Schlange stehen

19. März 2020 12:17; Akt: 19.03.2020 14:17 Print

Coop und Migros lassen nicht mehr alle rein

In vielen Geschäften der Schweiz kommt man nur noch im Tröpfchensystem rein. Betroffen sind etwa Detailhändler, Apotheken oder auch Mobile-Läden.

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In der nächsten Zeit müssen Konsumenten damit rechnen, Schlange zu stehen, bevor sie in ein Geschäft kommen. Denn: Die Schweizer Detailhändler beschränken die Anzahl Kunden in ihren Geschäften. Pro zehn Quadratmeter Ladenfläche soll nur noch eine Kundin oder ein Kunde einkaufen dürfen. Diese Massnahme erfolgt auf Geheiss des Bundesamts für Gesundheit (BAG).

Wie das in der Praxis aussieht, das musste etwa eine Leser-Reporterin aus Bern heute feststellen. Im Migros im Berner Lorraine-Quartier werden Kunden seit Donnerstag nur noch im Tröpfchensystem eingelassen: «Die Wartezeit war nicht besonders lang. Aber es ist gewöhnungsbedürftig», so die Bernerin. Kunden bekommen eine spezielle Einlass-Karte, die sie beim Verlassen des Geschäfts wieder abgeben. «Diese wird vorher und nachher vor den Augen der Kunden gereinigt.»

Migros Aare bestätigt, dass derzeit schweizweit Geschäfte auf dieses System umstellen und verweist auf die Bundes-Erläuterungen zur Verordnung zwei über Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus. Laut dieser ist die Anzahl von Personen, die sich gleichzeitig in einem Verkaufslokal aufhalten dürfen, abhängig von der Grundfläche des Lokals. «Als Richtwert kann von einer Person pro 10 Quadratmter ausgegangen werden», steht dort geschrieben. «Bei unseren Filialen setzen wir sogar noch auf einen etwas strengeren Wert», sagt Daniela Lüpold, Sprecherin von Migros Aare. Auch in Coop-Filialen wird die Verordnung umgesetzt. Dort werden seit Mittwoch zudem Tausende Plexiglasscheiben installiert, die den Schutz des Verkaufspersonals verbessern sollen.

Auf Desinfektionsmittel verzichten

Bezüglich des Offenverkaufs von Lebensmitteln herrschen für die Detailhändler keine besonderen Bestimmungen. Es bestehe keine Pflicht, zusätzliches Verpackungs- oder Abdeckmaterial für die Waren zu verwenden, «da von einem Offenverkauf
keine erhöhte Übertragungsgefahr ausgeht», schreibt der Bund. Ebenso bestehe keine Pflicht Handschuhe oder einen Mundschautz zu tragen. Dies gilt für Kunden sowie Personal: «Da eine solche Massnahme nicht dazu beitragen würde, das
Übertragungsrisiko zu senken.»

Detailhändler sind jedoch verpflichtet, Griffe von Einkaufskörben oder Touchscreens, die von Kunden benutzt werden, regelmässig zu reinigen. «Auf die Verwendung von Desinfektionsmitteln ist aufgrund der diesbezüglich knappen Ressourcen wenn möglich
zu verzichten.» Stattdessen sollen Seife oder andere Reinigunsgmittel verwendet werden.

Handy desinfizieren

Die «Tagesschau» von SRF berichtete am Mittwochabend, wie auch die Bahnhofsapotheke Bern Kunden nur noch im Tröpfchensystem ins Geschäft lässt. Ausserdem müssen hier sämtliche Kunden die Hände desinfizieren. Ebenso bei einer Apotheke in Gümligen BE, wo Kunden derzeit längere Wartezeiten in Kauf nehmen müssen. «Wir haben mindestens doppelt so viele Kunden als üblich», so Geschäftsführer Andreas Neuenschwander. Das Tröpfchensystem wird etwa auch in Swisscom-Shops angewandt. Dort müssen Kunden auch ihr Handy sterilisieren.

