Sexuelle Handlungen mit Kindern

23. September 2019 16:23; Akt: 23.09.2019 17:06 Print

Töchter zufrieden, dass ihr Vater ins Gefängnis soll

E. K.* (59) aus dem Kanton Solothurn muss ins Gefängnis. Laut dem Richter hat er auch seine mittlere Tochter sexuell missbraucht und geschändet.

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Zu drei Jahren und vier Monaten verurteilte das Richteramt Thal-Gäu den 59-jährigen E. K.* am Montagmorgen. Bei der Verhandlung am 2. September warfen seine Töchter L. K.* (25) und A. K.* (22) dem Solothurner vor, sie zwischen 1996 und 1999 mehrfach schwer sexuell missbraucht und geschändet zu haben. Der Vater habe sich mehrmals beim Duschen an ihnen vergriffen und sie im Kindesalter zu Oralsex gezwungen.

Erinnerungen «zu wenig bestimmt»

Das Gericht entschied jetzt, das der 59-jährige Vater tatsächlich ein Täter ist. Er wurde so am Montagmorgen in Balsthal wegen mehrfachen schweren sexuellen Handlungen und mehrfacher Schändung zum Nachteil seiner mittleren Tochter L. verurteilt. Ihr muss der Vater auch eine Genugtuung von 12'000 Franken bezahlen. Er ist zudem zu hundert Prozent schadensersatzpflichtig – er muss etwa die therapeutischen Kosten der traumatisierten 25-Jährigen tragen.

Im Fall der jüngsten Tochter A. hat der Richter den Familienvater hingegen freigesprochen. Der Grund: Die 22-jährige Klägerin war zum Zeitpunkt des vorgeworfenen Missbrauchs erst zwei Jahre alt. Einige ihrer Aussagen seien für eine Verurteilung «zu wenig bestimmt» gewesen. Tochter L. hingegen war zum Zeitpunkt des Missbrauchs fünf Jahre alt. Ihre Aussagen seien demnach konkreter und detaillierter gewesen. Ausserdem gäbe es bei L. schon genauere Informationen aus früheren Akten, die die Vergehen des Vaters unterstreichen würden. Der Vater wurde nämlich im 2004 bereits vom Gericht verurteilt, weil er auch die älteste seiner drei Töchter sexuell missbraucht hatte. Dieses Urteil ist rechtskräftig.

«Wollten verhindern, dass er es wieder tut»

Doch wieso wurde der Mann nun erneut vor Gericht gezogen? Die beiden jüngeren Schwestern hatten erst Strafanzeige eingereicht, als ihnen zu Ohren gekommen war, dass der Vater plane, nach Thailand auszuwandern und dort ein Kind zu adoptieren. «Wir wollten verhindern, dass er nochmals ein Kind missbraucht», sagte Tochter A. zum Richter. Deshalb forderten die Schwestern auch, dass ihr Vater nach dem Urteilsspruch umgehend ins Gefängnis wandert. Das Gericht wies jedoch den Antrag auf eine Sicherheitshaft ab. Der 59-Jährige habe in der Schweiz stabile Beziehungen und eine sichere Arbeit. Ein gewisses Restrisiko würde zwar bleiben, da der Solothurner auch Verbindungen zu Thailand habe, doch würde dies keine Sicherheitshaft rechtfertigen. Derzeit befindet sich der Mann auf freiem Fuss.

Das Urteil wird angefochten

Beide Frauen hätten gefasst auf das Urteil reagiert, sagt eine Prozessbeobachterin. Dass der Vater im Fall der jüngeren Tochter freigesprochen wurde, sei für die Klägerinnen nicht unerwartet gekommen. «Ihnen war wichtig, dass ihr Vater überhaupt verurteilt wurde», so die Beobachterin.

Anwalt Christoph Schönberg, der Verteidiger von E. K., zeigt sich hingegen schockiert über das Urteil: «Ich habe, wie mein Mandat auch, mit einem Freispruch gerechnet.» Sein Mandant sei während der Urteilsverkündung bestürzt und fassungslos gewesen. «Das Urteil wird in jenen Punkten, in denen es nicht zu einem Freispruch gekommen ist, angefochten», sagt Schönberg. Somit dürfte der Prozess ans Obergericht des Kanton Solothurns weitergezogen und dort erneut verhandelt werden.

*Namen der Redaktion bekannt

(km)