Noch 11 im Spital

22. Juni 2013 13:06; Akt: 24.06.2013 10:33 Print

Turnfest-Sturm forderte gar 84 Verletzte

Beim Unwetter am Eidgenössischen Turnfest wurden noch mehr Menschen verletzt, als bisher bekannt. Insgesamt 84 Personen mussten ins Spital. Der OK-Präsident besuchte am Samstag die am schwersten Betroffenen.

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Der Sturm am 20.06.13 hinterliess auf dem Turnfest-Gelände eine Spur der Zerstörung. 39 Personen wurden verletzt, sechs von ihnen schwer. Sie wurden in verschiedene Spitäler gebracht. Die Zahl der Verletzten wurde nachträglich auf 95 korrigiert. Viele Verletzte hatten sich selbstständig in medizinische Pflege begeben und waren der Polizei erst nachträglich gemeldet worden. Ein Mann starb später an den Folgen seiner Verletzungen. Die Polizei und die Ambulanz waren mit einem Grossaufgebot vor Ort. Auch das Militär und der Zivilschutz standen im Einsatz. Bäume und Masten sind umgeknickt wie Streichhölzer. Zelte flogen durch die Luft. Weltuntergangsstimmung in Biel. Das Gelände wurde evakuiert. Ein einsames Zelt, das vom Wind aus der Verankerung gerissen wurde. Aus einer Einstellungsverfügung der Berner Staatsanwaltschaft geht hervor, dass die Polizei eine Unwetterwarnung nicht an das Turnfest-OK weitergeleitet hatte. Auch die grössten Zelte konnten dem Wind nicht komplett standhalten. Chaotische Zustände auf dem Gelände. Wenig später war das Gelände wie ausgestorben. Der Sturm hinterliess ein Bild der Zerstörung. Sogar Toiletten flogen durch die Luft. Bäume stürzten um... Zelte wurden zerstört. Meteorologen hatten vor Windböen im Raum Biel von «bis zu 120 km/h» gewarnt, wie «Schweiz Aktuell» berichtet. Die Berner Staatsanwaltschaft hatte gegen Turnfestdirektor Fränk Hofer wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger schwerer Körperverletzung ermittelt. Sie kam aber zum Schluss, er habe keine Sorgfaltspflichten verletzt. Bei der Polizei sei der Fall intern besprochen worden, heisst es von Seiten der Berner Kantonspolizei gegenüber «Schweiz aktuell». Der Vorfall habe keine strafrechtlichen Konsequenzen. Im Vordergrund stand die Frage, ob die Evakuierung des Geländes zu spät angeordnet worden war.

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Noch mehr Menschen als bisher angenommen sind im Gewittersturm vom Donnerstagabend am Turnfest in Biel verletzt worden. Fünf Personen hätten sich in einem Spital in einem anderen Kanton behandeln lassen, sagte ein Sprecher der Berner Kantonspolizei der Nachrichtenagentur SDA. Damit steigt die Zahl der Verletzten auf 84.

Bisher war von 79 Verletzten die Rede gewesen. Am Samstag waren noch 11 Personen im Spital, wie Polizeisprecher Michael Fichter sagte. Der Zustand der beiden Schwerverletzten sei unverändert.

Präsident besucht Verletzte

Am Samstagmorgen besuchte der OK-Präsident des Eidgenössischen Turnfestes, Ständerat Hans Stöckli (SP/BE), die im Berner Inselspital hospitalisierten vier Erwachsenen und ein Kind. Es sei für ihn wichtig gewesen, sich mit den am schwersten Betroffenen zu unterhalten, sagte Stöckli an einer anschliessenden Medienkonferenz.

Zu den möglichen Umständen des Dramas sowie allfälligen Verantwortlichkeiten wollte er aber nichts sagen. Eine Untersuchung sei eingeleitet und sie werde Antworten bringen, sagte Stöckli. Im Vordergrund steht die Frage, ob die Evakuierung des Geländes zu spät angeordnet wurde.

«Zwei Gesichter»

Der Direktor des Organisationskomitees, Fränk Hofer, und seine Equipe, verdienten nach wie vor Vertrauen und seien auf der Höhe ihrer Aufgabe, sagte der frühere Bieler Stadtpräsident weiter. Das Turnfest habe zwei Gesichter gehabt, und damit müsse man leben.

Laut Stöckli müssen die Organisatoren solcher Veranstaltungen künftig die Klimaveränderungen mit einbeziehen. Er geht davon aus, dass sich meteorologische Extremlagen häufen werden. Wir könnten die gleichen Phänomene erleben wie in den USA, bemerkte er weiter.

(jbu/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Oliver am 22.06.2013 15:42 Report Diesen Beitrag melden

    alles ok

    ich war auch da, und zwar in ipsach. wir sind gerade vom bus runtergelaufen und dann beim laufzelt mit dem sturm angekommen.. wir haben uns dann hinter den bäumen versteckt, damit wir von nichts getroffen werden. hatte angst, das grosse zelt fliegt uns bald entgegen. ich will dem ok keine vorwürfe machen. sie haben vieles richtig gemacht. und wer von all den klugscheissern hier ist den ganzen tag zuhause geblieben und hat sich den tag frei genommen? weil man könnte ja auch sonst von einem baum oder sonst was getroffen werden?