Die Detailhändler begrüssen die Präzisierungen des BAG im Kampf gegen das Coronavirus und halten die Massnahmen für sinnvoll, wie die Interessengemeinschaft Detailhandel und die Swiss Retail Federation am Donnerstag mitteilten. Diese erlaubten nun eine schnelle und einheitliche Umsetzung.

Neben der Beschränkung der Kundenzahl gehört auch das Bereitstellen von Desinfektionsmitteln zu den Massnahmen. Im weiteren gibt es Signaltafeln für das Social Distancing an den Kassen, die zum Einhalten einer Mindestdistanz von zwei Metern auffordern. Die Griffe von Einkaufswagen und Einkaufskörben sowie die Touchscreens an Selbstbezahlmöglichkeiten werden täglich gereinigt.

(cho/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alexander65 am 19.03.2020 13:59 Report Diesen Beitrag melden

    Das Tröpfchen-System

    Falls das Tröpfchen-System Angst einflößt bzw. das Bewusstsein (insbesondere von Unverbesserlichen...) erweitert, dann finde ich dies super! Viel mehr Chancen werden wir wohl nicht mehr erhalten, bis plötzlich doch noch auf die Ausgangssperre umgestellt wird...

    einklappen einklappen
  • Fluups am 19.03.2020 14:06 Report Diesen Beitrag melden

    Gott sei dank

    Wurde auch Zeit. Hoffe das unsere Bevölkerung es endlich kappiert. Wäre schön.

    einklappen einklappen
  • FASANO am 19.03.2020 14:03 Report Diesen Beitrag melden

    Schlange stehen kann bildend wirken.

    Schlange stehen ist das kleinste Übel und ist zudem eine Übung zu Bildung von Disziplin.

Die neusten Leser-Kommentare

  • H. E. am 19.03.2020 19:42 Report Diesen Beitrag melden

    Risikoaltersgruppe

    Schutzmassnahmen überall, sind unbedingt nötig. Wahrscheinlich wären noch speziell zugewiesene Einkaufs-Tageszeiten pro Gruppe nötig - denn jedes mal wenn man nach der Arbeit einkaufen (es gibt Leute, welche arbeiten müssen), ist die Risikoaltersgruppe zu Hauf vor Ort. Wie sollen wir diese Personen dann schützen, wenn sie es selbst nicht tun?!

  • Pascal am 19.03.2020 19:11 Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt guckst du in die Röhre

    Zuerst gross posaunen, überall wäre alles bestens versorgt, man brauche keine "Hamsterkäufe" zu machen und jetzt hat man die Situation, dass man weiss ich wie lange anstehen darf. Und ich bezweifle mal ganz stark, dass jene, die Hamsterkäufe gemacht haben jetzt auch noch anstehen - um eben genau das zu verhindern. Das wäre doch mal ne Umfrage. Aber eben - Dummheit kennt keine Grenzen und wer heute immer noch ein braves Staatstrotteli ist, das alles unhinterfragt glaubt was ihm die Obrigkeit sagt, dem ist eh nicht mehr zu helfen.

  • Marcel amsturz am 19.03.2020 19:08 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist ja alles gut und recht

    aber die leute die in der warteschlange anstehen müssen haben alle überhaubt keinen abstand! Das macht widerrum keinen sinn!

  • Dani B am 19.03.2020 18:33 Report Diesen Beitrag melden

    Problemverschiebung?

    Im Laden pro 10 Quadratmeter ein Kunde und vor dem Laden pro Quadratmeter drei Kunden in der Schlange, oder wie muss man sich das vorstellen?

  • S.C. am 19.03.2020 18:32 Report Diesen Beitrag melden

    Blätter weiterreichen als Corona Vorsorge...

    Warum abgeben? Damit man die dann an den nächsten weitergeben kann, sehr sinnvoll.... Das ist wie ein Desinfektionsmittel hinstellen aber alle müssen die Knöpfe an den Tiefgaragen und Automaten noch drücken. Da sollte man die Schranken doch bitte offen lassen .