, rund ein Jahr nach der Tat, vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland verantworten. Ihr wird vorsätzliche Tötung vorgeworfen. Nach wie vor gilt die Unschuldsvermutung. Wie das Opfer ums Leben kam, ist nicht bekannt. Laut Aussagen von Anwohnern handelte es sich bei der Frau um die deutlich jüngere Freundin des 55-jährigen Opfers. Ob die beiden zusammenwohnten, wussten selbst die Bewohner des Mehrfamilienhauses nicht. «Ich habe die Freundin nur selten zu Gesicht bekommen», sagte eine Frau, die einen Stock unterhalb des Tatortes wohnt.

Freundlich aber seltsam

Das Opfer wurde von mehreren Anwohnern als freundlicher, aber auch seltsamer Typ beschrieben. Man habe ihn viel im Dorf herumlaufen sehen. Des Öfteren habe er Leute angesprochen und in Diskussionen verwickelt. «Irgendetwas stimmte nicht mit ihm. Ich glaube, er litt an einer psychischen Störung», sagt ein junger Mann aus dem benachbarten Wohnblock.

Ein Jahr nach dem Vorfall spricht man im Quartier nur noch sporadisch über das Tötungsdelikt. Die Wohnung des Opfers steht laut einer Anwohnerin nach wie vor leer, sei jedoch mittlerweile renoviert worden.

Jürg Vontobel traf sich mehrmals mit dem Opfer. (Video: sul)

Hochintelligenter Mann

Nachbar Jürg Vontobel traf sich drei bis vier Mal pro Jahr mit dem Opfer, um mit ihm über Fachliteratur zu diskutieren: «Er war hochintelligent», so der Unternehmensberater. Zwischendurch sei ihm jedoch aufgefallen, dass sein Gesprächspartner vom Thema «abdrifte» und Aussetzer hatte. «Er verbrachte auch einige Monate in einer psychiatrischen Anstalt», so Vontobel weiter.

(rc)