Unfall in Bern

22. Oktober 2019 19:15; Akt: 23.10.2019 08:00 Print

«YB-CEO hatte keinen Puls mehr»

Bei einem Unfall in der Nacht auf Sonntag wurde YB-Boss Wanja Greuel schwer verletzt. Ein Augenzeuge und Ersthelfer berichtet.

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In der Nacht auf Sonntag wurde YB-CEO Wanja Greuel Opfer eines Verkehrsunfalls: Im Bereich der Berner Schützenmatte wurde der 41-Jährige von einem Auto erfasst und dabei schwer verletzt. Passanten leisteten vor dem Eintreffen der Ambulanz erste Hilfe.

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Einer von ihnen war A.R.* Der 23-Jährige stand gegen 1.45 Uhr mit Kollegen beim Club Le Ciel an, als der Unfallfahrer vom Bahnhof her in Richtung Lorrainebrücke brauste. «Er war mindestens mit Tempo 80 unterwegs», erinnert sich R. Erlaubt sind dort 50 km/h. Auch die Schäden am Auto – die zerschlagene Scheibe und die Verkrümmung des Dachs – würden auf die viel zu hohe Geschwindigkeit hindeuten, so R.

«Greuel hatte keinen Puls mehr»

Greuel – R. erfuhr erst nachträglich aus den Medien, dass es sich bei ihm um den YB-CEO handelt – habe sich im Bereich des Fussgängerstreifens gleich neben der Discothek aufgehalten, als ihn der Wagen erfasst habe. «Nach dem Aufprall wurde er bis zur Bushaltestelle Bollwerk geschleudert», sagt R. «Das sind mindestens 60 Meter.» Laut Google Maps sind es sogar über 80 Meter.

Der junge Berner eilte als Erster zum Schwerverletzten. «Als ich bei ihm ankam, hatte er schon blaue Lippen», berichtet R. «Es war klar, dass er seine Zunge verschluckt hatte.» Sofort habe er diese mit dem Finger hervorgeholt und den YB-Chef anschliessend in die Seitenlage gebracht. Am Kopf habe Greuel stark geblutet. Und: «Er hatte keinen Puls mehr.»

Fahrer wollte Unfallort verlassen

Glücklicherweise waren gleich zwei Ärzte in der Nähe, die Greuel wiederbeleben konnten. Danach sei er zu sich gekommen und ansprechbar gewesen. «Er sagte, dass er den einen Fuss nicht mehr spüren und bewegen könne», so R.

Der Fahrer habe sein Auto unmittelbar nach der Kollision laut R. nicht verlassen. Im Gegenteil: Er habe sich sogar vom Unfallort entfernen wollen. «Ich und einige Passanten haben ihn jedoch davon abgehalten.»

Nach seiner Hilfeleistung fuhr R. direkt nach Hause. Allerdings sei er noch lange wach gelegen: «Ich habe noch nie mit ansehen müssen, wie ein Mensch überfahren wird.»

Greuel nicht mehr auf Intensivstation

Laut einer YB-Medienmitteilung von Dienstagnachmittag befindet sich Wanja Greuel nach wie vor in Spitalpflege. Sein Gesundheitszustand habe sich gemäss behandelnden Ärzten sehr erfreulich entwickelt. «Er konnte am Dienstag von der Intensivstation in ein normales Zimmer verlegt werden», schreibt der Club. Zum aktuellen Zeitpunkt könnedie Dauer der weiteren Behandlung noch nicht exakt abgeschätzt werden.

Neben dem YB-CEO wurde ein weiterer Fussgänger bei der Kollision leicht verletzt.

*Name der Redaktion bekannt

(sul)