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  • oliver am 23.06.2013 00:52 Report Diesen Beitrag melden

    polizei

    und das der Kommentar der Polizei? «Die Polizei hat die Wetterwarnungen von Meteo Schweiz an die Veranstalter weitergegeben», sagt ein Sprecher der Kapo Bern. «Der Entscheid für die Evakuierung liegt beim Veranstalter.» diese gegenseitigen Beschuldigungen sind ja ein Witz. also wie hier ja alle Besserwisser wussten, dass es so übel wird, dann sollte es die Polizei erst recht wissen? Turnfest-ok hin oder her... "ähm ja wir machen mal nichts, das ok soll das entscheiden.. egal obs tote gibt oder nicht"... "wir waschen unsere Hände in Unschuld"

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  • OK-Kritiker- Hobbameterologe am 22.06.2013 19:33 Report Diesen Beitrag melden

    Unverantwortlich

    Einfach unverantwortlich vom OK. Als Meteo Laie habe ich die Superzelle auf Biel verfolgt und mich gefragt, warum die Leute nicht in Sicherheit gebracht wurden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • PEter Berner am 24.06.2013 06:08 Report Diesen Beitrag melden

    Sozi Stöckli

    Am meisten ärgert mich, dass nun der Stöckli auftauht und einen auf Bittermine macht. Er macht doch tatsächlich Propaganda mit verletzten.

  • Turnfestbesucherin am 23.06.2013 12:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbstverantwortung

    Nur wer selbst am Turnfest war, kann sich vorstellen, wie schwierig es sein muss, all diese Leute zu evakuieren, ohne dass massenpanik ausbricht...Sturmwarnung wurde herausgegeben und es gibt viele Leute, die sich via app/sms über ankommende Gewitter informieren lassen...manchmal darf der Mensch nicht vergessen selbst zu denken! Man muss ihm nicht alles abnehmen wollen...Das Turnfest ist super und liebevoll organisiert worden vom ok sowie von den vielen Freiwilligen. lässt es ein friedliches Volksfest bleiben!

    • Steven H. am 24.06.2013 08:06 Report Diesen Beitrag melden

      Wettkampf!

      Der normale Turner hat nicht sein Handy in der Unterhose dabei, da im Trikot keine Hosentasche beinhaltet ist, dies sollte klar sein. Und wenn man gerade in einem Wettkampf ist, achtet man sich ehrlich gesagt nicht auf das Wetter. Der Wettkampf lauft solange wie vorgegeben da dieser zur Wertung des ETF zählt. Man kann keinem einzigen der Turner sage sie können nicht selbst denken das ist das letzte!

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  • Blitz am 23.06.2013 11:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aber hallo?

    Fakt ist:, Die Unwetterwarnung wurde von den Meteorologen schon früh am Morgen heraus gegeben. Es war also bekannt, dass mit heftigen Gewittern zu rechnen war. Besonders im Westen der Schweiz. In der heutigen Zeit, ist es ein leichtes, das Wetter im Auge zu behalten. Ob am PC oder am Smartphone. Wer Grossanlässe organisiert, ist dazu verpflichtet!!!!! Was da in Biel abgelaufen ist, ist grobfahrlässig und muss Konsequenzen nach sich ziehen. Die Organisatoren haben in diesem Punkt voll versagt. Jeder der dies bestreitet, ist ein Schönreder! Das Gewitter wird nun wohl verklagt?

  • grus-seeland am 23.06.2013 10:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überraschung der Wucht!!

    Ich habe wie auch die meisten ein app das Wetteralarm heisst. Der Wetteralarm traff am 20.06.2013 um 17.49h auf meinem Handy ein. Zum selben Zeitpunkt fuhr ich mit meinem Lieferwagen von Merzligen Richtung Aarberg. Bereits 5min. später erreichte uns eine Staubwolke mit heftigen Sturmböen, so dass der Verkehr auf den Strassen im Schritttempo fuhr. Also ich denke wir wurden alle überrascht!!!!

  • Skyfox am 23.06.2013 09:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Absolutes fehlverhalten

    Ich begreife dieses verhalten nicht. Wenn sie im kontakt mit meteorologen gestanden hätten, hätten sie spätestens um 17 uhr die meldung erhalten das diese superzelle auf biel treffen würde. Dann hätten sie noch genug zeit zu evakuieren gehabt. Es ist nur gerecht wenn jetzt ein strafverfahren eingeleitet würde

    • Kurt Schneider am 24.06.2013 07:21 Report Diesen Beitrag melden

      Super meteorologen

      Im Nachhinein machen die Meteorologen auf dicke Hose. Voraussagen zur Heftigkeit und Geschwindigkeit der Zelle waren bestimmt keinen Deut besser wie die Prognosen der Wetterlage im laufenden Jahr. Denke nicht, dass ein direkter Draht zu diesen "Hellsehern" irgendwas am Verlauf der Geschichte geändert hätte!

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