29. Dezember 2004 04:24; Akt: 28.12.2004 21:23 Print

Transsexuelle darf als Frau nicht in die Politik

Sandra Lia Infanger hat einen Traum: Sie will als erste Transsexuelle ins Bundeshaus. Doch schon auf dem Weg in den Solothurner Kantonsrat wurde sie gestoppt.

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Obwohl in ihrem Pass noch der Vorname Adrian steht, fühlt sich Sandra Infanger ganz als Frau: «Seit meiner Hormontherapie habe ich sogar echte Brüste.» Doch auf der Juso-Liste für die Solothurner Kantonsratswahlen darf sie nicht mit ihrem Frauennamen kandidieren.

«Weil Infanger als Mann im Stimmregister eingetragen ist, mussten wir eine Verfügung erlassen», erklärt Manfred Kaufmann vom Oberamt Bucheggberg. Unter Tränen hat die 24-jährige Studentin und Hausfrau von diesem Entscheid erfahren – ausgerechnet an Heiligabend.

«Ich kann nicht als jemand kandidieren, der ich nicht bin», sagt Infanger, «die Behörden zwingen mich deshalb zu einem Outing.» Jetzt hat sie beim Verwaltungsgericht Beschwerde eingereicht. Falls nötig will sie bis über den Wahltermin hinaus vor Bundesgericht kämpfen. So oder so gilt Infanger bald offiziell als Frau: Im Sommer will sie sich einer Geschlechtsoperation unterziehen.

Patrick Marbach